D: Rückgang an Universitäten

Der offenbar rückläufige Akademikernachwuchs in Deutschland hat Bildungsexperten und Politiker aufgeschreckt. Die Zulassungsbeschränkungen wird als möglicher dafür Grund genannt.

Vor allem die Hochschulrektorenkonferenz äußerte sich am Mittwoch besorgt über die neueste Erhebung des Statistischen Bundesamtes, nach der die Zahl der Studienanfänger in diesem Jahr um 3,5 Prozent auf 343.700 gesunken ist. Der Bildungsexperte der Grünen, Kai Gehring, sprach von einer „schallenden Ohrfeige“ für die Kultusminister vieler Bundesländer.

Nach Angaben der Wiesbadener Behörde betrug der Rückgang der Studienanfängerzahlen an den Universitäten knapp fünf Prozent und an Fachhochschulen ein Prozent. Allerdings waren im gerade beginnenden Wintersemester 2006/2007 an den Hochschulen mit rund 1,98 Millionen noch etwa genauso viele Studenten eingeschrieben wie im Jahr zuvor.

Der Rückgang der Studienanfänger ist laut Statistik mit 13 Prozent am deutlichsten in Sachsen. Jeweils zehn Prozent weniger Studienanfänger gibt es in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. In Baden-Württemberg sind es neun Prozent weniger, in Bremen acht Prozent. Starken Zulauf haben dagegen die Berliner Universitäten mit neun Prozent mehr Studienanfängern, und an den Fachhochschulen der Hauptstadt schrieben sich sechs Prozent mehr ein. Die Fachhochschulen in Bremen und Niedersachsen verzeichnen indessen zwölf beziehungsweise elf Prozent weniger Anfänger.

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) befürchtet angesichts dieser Daten negative Folgen für die Bildungssituation in der Bundesrepublik. „Die Zahlen sinken, obwohl Deutschland mehr Akademiker braucht. Ein Grund dafür sind die starken Zulassungsbeschränkungen, zu denen die Hochschulen gezwungen sind“, sagte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel in Bonn.

Deutschland entferne sich immer weiter von dem Ziel, 40 Prozent eines Altersjahrgangs an die Hochschulen zu führen, erklärte Wintermantel. Wegen der unzureichenden Finanzierung und der Einführung betreuungsintensiver Bachelor- und Masterstudiengänge hätten die Hochschulen immer häufiger keine andere Wahl, als die Zulassungen noch weiter zu beschränken. Dass potenzielle Studenten von der Einführung von Studiengebühren abgeschreckt würden, sei derzeit aber nicht zu erkennen, sagte die HRK-Präsidentin.

Kritik an den Verantwortlichen

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Gehring erklärte in Berlin, die Wissenschaftsminister vieler Länder bekämen nun die Quittung für die Einführung steigender Zulassungshürden vor den Hörsaaltüren. Lokale Numeri clausi und Studiengebühren schreckten zahlreiche junge Menschen vom Studium ab.

„Eine auf 35,5 Prozent gesunkene Erstsemesterquote ist ein bildungspolitisches Armutszeugnis“, sagte Gehring. Bundesbildungsministerin Annette Schavan verfehle damit klar das 40- Prozent-Ziel aus dem Koalitionsvertrag. Nach den Worten des Grünen- Politikers nehmen in vergleichbaren Industrienationen durchschnittlich 53 Prozent aller jungen Leute ein Studium auf. Laut Bundesamt bedeutet die Erstsemesterquote von 35,5 Prozent einen Rückgang von gut drei Prozentpunkten gegenüber dem Höchststand von 2003, als die Quote 38,9 Prozent betrug.

Auch das Deutsche Studentenwerk (DSW) warf den Verantwortlichen in der Hochschul- und Bildungspolitik vor, die falschen Signale gesandt zu haben. „Für die Bundesregierung ist das ein herber Rückschlag“, erklärte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde in Berlin.

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