Das Oktoberfest als Hochsicherheitszone

Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen auf der Wiesn.
Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen auf der Wiesn. ©APA
Die Polizei ist in Alarmbereitschaft seit islamistische Drohvideos kursieren. Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen schrecken die Volksfest-Besucher allerdings nicht ab.
Terrorgefahr akut
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Das Oktoberfest steht für Lebenslust und Weltoffenheit. Nun wurde das größte Volksfest der Welt zur Hochsicherheitszone. Denn nach mehreren Drohvideos islamistischer Terroristen ist die Sorge vor Anschlägen gestiegen. Mannschaftswagen und Lastwagen der Polizei versperren seit Montagmorgen auf den direkten Zufahrtsstraßen zur Münchner Theresienwiese den Weg. Polizisten in kugelsicheren Westen kontrollieren Autos, die in den Sicherheitsgürtel rund um das Festgelände fahren wollen.

Man wolle “die Wiesn nicht zur Festung ausbauen”, versichert der Münchner Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer. Es gebe auch keinen Hinweis auf konkrete Anschlagspläne, erklärt der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. In zwei Drohvideos sei aber auf das Oktoberfest mit seinen jährlich mehr als sechs Millionen Besucher Bezug genommen worden. “Es gibt keinen Grund, in Panik zu verfallen, aber es wäre auch nicht verantwortlich, die Drohungen einfach beiseite zu schieben”, sagt Herrmann.

Gefahr im Hinterkopf

Auf dem Oktoberfest selbst ist derweil von Terrorangst nichts zu spüren. In den großen Bierzelten tanzen die Besucher bereits am frühen Nachmittag bierselig auf den Bänken. Bei warmem Spätsommerwetter schlendern vor allem Ältere und Familien über die Theresienwiese, bevor der Ansturm am Abend beginnt. An den Eingängen zur Festwiese stehen Polizisten, die öfter als in den vergangenen Tagen die Taschen der Besucher kontrollieren. Auch in den U- und S-Bahnhöfen sind mehr Polizeistreifen unterwegs.

Auch die Münchnerin Maria Sedlmair ist mit ihren zwei und vier Jahre alten Söhnen Korbinian und Matthias auf das Oktoberfest gekommen. Natürlich habe sie die “Gefahr immer im Hinterkopf”, sagt die Mutter. “Aber die Polizei steht ja vorne am Eingang.” Sogar Rentner würden genau kontrolliert. Da sei das Risiko eines Anschlags geringer, meint Sedlmair.

“Immer positiv denken”

Ähnlich denkt auch Richard Gertgen. Der Amerikaner ist zusammen mit Freunden auf der Wiesn. “Ich habe überhaupt keine Angst”, sagt er. Auch am Wochenende habe er ausgelassen im vollen Bierzelt gefeiert. Beim Abflug in Amerika sei zwar vor möglichen Anschlägen in Deutschland gewarnt worden, doch er fühle sich durch das Polizeiaufgebot sicher. “Ich finde es gut, wenn Präsenz gezeigt wird”, lobt der Tourist die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Oktoberfest.

“Mit dem Gedanken an einen Anschlag geh’ ich gar nicht auf die Wiesn”, erklärt eine 76-Jährige Rentnerin. “Dann könnt’ ich ja nirgendwo mehr hingehen.” Ihre Freundin glaubt, dass das Oktoberfest am Nachmittag sicherer sei. “Abends sind wir wieder weg”, erklärt die 71-Jährige und bekennt: “Ein bisschen Gedanken macht man sich schon.” Bernhard Moser ist zum ersten Mal auf der Wiesn. Er habe natürlich von den islamistischen Drohvideos rund um die Bundestagswahl gelesen, sagt der Freiburger. Vom Oktoberfest-Besuch halte ihn das aber nicht ab. “Ich hab mir gar nichts gedacht.” Natürlich könnte was passieren, meint die 24-jährige Caterina. Neben der Terrorgefahr drohe ja auch die Schweinegrippe. “Aber ich gehe nicht mit Angst hierher”, versichert die Nürnbergerin. Ihr Motto laute: “Immer positiv denken.”

Keine Panik

Auch der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude warnt vor Panikmache. “Ich werde die nächsten Tage wiederum auf die Wiesn gehen”, erklärt er. Ob Gäste ausbleiben werden, darüber wollte er nicht spekulieren. Insgesamt habe es dieses Jahr etwas weniger Hotelbuchungen im Umfeld des Oktoberfestes gegeben, sagt Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl. Es sei aber wohl vor allem die Wirtschaftskrise, die Gäste aus dem Ausland abhalte.

Einen Besucherrückgang infolge der verschärften Sicherheitsmaßnahmen stellte Weishäupl zumindest am Montag noch nicht fest. “Ich begrüße jede Sicherheitsmaßnahme, die unsere Wiesn schützt”, erklärt die Tourismuschefin.

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