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Coronavirus: Samariterbund kritisiert Bevorzugung des Roten Kreuzes

Der Arbeiter-Samariter-Bund beklagt, dass das Rote Kreuz in Sachen Coronavirus bevorzugt wird.
Der Arbeiter-Samariter-Bund beklagt, dass das Rote Kreuz in Sachen Coronavirus bevorzugt wird. ©APA (Sujet)
Der Arbeiter-Samariter-Bund kritisiert die Bevorzugung des Roten Kreuzes bei der Krisenlogistik der Bundesregierung zum Thema Coronavirus und ortet dahinter parteipolitische Überlegungen. "Es ist nicht einzusehen, dass Hilfsorganisationen zum Publikum oder sogar zu Bittstellern degradiert werden, weil das Rote Kreuz quasi im Alleingang agiert", so Samariterbund-Präsident Franz Schnabl.

"Der Samariterbund wünscht sich eine stärkere Einbindung in die Abläufe bei der Virusbekämpfung", forderte Schnabl am Wochenende in einer Aussendung. Dass nur das Rote Kreuz so prominent in der Öffentlichkeitsarbeit der Regierung vorkomme, sei eine "Verzerrung der Vielfalt bei den Hilfsorganisationen", äußerte sich der zugleich als Chef der niederösterreichischen SPÖ-Landespartei tätige Schnabl.

Corona-Krise: Bundesregierung soll Rotes Kreuz bevorzugen

Er kreidet der türkis-grünen Bundesregierung eine Bevorzugung des Roten Kreuzes an. "Über die Motive kann man nur mutmaßen, wenn in den letzten Tagen durchgesickert ist, dass für die Kampagne 'Schau auf dich!' ca. 15 Millionen Euro aus Steuergeldern geflossen sind und dass das Rote Kreuz im Zusammenhang damit 440.000 Euro seiner Spendengelder an Werbeagenturen bezahlt hat, von denen zumindest bei einer eine gewisse Nähe zu Kanzler Kurz besteht", so Schnabl.

Abgesehen davon stört den Samariterbund vor allem, dass das Rote Kreuz bei der Beschaffung von Schutzausrüstung, bei der Stopp Corona-App und beim Verteilen von Zivildienern das Sagen hat. Warum das Rote Kreuz auf einmal für den staatlichen Einkauf von Masken und Schutzbekleidung zuständig ist, versteht Schnabl nicht. "Warum ist das nicht die offizielle Aufgabe der Bundesbeschaffungsagentur, die für solche Abläufe eigentlich gegründet worden ist?", fragt er sich in der Aussendung. Die Zusammenarbeit mit der Agentur sei einfach, schnell und unbürokratisch. Dadurch würden die Kosten sinken und ein transparenter, elektronischer Beschaffungsprozess sei sichergestellt, zeigte sich Schnabl überzeugt.

Ebenfalls ein Rätsel bleibt für den Samariterbund die Etablierung der umstrittenen Stopp Corona-App. In diesem Zusammenhang stellt sich für die Organisation die Frage, warum nicht eine App des österreichischen Innenministeriums zum Einsatz kommt. KATWARN, ein geprüftes staatliches System für das Krisen- und Katastrophenmanagement, stelle eine interaktive Plattform dar. "Warum muss in der Corona-Krise eine undurchsichtige privatwirtschaftliche App zum Einsatz kommen, wenn es KATWARN bereits gibt?", fragt Schnabl weiter.

Ungenutztes Potenzial beim Arbeiter-Samariter-Bund

Ebenfalls kein Verständnis hat der Samariterbund dafür, dass die österreichweite Verteilung der Zivildiener ausschließlich vom Roten Kreuz mit der staatlichen Zivildienstserviceagentur abgewickelt wird. Der Bund wisse selbst am besten, "in welchen Bereichen die 'Zivis' bei uns gefragt sind", so Schnabl.

Es gehe nicht darum, dass Samariterinnen und Samariter "beleidigt sind, weil sie in vielen Bereichen von der Regierung auf die Ersatzbank gesetzt werden und nicht mitspielen dürfen", betonte Schnabl am Wochenende mit Blick auf seine Kritik. "Wir wollen keinen Bruderzwist", bestätigte auch ein Sprecher der Organisation. Es gehe lediglich darum, dass eigentlich mehr Potenzial vorhanden wäre, das aber ungenutzt bleibt, weil sich die Regierung nur auf das Rote Kreuz konzentriere, hieß es. Das Rote Kreuz werde vom Samariterbund jedenfalls nicht als Feind oder Konkurrenz empfunden, versicherte er.

Auch im Krisenstab der Regierung sei der Samariterbund vertreten, hier gebe es keine Probleme, so der Sprecher. Wir "haben aber zuletzt den Eindruck gewinnen müssen, dass wir uns - möglicherweise auch aus parteipolitischen Beweggründen - in der Covid19-Krise nicht in vollem Umfang entfalten dürfen", merkte Schnabl an. In erster Linie gehe es dem Präsidenten aber nicht um Eitelkeiten, sondern um die Gesundheit der Menschen in Österreich - "und das sollte kein Politikum sein", so Schnabl.

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(APA/Red.)

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