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Christkind vs. Weihnachtsmann

©Claus Rebler/http://www.flickr.com/photos/zunami
Alle Jahre wieder: An jeder Ecke steht ein Santa und verbreitet weihnachtsliche Stimmung. In den Herzen der Österreicher bringt allerdings das gute, alte Christkind die Geschenke. 

Zuerst die schlechte Nachricht für alle, die glauben, alles zu wissen: Der Weih­nachts­mann stammt nicht aus der Wer­be­ab­tei­lung von Coca Cola. Sorry, hier ist kein subtiler US-Kulturimperialismus am Werk.

Der Weihnachtsmann ist eigentlich der Nikolaus

Der Ursprung des Weihnachtsmanns liegt viel wei­ter in der Ver­gan­gen­heit, näm­lich beim Niko­laus — jener der Santa zum Ver­wech­seln ähnlich sehen­den Figur, die den Bischof Niko­laus von Myra dar­stellt. Sel­bi­ger wirkte im römisch besetz­ten Grie­chen­land rund um 270 n. Chr. und sorgte neben ein paar Wun­dern vor allem dafür, dass die alten Göt­ter aus­ge­trie­ben wur­den. Solch brachiale Missionsarbeit qualifizierte ihn zum Heiligen. 

Die­ser Bischof jeden­falls starb am 6. Dezem­ber, das Jahr weiß man nicht genau, es war jeden­falls nach 300. Der Mann wurde also rela­tiv alt, daher viel­leicht die Dar­stel­lung mit wei­ßem Rau­sche­bart. Seit­dem ist er ein Pop­star unter den katho­li­schen Hei­li­gen und brachte ab dem Mit­tel­al­ter den Kin­dern Geschenke, die er anfangs in ihre Schuhe legte (der US-Santa stopft sie heute noch in auf­ge­hängte Socken) und zwar am 6. Dezem­ber und hin und wieder auch am 28. (Tag der unschuldigen Kinder). Das mittelalterliche Weih­nachts­fest ver­lief hin­ge­gen geschen­ke­los und unspek­ta­ku­lär. 

Martin Luther, der Heilige und das Christkind

Das änderte sich, als Mar­tin Luther ab 1517 zum Grün­der­va­ter des Pro­tes­tan­tis­mus wurde, der ja Hei­li­gen­ver­eh­rung ablehnt. Der (hei­lige) Niko­laus wurde durch die Fan­ta­sie­fi­gur Christ­kind – den ‘heiligen Christus’, nicht wie oft angenommen den neu geborenen – ersetzt, die Geschenke auf Weih­nach­ten oder auch Neu­jahr ver­tagt. Mit dem Luthera­nis­mus setzte es zum Sie­ges­zug durch das deutsch­spra­chige Europa an und ver­drängte den Niko­laus auf die Neben­bühne.

Inter­es­san­ter Weise tat Luther damit, was eigent­lich sei­ner Refor­ma­ti­ons­lehre grund­le­gend wider­sprach und fol­ge­rich­tig bis heute falsch ver­stan­den wird: Er ersetzte eine an– und begreif­bare Gestalt durch ein spi­ri­tu­el­les Wesen, das in sei­ner abso­lu­ten Glau­bens­ab­hän­gig­keit zutiefst katho­lisch ist. Anders gesagt — den Nikolaus/Weihnachtsmann kann man sehen, er stapft durch den Schnee und wenn das Kind ganz mutig ist, kann es ihm auch schon mal die Mei­nung sagen. Das Christ­kind? Braucht keine Rechen­schaft abzu­le­gen, sich nicht um seine Schäf­chen küm­mern, es exis­tiert nicht ein­mal außer­halb des Zeit­fens­ters von 23. bis 25. Dezem­ber. Dann kommt es von oben herab ange­schwebt und beschließt je nach finan­zi­el­ler Lage der Ver­wandt­schaft, ob das Kind im letz­ten Jahr brav war oder nicht.

Die Geschenkebringer anderswo

In den angel­säch­si­schen Län­dern, in Skan­di­na­vien und Russ­land hatte das Christ­kind nie eine Chance. Von den USA aus star­tete 400 Jahre spä­ter auch ‚Santa’ sein Come­back, und hier kommt Coca Cola end­lich ins Spiel. Die Farbe Rot in der Uni­form des Weihnachtsmannes ist näm­lich seit jeher — zufäl­lig — auch die Mar­ken­farbe des Geträn­ke­her­stel­lers. Seit den 30ern des 20. Jahr­hun­derts wurde er daher für vor­weih­nacht­li­che Wer­bung ein­ge­setzt. Ob das tat­säch­lich zu sei­ner Rück­kehr ins katho­li­sche Europa führte, ist umstrit­ten. Die Annahme liegt aber doch recht nahe.

Es geht doch eigentlich  um was Anderes

Rea­lis­tisch betrach­tet ist es also voll­kom­men egal, wel­che Fan­ta­sie­fi­gur die Geschen­ke­berge auf­sta­pelt und bleibt auch rein kulturell betrachtet eine Geschmacksfrage. Sicher ist, der Weihnachtsmann lässt sich besser vermarkten. Das Christkind ist ein bisschen mysteriöser und kann von Kindern nicht in jedem Einkaufszentrum mit Wünschen bombardiert werden. Aus der Geschichte spricht eigentlich nichts für eine friedliche Koexistenz der beiden Figuren. Also, wie wär’s mit ein bisschen Weihnachtsfrieden statt Kulturkampf zwischen Christkind und Weihnachtsmann! 

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