Demjanjuk-Prozess beginnt am 30. November

Demjanjuk ist in München in U-Haft
Demjanjuk ist in München in U-Haft ©ZST LUDWIGSBURG FILE
Der mutmaßliche NS-Verbrecher John Demjanjuk muss sich ab 30. November wegen Beihilfe zum Mord in Tausenden von Fällen vor dem Münchner Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft München wirft ihm vor, als Wachmann 1943 im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen bei der Ermordung von mindestens 27.900 Juden in den Gaskammern geholfen zu haben.

Die Verhandlung dürfte vermutlich einer der letzten großen Prozesse zu Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus werden. Hauptbeweismittel der Ankläger ist ein SS-Dienstausweis mit der Nummer 1393. Zudem geht aus einer Verlegungsliste von März 1943 hervor, dass Demjanjuk damals nach Sobibor verlegt wurde. Demjanjuk bestreitet, an den Verbrechen beteiligt gewesen zu sein.

Der 89-Jährige sitzt seit seiner Abschiebung aus den USA im Mai in München-Stadelheim in Untersuchungshaft. Er leidet unter Nierenversagen, Blutarmut und Wirbelsäulen-Problemen. Er ist in einem Gutachten als verhandlungsfähig eingestuft worden. Die Ärzte haben jedoch empfohlen, die Verhandlungsdauer auf zwei Mal 90 Minuten pro Tag zu beschränken.

Demjanjuk stand schon einmal wegen Beihilfe zum Mord an Tausenden Juden vor Gericht. 1988 wurde er in Israel zum Tode verurteilt. Er wurde für “Iwan den Schrecklichen” gehalten, ein im Vernichtungslager Treblinka für seine sadistischen Taten berüchtigter Aufseher. Nach neuen Beweisen hob das Oberste Gericht Israels das Todesurteil allerdings auf, und Demjanjuk kehrte in die USA zurück. Dort lebte bis zu seiner Abschiebung nach Deutschland.

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