"Cyberbullying" nur ein Teil - Offline-Mobbing bleibt Thema

"Cyberbullying", das Sekkieren und Mobben von Menschen, speziell Mitschülern, über Social Network Plattformen, SMS oder andere Neue Medien, erhält viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Doch es ist kein Einzelphänomen; entscheidend ist das, was tatsächlich am Schulhof abläuft.

“Cyberbullying”, also das “Sekkieren” oder Ärgern von anderen mittels elektronischen Hilfsmitteln wie Handy oder Computer, ist an Österreichs Schulen im Vergleich zu anderen aggressiven Verhaltensweisen seltener als man ausgehend von Medienberichten der letzten Zeit annehmen könnte. Das zeigt eine Studie der Bildungspsychologinnen Christiane Spiel, Dagmar Strohmeier und Petra Gradinger (Universität Wien), bei der 716 Jugendliche der neunten Schulstufe befragt wurden.

Das Problem “Cyberbullying” muss natürlich ernst genommen werden – es ist aber oft nur die “Spitze des Eisbergs”, so Spiel. Es wäre ein schwerer Fehler, über den Kampf gegen das Online-Mobbing das tatsächliche Mobbing an Schulen und Arbeitsplätzen, sozusagen das “Offline”-Mobbing, aus den Augen zu verlieren. Denn Täter bleiben Täter und Opfer bleiben Opfer – unabhängig vom Medium.

Mitschüler mobben

Formen des “Cyberbullyings” sind etwa das Ärgern von Mitschülern via SMS oder Internet, Ausgrenzungen auf sozialen Netzwerkseiten, körperliche Drohungen via Internet oder “Happy Slapping”. Gegenüber dem traditionellen Mobbing können sich die Opfer der Attacken schwerer entziehen. Die Täter wiederum können unsichtbar bleiben, gleichzeitig fallen einerseits Hemmungen, andererseits aber auch der “Lustgewinn” weg. “Cyberbullying” kommt wesentlich seltener als Mobbing vor, nimmt aber mit wachsendem Alter zu.

Im Vergleich mit anderen Verhaltensweisen wird “Cyberbullying” selten aktiv ausgeführt: Drei Prozent der Mädchen und acht Prozent der Burschen waren mindestens einmal als Täter involviert. Umgekehrt wurden sieben Prozent der Schüler einmal mit Hilfe des Handy oder des Computers beleidigt oder verletzt. Bei den Opfern gibt es keine Geschlechtsunterschiede.

Online und offline laufen parallel

Allerdings: Wer aktiv “Cyberbullying” betreibt, ist fast immer auch aktiver Mobber, “Cyberbullying”-Opfer sind auch Opfer anderer Arten von Mobbing.

Die Studienautorinnen beobachteten auch Zusammenhänge mit psychischen Risiken. Jugendliche, die sowohl aktiv mobben als auch “Cyberbullying” betreiben, sind auffallend aggressiv. Jugendliche, die Opfer von “Cyberbullying” und anderer Arten von Mobbing sind, haben auffallend häufig depressive und somatische Probleme.

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