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Das Wiener Kanalnetz als Schwerstarbeiter

©APA
Das Wiener Kanalnetz plagt sich jeden Tag mit rund 15 Tonnen Ablagerungen! Diese bestehen unter anderem aus Fäkalien, Müll, Schotter und Sand, die aus den Kanälen gefördert werden.Bilder vom Kanalnetz

Das Wiener Kanalnetz umfasst 2.300 Kilometer öffentliche Abflüsse und 6.300 Kilometer Hauskanäle. Erstere leiten die Abwässer von Haushalten, Industrie und Gewerbe zur Hauptkläranlage der Entsorgungsbetriebe Simmering. Dies passiert maschinell oder händisch. Im Schnitt wird jeder Kanal ein- bis zweimal im Jahr gesäubert.

Täglich fließt laut Magistratsabteilung 30 (“Wien-Kanal”) etwa eine halbe Milliarde Liter Abwasser durch das Netz. Bei starkem Niederschlag müssen die Rohre mit bis zu 1,6 Mrd. Liter pro Tag fertig werden. An die Grenzen ist das System noch nicht gestoßen. Josef Gottschall von der MA 30 weiß warum: “Wir hatten Glück. In der Monarchie wurde ein Kanalsystem für drei Millionen Einwohner geplant.” Der Klimawandel mit seinen extremen Wetterkapriolen zählt in der heutigen Zeit zu den größten Herausforderungen: “Mehrtägiger leichter Regen ist kein Problem für das System. Doch heute haut’s an einem Tag soviel runter, wie früher an fünf Tagen”, weiß Gottschall.

Vor etwa 180 Jahren entstanden die ersten Kanäle, die auch heute noch im Betrieb sind. Doch die Geschichte der Wiener Kanalisation reicht bis in das Jahr 100 nach Christus zurück. Damals errichteten die römischen Soldaten im Militärlager Vindobona ein Abflusssystem. Im 18. Jahrhundert übernahm Wien eine Vorreiterrolle: Als erste Stadt Europas war sie 1739 innerhalb der Stadtmauern vollständig kanalisiert. “Erst einige Jahre später folgte Paris”, weiß Gottschall. Trotz der Infrastruktur suchten immer wieder Seuchen die Stadtbewohner heim, weil Vorstadt-Bewohner ihren Müll in die Wienerwaldbäche leiteten, aber dieses Wasser gleichzeitig auch zum Trinken und Waschen nutzen. Höhepunkt war eine Cholera-Epidemie im Jahr 1830 mit mehr als 2.000 Toten.

Danach beschlossen die Verantwortlichen, alle wichtigen Bäche im Stadtgebiet einzuwölben. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde das Kanalsystem permanent ausgebaut und erweitert. In den zwanziger und 30er Jahren verlangsamte sich die Entwicklung wegen der Wirtschaftskrise. Erst ab 1950 wuchs das Netz wieder und wurde durch den Bau von Kläranlagen modernisiert. 1980 wurde die Hauptkläranlage in Simmering errichtet.

Aktuell sind rund 99 Prozent der Wiener Haushalte an das Kanalnetz angeschlossen, das zu fünf Hauptsammelkanälen zusammen gefasst ist: Rechter und Linker Hauptsammelkanal entlang des Donaukanals, Rechter und Linker Wienfluss-Sammelkanal, der als eine Ader zählt und der Liesingtal-Sammelkanal. Alle 80 Meter befindet sich in Wien ein Einstiegsschacht. Das ist wichtig, denn er wird in Notfällen auch als Fluchtweg verwendet. Kontrolliert werden die in Summe 47.500 Wiener Schächte zumindest einmal pro Jahr. “Wir schauen, ob sie sich öffnen lassen und ob sie klappern”, so Gottschall.

Gemanagt wird das Kanalsystem von der MA 30. Diese wird per 1. April in eine Unternehmung umgewandelt. Der dazugehörige Beschluss wird am morgigen Donnerstag im Gemeinderat verabschiedet. Bei dieser Umstrukturierung handelt es sich nicht um eine Ausgliederung, Wien-Kanal bleibt Teil des Magistrats. Aber die neue Struktur soll die Realisierung von Projekten erleichtern, da Unternehmungen anders als Magistratsabteilungen über mehrere Jahre hinweg budgetieren können. Der Vorgang habe keinen Einfluss auf den bestehenden Cross-Border-Leasing-Vertrag über Teile des Kanalnetzes zwischen der Stadt Wien und dem US-Versicherer AIG, wird im Rathaus versichert.

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