Chronologie: Ruttenstorfers Director's Deal

Wolfgang Ruttenstorfer
Wolfgang Ruttenstorfer ©EPA
Ob sich OMV-Generaldirektor Wolfgang Ruttenstorfer tatsächlich des Insider-Handels mit OMV-Aktien schuldig gemacht hat, hängt vor allem davon ab, wann er gewusst hat, dass die OMV ihre 21,2-Prozent-Beteiligung am ungarischen Mineralölkonzern MOL an den russischen Konzern Surgutneftegaz verkaufen würde.

Laut OMV kam der Deal im Wert von 1,4 Mrd. Euro sehr kurzfristig und überraschend zustande – die Finanzmarktaufsicht (FMA) findet diese Darstellung nicht glaubwürdig und hat Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Nun wurde Anklage wegen Insiderhandels erhoben.

Im Folgenden eine Chronologie der Ereignisse:

Im August 2008 gesteht die OMV offiziell ein, dass ihre Pläne zur Übernahme der ungarischen MOL gescheitert sind. Die Fünftel-Beteiligung der OMV an der MOL wird als Finanzierungsinstrument genutzt. Investmentbanken informierten die OMV seit damals über potenzielle Interessenten. Verkaufsverhandlungen oder einen Verkaufsbeschluss gab es nach OMV-Angaben damals nicht.

14./15. März 2009: Erste Kontakte mit dem russischen Ölkonzern Surgutneftegaz bei einem OPEC-Treffen in Wien. Dabei äußerten die Russen Interesse, sich an einem mitteleuropäischen Unternehmen einzukaufen, ohne konkret über den MOL-Anteil zu sprechen.

18. März: Ruttenstorfer gibt dem “profil” ein Interview, in dem er den Verkauf der MOL-Anteile für 2009 ausschließt: “Das gilt nicht für die Ewigkeit, aber heuer werden wir sie durchaus behalten.”

23. März: Das “profil”-Interview wird veröffentlicht. Am selben Tag erwirbt Ruttenstorfer 26.500 OMV-Aktien zum Kurs von 23,84 Euro – insgesamt knapp 632.000 Euro – und meldet dies ordnungsgemäß der FMA.

26. März: Erste Verhandlungen mit Surgutneftegaz in Moskau über den Verkauf der MOL-Aktien. Diese enden nach Angaben der OMV ohne Einigung.

27. März: Der OMV-Vorstand informiert den Aufsichtsrat über das Treffen mit Surgutneftegaz. Das Zustandekommen einer Transaktion mit den Russen sei unwahrscheinlich, heißt es in dem Bericht an das Aufsichtsgremium.

28. März: Surgutneftegaz nimmt von sich aus und laut OMV “überraschend” wieder Kontakt auf und übermittelt einen Vertragsentwurf, allerdings ohne Preisvorstellungen. Daraufhin beginnen erneut Verhandlungen.

29./30. März: In der Nacht kommt es zu einer Einigung mit Surgutneftegaz über den Verkauf der MOL-Aktien. Die OMV informiert in einer Ad-hoc-Mitteilung über die Transaktion. Die OMV-Aktien legen daraufhin um 3,33 Prozent auf 25,10 Euro zu, während der ATX 4,16 Prozent und der europäische Ölbranchenindex 4,2 Prozent verlieren. Das entspricht einem Buchgewinn für Ruttenstorfers OMV-Aktienpaket von mehr als 33.000 Euro an dem einen Tag.

4. August: Die Finanzmarktaufsicht (FMA) hegt einen “begründeten Verdacht”, dass der OMV-Chef sich des Insiderhandels schuldig gemacht hat und erstattet Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.

6. August: Die OMV-Aktie rutscht an der Börse um mehr als 6 Prozent ab – nach den schlechten Zweitquartalszahlen vom Vortag. Ruttenstorfers am 23. März erworbenes Aktienpaket ist heute 692.000 Euro wert, sein theoretischer Gewinn beträgt rund 60.000 Euro. Nach OMV-Darstellung war sein Aktienkauf aber Teil eines Langfristigen Incentive-Programms, er muss die Aktien also mindestens drei Jahre behalten.

17. November 2010: Staatsanwaltschaft Wien erhebt Anklage wegen Insiderhandels gegen OMV-Chef Ruttenstorfer.

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