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Das war das "Urban Art Forms" 2009

©Vienna Online
Electronic-Sounds im Erdbeerland: Die 5. Ausgabe des "Urban Art Forms"-Festivals in Wiesen war nach Veranstalterangaben mit insgesamt 36.000 Besuchern ausverkauft!
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Es ist wahrlich groß geworden, das “Urban Art Forms”: 150 DJs und Musiker beschallten mit durchdringender Lautstärke und feinem Klang fast rund um die Uhr das Gelände, und das Publikum passte am Samstag nicht mehr unter den überdachten Bereich, sondern ergoss sich hinaus auf die Wiesen in Wiesen. Waren am Freitag noch die Baseballkappen-Träger wenn schon nicht geschmacklich, so doch in punkto Regenschutz im Vorteil, ging am Samstag glücklicherweise sowohl der Regen zu Ende als auch der Schnee, der anderswo im Burgenland offenbar niederging, an Wiesen vorbei. So behinderten auch die kühlen Temperaturen die Partylaune nicht weiters, die am Festivalgelände höchst unterschiedliche Menschentypen zum gemeinsamen Wippen brachte.

Es entspann sich ein fröhliches Festival der feinen Unterschiede, bei dem an Tanzschritten und Äußerlichkeiten leicht festzumachen war, wer in DJ-Musik und Visuals wirklich jene urbane Kunstform sieht, die das Festival im Titel beschwört. Und wer jeden Samstag in die Großraumdisco geht. Die Grenzen der Geschmäcker, Gewänder und Gesichtsbräune waren fließend, Tanzstile aus allen Epochen und Szenen vermengten sich. Und hin und wieder brachen aus Einzelnen sogar ein paar verschämte “Krocha”-Bewegungen heraus, vielleicht mit der Angst verbunden, dass sich gleich wieder die Massenmedien auf die Rest-“Krocha” stürzen.

Lernen konnte man: Es braucht, jetzt mal rein musikalisch gesehen, nur wenig, um Menschen glücklich zu machen. Und insbesondere Moguai und Moonbootica verstanden sich am Samstagabend auf das heitere Tanzfest-Spiel: Bässe wegnehmen, Spannung aufbauen, und dann die Bässe wieder zumischen – Jubel und erhobene Hände im Publikum bedankten dies jedes Mal. Auf diesen Archetyp der Massen-Motivation draufgesetzt wurde elektronische Musik in allen Ausformungen. Rasende Breakbeats und sympathische Synthie-Sounds, simple Kindermelodien und komplexe Gegen-Rhythmen, heiteres Sample-Raten und wummernder Sub-Bass vermengten sich zu jenem formlosen musikalischen Wogen, zu dem jedes gute Festival über kurz oder lang wird.

Doch wie schon am Freitagabend mit “Kraftwerk” gab es auch am Samstag einen Störfaktor (im positiven Sinn) im Partyrauschen. Denn wer die auf der Bühne tanzenden Pinguin-Kostümträger bei Monika Kruse am Vortag schon schräg gefunden hat, wurde von Deichkind am Samstag eines Besseren belehrt. In einer grell leuchtenden Plastik- und Neon-Show, mit menschengroßen Dohlen, einem Federn versprühenden, tanzenden Küken und wildem Trampolin-Gespringe (und, nicht zu vergessen, einem totenkopfschwingenden Sensenmann) stellten die Deutschen eine fulminante Performance auf die Bühne. Urbane Stammesrituale und ungehemmter Bühnenspaß, hochenergetische Gruppenchoreographien und imposante Kostüme (u.a. variabel leuchtende Dreiecke, die die Musiker am Körper tragen): Deichkind lieferten, insbesondere im Vergleich mit mehr oder weniger regungslos hinter dem Pult stehenden DJs, eine fröhliche Materialschlacht.

Da mutierte das Publikum vom Partyvolk zur euphorisch jubelnden Konzertmasse, und Deichkind würzten die Feierlaune mit sich selber überpurzelnden Textebenen – “Arbeit nervt”, sangen alle begeistert, und “Kein Staat, kein Gott, lieber was zu saufen”. Wer da auch ins Nachdenken kommt, hat ganz offenbar noch nicht genug getanzt.

“Wollt ihr mit uns ans Limit gehen”, fragten Deichkind gegen Ende ihres Auftrittes. Dort waren viele Festivalbesucher zu dem Zeitpunkt ohnehin schon angelangt – ein Tag Musikfestival macht den zivilisierten Städter zum Wildpinkler. Mancher stierte etwas verloren in die Gegend, andere nippten am heißen Tee, wieder andere erkundeten etwas verkrampft etwaige Aufreiß-Möglichkeiten abseits der langen Schlange vor dem Damenklo. Und viele schienen einfach erschöpft. So werden wohl einige vor dem für 02.15 Uhr angekündigten Auftritt von Sven Väth mit seiner aufwendigen “Cocoon Stage” aus der Party ausgecheckt haben. Doch nicht wenige waren scheinbar wirklich drei Tage wach: Das “Urban Art Forms” machte Wiesen zur Erdbeermetropole, die niemals schläft. Und das Festival selbst mauserte sich in seinen bisherigen fünf Ausgaben zur höchst erfolgreichen Bereicherung des Festivalreigens.

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