Cleveland: Ex-Student lief Amok

Ein Todesopfer forderte am Freitag eine Schießerei in einer Universität in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio. Mindestens 10 Menschen wurden verletzt.

Offenbar wegen eines privaten Streits ist ein mit zwei Pistolen bewaffneter Mann stundenlang in der Universität von Cleveland wild um sich schießend umhergelaufen; er erschoss dabei am Freitag einen unbeteiligten Studenten und verletzte zwei weitere, bevor er von Polizisten angeschossen und verhaftet wurde. Das teilte die Polizei im US-Staat Ohio am Wochenende nach ersten Ermittlungen über den mutmaßlichen 62-jährigen Täter mit.

Der Verdächtige hatte 1999 einen Magister-Abschluss an der angesehenen Case Western Reserve University gemacht. Seine Klage gegen einen Universitätsangestellten, den er der Manipulation seiner Web-Site beschuldigt hatte, war abgewiesen worden. Der Mann war in dem Gebäude, entkam aber dem Schützen, sagte Polizeichef Edward Lohn am Samstag. Uni-Präsident Edward Hundert sagte, der Täter habe keinen Groll gegen die Hochschule gehabt.

Rund 70 Studenten und Dozenten saßen sieben Stunden lang in der betriebswirtschaftlichen Fakultät fest, bis die Polizei den Täter festnehmen konnte. Der mit Tarnkleidung, kugelsicherer Weste und einem Stahlhelm mit angeklebter Perücke ausstaffierte Mann gab nach Augenzeugenberichten scheinbar wahllos mehrere hundert Schüsse ab.

Zahlreiche Personen konnten nach den ersten Schüssen aus dem Gebäude flüchten, andere versteckten sich in kleinen Räumen, hinter Tischen oder in Schränken. Wirtschaftsprofessor Gregory Stoup verbarrikadierte die Milchglastür seines Büros mit dem Schreibtisch und Stühlen, er hatte vier Studenten bei sich: „Wir sahen einen Schatten vorbeiziehen. Er schoss auf den Boden, gab widerliche Schreie von sich, eine Art hohes Gekreische. Wir hörten das Klirren der Patronenhülsen auf dem Boden“, berichtete er.

Der Zugriff der Polizeispezialeinheiten wurde durch das futuristische Design des Peter-B.Lewis-Gebäudes erschwert, dessen Südseite wie eine zerklüftete Landschaft aus Stahl konstruiert ist. Während der Angreifer aus dem Gebäude auf die Polizisten gefeuert habe, sei es den Sicherheitskräften nicht möglich gewesen, zurückzuschießen: „Wegen der Architektur hatten sie kein klares Schussfeld“, erklärte Lohn. „Es war ein Katz-und-Maus-Spiel.“

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