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Coronavirus am Flughafen Wien: Passagiere werden im Flieger kontrolliert

Die Passagiere werden bereits im Flugzeug auf Corona-Verdacht kontrolliert.
Die Passagiere werden bereits im Flugzeug auf Corona-Verdacht kontrolliert. ©APA/HELMUT FOHRINGER
Mittels Infrarot-Thermometer werden ab heute Passagiere am Flughafen Wien bei Direktflügen aus China auf Coronavirus-Verdacht kontrolliert.

Ab heute, Donnerstag, werden Passagiere am Flughafen Wien bei Direktflügen aus China Temperaturchecks unterzogen. Die ersten wegen des Coronavirus geplanten Temperaturmessungen werden beim Air China-Flug CA841 durchgeführt werden. Die Maschine hätte um 6.05 Uhr in Schwechat landen sollen, hatte aber mehr als sechs Stunden Verspätung. Die tatsächliche Ankunft war für 12.44 Uhr avisiert.

Temperaturchecks für China-Fluggäste in Wien starten

Die Kontrollen sollen "mittels Infrarot-Thermometer" noch direkt im Flugzeug durchgeführt werden, berichtete die niederösterreichische Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Personen, die Fieber haben, sollen dann in den Krankenhäusern in Mödling und St. Pölten "weiter untersucht werden, um festzustellen, ob sich ein Verdacht erhärtet".

"Wir sind bestens vorbereitet und gerüstet", betonte Königsberger-Ludwig. Die Behörden wollen "damit einen Teil in der Sicherheitskette schließen, damit wir das Sicherheitsgefühl der Menschen in Österreich und natürlich in Niederösterreich stärken", sagte die Gesundheitslandesrätin. Die Amtsärztin und Sanitäter sollen die Temperaturchecks durchführen.

Etwaige "Problemfälle" werden vor Ort vorsorglich isoliert

Sollten Passagiere "als Problemfälle identifiziert werden, werden sie schon am Vorfeld von den Sanitätsbehörden in spezielle Fahrzeuge gebracht und von hier weggebracht", sagte Flughafen-Vorstand Günther Ofner. Die Verdachtsfälle würden dann nicht in Kontakt mit anderen Personen kommen. Es müsse "niemand Angst haben", betonte Ofner. So unangenehm die Kontrollen im Einzelfall seien, sie würden "ohne Belastung des Gesamtsystems" durchgeführt werden.

Der Flughafen-Vorstand betonte, dass von den Temperaturchecks lediglich "drei Flüge pro Woche betroffen sind, ausschließlich Air China-Flüge aus Peking". In Summe seien das "etwa 400 Passagiere pro Woche", ein sehr geringer Teil der rund 250.000 Passagiere, die momentan wöchentlich am Flughafen abgefertigt werden. Alle notwendigen Vorkehrungen seien getroffen, "damit jeder und jede sich sicher fühlen kann und davon ausgehen kann, dass keine Gefahr einer Infektion besteht", betonte Ofner.

Kein Coronavirus-Verdachtsfall in Österreich bestätigt

In Österreich gibt es "keinen einzigen Erkrankungsfall bisher", betonte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne). Allerdings gab es in den vergangenen Tagen eine Reihe von Verdachtsfällen. Aktuell seien "drei konkrete Verdachtsfälle in Untersuchung". Dabei handle es sich um eine "Routinesituation". Bisher wurden bereits 74 Testungen, die alle negativ verlaufen sind, durchgeführt, sagte der Minister.

"Ja, das Coronavirus ist in Europa angekommen, aber auf eine sehr, sehr, sehr überschaubare Art und Weise, bislang zumindest. Das ist kein Grund zur Panik", sagte Anschober. Laut dem Minister soll es auch im Flugzeug auf dem Weg von China nach Wien bereits Kontrollen geben. "Es wird auch ein Gesundheitsfragebogen im Flugzeug ausgeteilt und den österreichischen Behörden übermittelt", kündigte Anschober an. Damit seien für einen Anlassfall etwa auch die Sitznachbarn bekannt.

"Lage derzeit stabil"

Die Lage in Österreich ist derzeit stabil, betonte auch Innenminister Karl Nehammer (ÖVP). Die Kontrollen der Gesundheitsbehörden am Flughafen erfolge in Zusammenarbeit mit der Polizei, "notfalls auch mit Zwangsmaßnahmen", kündigte Nehammer an.

Er erinnerte an den Fall einer Patientin in Salzburg, bei der ein Coronavirusverdacht bestand und die am Mittwoch aus der Quarantäne flüchtete. Sie wurde von der Polizei zurück ins Spital gebracht.

SPÖ-Chefin forderte "Entry-Kontrollen"

Die Maßnahme der "Entry-Kontrollen" hatte auf politischer Ebene zunächst SPÖ-Chefin und ehemalige Sektionschefin für Öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, Pamela Rendi-Wagner, gefordert. "Temperaturscans für Reisende aus China sind ein richtiger und notwendiger Schritt. Hier geht es um die Gesundheit und die Sicherheit aller Menschen. Jede Möglichkeit, die das Risiko verringert, ist zu ergreifen", erklärte sie am Donnerstag gegenüber der APA.

In Österreich und weltweit setzen die Behörden derzeit immer konzertiertere Maßnahmen gegen das neue Coronavirus. "Kommenden Dienstag und Mittwoch werden wir bei der WHO einen weltweiten Expertengipfel haben. Morgen haben wir eine Telefonkonferenz der EU-Gesundheitsminister. Heute gibt es noch eine Sitzung der Gesundheits-Landesräte", sagte Anschober.

Die Frage, ob mit "Entry-Checks" die weltweite Ausbreitung von Infektionskrankheiten effektiv verhindert werden kann, ist unter Experten umstritten. Wirksamer sollen Ausreisekontrollen sein. Insgesamt gehört 2019-nCoV jedenfalls bisher nicht zu den ansteckendsten Krankheitserregern. Irmgard Lechner wies darauf hin, das die Basisreproduktionszahl - die Ansteckungsrate weiterer Menschen durch einen Infizieren - offenbar zwischen 1,4 und 2,5 liege. Ein Masern-Infizierter stecke aber im Durchschnitt 18 weitere Personen an.

(APA/Red)

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