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Coronavirus: Maßnahmen- Evaluierung über das Wochenende

Nehammer und Anschober informierten über die aktuelle Lage.
Nehammer und Anschober informierten über die aktuelle Lage. ©APA/HERBERT NEUBAUER
Die Bilanz der bisher durchgeführten Maßnahmen wird erst am Montag präsentiert. Am Wochenende soll eine Evaluierung stattfinden.

Entgegen ursprünglichen Erwartungen hat die Regierung am Freitag noch keine Bilanz vorgelegt, wie die bisher eingeleiteten Maßnahmen in der Coronakrise wirken. Sozialminister Rudolf Anschober (Grüne) kündigte für das Wochenende eine Evaluierung an. Am Montag werde man mehr sagen können. Positiv wertete er, dass man bei den Krankheitsfällen punktgenau bei den Prognosen liege.

Antikörper-Schnelltests: Einsatz könnte in wenigen Wochen möglich werden

Was die Antikörper-Schnelltests angeht, erwartet Anschober einen Einsatz in zwei bis drei Wochen. Den Höhepunkt der Erkrankungszahlen in Österreich erwartet der Gesundheitsminister zwischen Mitte April und Mitte Mai. Das sei aber nur seine persönliche Einschätzung. Wenn der Peak später eintrete, werde er kleiner sein, und damit wäre auch das eine gute Nachricht, "weil dann waren diese Maßnahmen erfolgreich".

Dauer der Schulschließungen weiter offen

Noch keine Entscheidung gebe es, wie lange die Schulen geschlossen bleiben werden, betonte Anschober zu Gerüchten, in denen von einer Dauer bis zum Schulschluss im Sommer die Rede ist. Das wichtigste sei, die tägliche Zuwachsrate auf vier oder fünf Prozent herunterzubekommen. Dann entschiede man, welche Maßnahme wie lange und in welcher Intensität aufrecht bleibe.

Derzeit liege man in Österreich bei 18 Prozent Zuwachs, was zeige, dass die Maßnahmen bereits wirkten. Anfangs sei man bei 30, 35 oder gar 40 Prozent gelegen. Aber: "Wir müssen bis Ostern in den mittleren einstelligen Wachstumsbereich kommen." Gut sei, dass die Entwicklung den Prognosen punktgenau entspreche, man könne sich auf diese also verlassen.

Bis zu 17.000 PCR-Tests pro Tag möglich

An PCR-Tests habe man bisher 40.000 durchgeführt, und die 40 bereitstehenden Labors hätten bereits eine Kapazität von 15.000 bis 17.000 pro Tag. Der Flaschenhals seien weiter die Reagenzien, die am Weltmarkt extrem umkämpft seien, so Anschober. Auch zu den Antikörpertests habe er von Experten positive Nachrichten bekommen, die Technik habe hier eine enorme Entwicklung genommen: "Sie können eine große Chance werden."

Bei der Schutzkleidung seien nicht nur Großbestellungen draußen, man bemühe sich mit großem Engagement um die Eigenproduktion. Anschober nannte hier Italien als Positivbeispiel, wo man 75 Mio. Schutzmasken innerhalb von 30 Tagen produzieren wolle. "Das ist auch ein Modell für uns", sagte der Minister.

Innenminister berichtet von "Coronapartys" und Spuckattacken

Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) berichtete von bisher 6.900 Anzeigen der Polizei. Das Spektrum reiche von Menschenansammlungen über "Coronapartys" bis zu Spuckattacken. Als "verantwortungslos" bezeichnete er Fake News, wonach Österreich mehr Asylwerber aufnehme und sie mutwillig über das Land verteile. In Wirklichkeit gehe es nur um die Nutzbarmachung anderer Quartiere für den Fall von Infektionen. In Wirklichkeit habe man die geringsten Asylwerberzahlen "seit ewigen Zeiten".

Beide Minister appellierten an die Bevölkerung, jetzt nicht nachzulassen. Besonders zu schützen gelte es weiterhin ältere Menschen sowie jene, die aufgrund von Vorerkrankungen gefährdet seien.

Rund 800 in Krankenhäusern, bisher 40.000 getestet

In Österreich sind mit Stand Freitagfrüh 58 Personen an Covid-19 gestorben. Rund 800 befinden sich in Krankenhäusern, davon 128 auf Intensivstationen. Offiziell gibt es 225 Genesene, "wobei diese Zahl in der Realität schon deutlich höher sein dürfte", wie Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag darlegte.

Bundesweit wurden laut Anschober bisher 40.000 PCR-Tests auf SARS-CoV-2 durchgeführt. Damit ist man noch deutlich von der Vorgabe von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) entfernt, der 15.000 Tests täglich als Zielvorstellung ausgegeben hatte. Dass diese Zahl noch nicht erreicht werden konnte, liegt nicht an den Kapazitäten, wie Anschober betonte.

Demnach stehen aktuell 40 Labors in ganz Österreich zur Testung auf das Coronavirus zur Verfügung. "15.000 bis 17.000 Testungen täglich sind möglich", erklärte Anschober. Es fehle allerdings an den dafür nötigen Reagenzien, die am Weltmarkt "extrem umkämpft" seien. Nachschub sei aber in Sicht, zudem soll zukünftig verstärkt auf innerstaatliche Eigenproduktion gesetzt werden, kündigte Anschober an.

Grundsätzlich will der Gesundheitsminister neben der bisherigen Strategie - bei Verdacht werden aufgrund definierter Kriterien Personen mit entsprechenden Symptomen und allfällige Kontaktpersonen auf eine mögliche Covid-19-Erkrankung überprüft - zusätzlich Zielgruppen-Testungen durchführen lassen. Anschober erwähnte in diesem Zusammenhang vor allem die Gesundheitsberufe.

Regierung wird Maßnahmen am Wochenende evaluieren

Es sei "viel, viel, viel zu früh", um die Frage zu beantworten, ob bzw. in welchem Umfang der von der Bundesregierung verhängte Maßnahmenkatalog zur Eindämmung des Coronavirus verlängert oder aufgehoben wird. In Österreich seien aktuell 7.040 Erkrankungen bestätigt, ein Plus von 18 Prozent in den letzten 24 Stunden: "Das zeigt, dass die Maßnahmen zu wirken beginnen." Zu Beginn der Corona-Krise hatte es tägliche Zuwachsraten jenseits von 30 Prozent gegeben. Bis Ostern müsse man "in den mittleren einstelligen Wachstumsbereich kommen", sagte Anschober. Zuversichtlich stimme ihn, dass die Infektionszahlen "punktgenau dort sind, wo die Prognosen gelegen sind". Das bedeute, dass man sich auf die Berechnungen verlassen und darauf aufbauen könne.

Über das Wochenende will die Regierung evaluieren, inwieweit die Maßnahmen wirken und diese nach Ostern nachgeschärft, beibehalten oder gelockert werden können bzw. müssen. Am Montag werde man dazu mehr sagen können, versprach Anschober.

(APA/Red)

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