"Danke, Wien!": holstuonarmusigbigbandclub im Gasometer

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Das Wälderbähnle fuhr an diesem Abend bis zur Station Gasometer und konnte doch nicht verhindern, dass die Freunde der Bregenzerwälder Blasmusik in das europaweit bekannt gewordene Klagelied im Chor einstimmten: "Vo Mello bis ge Schoppornou bean i gloufa...".
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Dass sich die fünf jungen Männer des holstuonarmusigbigbandclub bei ihrem gestrigen ersten großen Wien-Auftritt in der Bank Austria Halle keineswegs als One-Hit-Wonder präsentierten und viele der zwar nicht übermäßig zahlreich erschienenen, doch bestens gelaunten Fans sowohl den Bandnamen nahezu fehlerfrei aussprechen als auch bereits den neuen Hit “Vorreasso vorkouft as louft” der brandneuen CD “Lieble” mitsingen konnten, waren nur zwei der zahlreichen Überraschungen.

Ja, es waren auch “Wälder” anwesend, wie Trompeter Bartholomäus Natter eingangs durch Publikumsbefragung erhob. Doch nein, geografische Herkunft spielt für das Verständnis des HMBC-Repertoires keinerlei Rolle. Denn der “Vo Mello”-Hit, der die Band im vergangenen Jahr via Youtube-Video ins Formatradio und auf Platz zwei der Österreich-Charts katapultiert hatte, ist nicht nur mit seiner ruhigen, balladesken Anlage keineswegs typisch für die Musik des heute auf Landeskonservatorien und Musikunis in Vorarlberg, Tirol, Salzburg und Wien zerstreuten Quintetts, auch setzen sie keineswegs nur auf Dialekt.

“Sprache ist dazu da, um mit ihr zu spielen – ob das jetzt Wälderisch ist oder etwas anderes”, sagt Frontman Philipp Lingg im APA-Gespräch vor dem Auftritt und ortete in den bisherigen Konzerten der Österreich-Tournee keine Sprachbarriere. Tatsächlich kommt Hochdeutsch, Wälderisch und Englisch gleichermaßen zum Einsatz – gelegentlich auch innerhalb eines einzigen Songs.

Im Video zu “Vorreasso vorkouft as louft” träumt Lingg vom Auftauchen eines bösen Managers, der den Musikern “mit ein bisschen Playback, mit ein bisschen Showdreck” das große Geld verspricht, ehe er von seiner Mutter aus dem Alptraum geweckt wird. Tatsächlich resümiere das Lied ihre Erfahrungen mit dem Musikbusiness, räumt Natter ein: “Es sind schöne Sachen passiert und weniger schöne Sachen. Wir haben Entscheidungen treffen müssen, die wir uns vorher gar nicht vorstellen konnten. Dafür wissen wir heute noch genauer, wofür wir stehen. Wir lehnen Playbackformate ab. Wir wollen weiterhin das machen, was wir wollen, ohne, dass uns jemand sagt, das Stück passt nicht zu euch oder Ähnliches. Die Band will vor allem ein super Liveact sein, den Kontakt zum Publikum genießen und Spaß haben.”

Das ist dem holstuonarmusigbigbandclub gestern in Wien mit Sicherheit geglückt. Mit vollem Einsatz blasen die Fünf darauf los, als gelte es sämtlichen Brass-Bands des Balkans zu zeigen, dass nur im Bregenzerwald ernstzunehmende Konkurrenz wohnt. Instrumentale Reminiszenzen an Besuche der legendären Musik-Feste im serbischen Guca, wie etwa “Trumpets everywhere” des ausgezeichneten Saxofonisten Andreas Broger, oder “Rivershrentz” des als Kasperl über die Bühne fegenden Posaunisten Johannes Bär, in dem bei unglaublichsten Tempowechseln auch Irish Folk-Anklänge samt Blockflötensolo Platz haben, zeigen, dass die fünf Musikstudenten (Stefan Bär an der Tuba komplettiert die Kombo) ihre Instrumente bestens beherrschen. Und Philipp Lingg (Akkordeon, Gitarre, Gesang) zeigt als Alex-Verschnitt mit Melone, dass nicht nur in der aus “A Clockwork Orange” bekannten Korova Milchbar die Post abgehen kann.

Überhaupt die Pop-Kultur: Mit eigenwilligen, zwischen Hommage und Verarschung pendelnden Versionen von Hits wie “Every Breath You Take” von The Police oder “Back for Good” von Take That erinnert die Band, die auf ihrer neuen CD nur noch Eigenkompositionen aufgenommen hat, an ihre Anfänge als Cover-Band, mit “Grüne Tannen” der Zillertaler Schürzenjäger oder “Über jedes Bacherl geht a Brückerl” von Stefanie Hertel bekommen auch einige Kollegen der Volksmusikbranche ihr Fett weg. Zwischendurch zeigt der HMBC jedoch immer wieder, dass er seine Wurzeln keineswegs verleugnet, und dass volkstümlich nicht notwendigerweise mit volksdümmlich einhergehen muss.

Insgesamt war es eine ziemlich wilde Mischung, ziemlich funky und voll positiver Energie. Partystimmung, souverän dirigiert von fünf sympathischen Burschen, die bei aller Verwunderung über ihren eigenen Erfolg es nicht lassen konnten, augenzwinkernd auch ein wenig die Show-Profis zu markieren: “Danke, Wien!” Danke retour. Und wem die Füße danach wehgetan haben, dann diesmal wohl nicht vom Nach-Hause-Laufen, sondern vom Mittanzen.

(APA)

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