Costa Concordia - Kapitän gestand Fehler: "Opfer meiner Gedanken"

Der Kapitän der Costa Concordia behauptet, in ein Rettungsboot gestürzt zu sein. Wegen der starken Neigung, konnte er dann nicht mehr in die "Costa Concordia" zurückkehren. Er habe jedoch die Evakuierungsaktion unweit des Schiffes koordiniert.
Francesco Schettino wird verhört
Bilder der havarierten Costa Concordia vom 18.01.
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Grafik: Die Costa Concordia
Taucherbilder: Schiffswrack
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Das Wrack droht zu sinken
Passagiere wurden evakuiert
Telefonat belastet Kapitän
Große Havarien seit 1986
Keine Passagiere aus Vorarlberg
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Costa-Kreuzfahrten nimmt Stellung

Der Kapitän des havarierten Kreuzfahrtschiffes “Costa Concordia”, der am Dienstagabend unter Hausarrest gestellt worden ist, hat nach Angaben der italienischen Justizbehörden erste Geständnisse gemacht. Der 52-jährige Francesco Schettino gab schwere Fehler zu. Er habe sich zu sehr der Insel Giglio genähert und das Schiff sei gegen einen Felsen gefahren. Er bestritt jedoch, nach dem Unfall geflüchtet zu sei.

Der Kapitän, seit 2006 im Dienst der Rederei Costa Crociere, dem Betreiber der “Costa Concordia”, gab zu, dass er vor der Insel ein Manöver namens “Die Verneigung” vollführen wollte, bei dem das Schiff mit voller Beleuchtung und Sirenen die Küstenbewohner grüßt. Damit wollte Schettino einen befreundeten Kapitän grüßen, mit dem er telefonierte. “Das Manöver war schon beim Start in Civitavecchia beschlossen worden, doch ich habe einen Fehler gemacht. Ich kenne die Strecke gut und ich hatte das Manöver schon drei- oder viermal vollführt. Diesmal bin ich in zu seichtes Wasser geraten. Ich weiß nicht, warum das passiert ist. Ich war Opfer meiner Gedanken”, sagte Schettino den Ermittlern bei einer dreistündigen Anhörung am Dienstag.

Am Sonntag hatte bereits die Staatsanwaltschaft massive Vorwürfe gegen den Kapitän erhoben. Dieser habe den Luxusliner “extrem ungeschickt” zu nahe an die Insel herangeführt, betonte ein Staatsanwalt. Zudem habe Schettino das Schiff lange vor dem Ende der Evakuierungsaktion verlassen. Damit habe er die Passagiere sich selbst überlassen, darunter 300 Kinder und Behinderte.

Schettino bestreitet die Flucht

Schettino bestritt jedoch eine Flucht. “Die Passagiere drängten sich am Deck, um auf die Rettungsboote zu kommen. Ich hatte nicht einmal eine Schwimmweste an, weil ich sie einem Passagier gegeben hatte. Ich versuchte, die Passagiere in die Schaluppen zu bringen. Doch plötzlich hat sich das Schiff um 70 Grad geneigt, ich bin ausgerutscht und in eine Schaluppe gestürzt”, rechtfertigte sich Schettino. Wegen der starken Neigung, konnte er dann nicht mehr in die “Costa Concordia” zurückkehren. Er habe jedoch die Evakuierungsaktion unweit des Schiffes koordiniert.

Die Staatsanwälte wollten Schettino nicht glauben und ihn einem Drogentest unterziehen. Der Kapitän sträubte sich nicht dagegen. Er habe weder getrunken, noch Suchtgift konsumiert , versicherte er. Die Staatsanwälte protestierten gegen den Beschluss einer Untersuchungsrichterin, Schettino unter Hausarrest zu stellen. “Wir können eine Person nicht im Gefängnis halten, nur weil es die Öffentlichkeit verlangt”, erwiderte Untersuchungsrichterin Valeria Montesarchio laut italienischen Medien.

Inzwischen laufen die Ermittlungen um das Unglück weiter. Zwei Offiziere, die mit Schettino am Abend der Katastrophe das Schiff verlassen hatten, sind ins Visier der Staatsanwälte geraten. Ermittlungen sollen auch gegen den für Krisen zuständige Manager der Rederei Costa Crociere aufgenommen werden, berichteten italienischen Medien.

Noch 28 Personen vermisst

Die italienischen Behörden verzeichneten nach der Havarie des Schiffes vor der Insel Giglio am Dienstagabend 28 Vermisste, darunter 13 Deutsche. Die Zahl der Toten wurde zu diesem Zeitpunkt mit elf angegeben, außerdem gab es rund 80 Verletzte. Zum Zeitpunkt des Unglücks am Freitagabend waren mehr als 4.000 Menschen an Bord, darunter 77 Österreicher, die alle wohlauf sind.

(APA)

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