Christine Neubauer in "Der kalte Himmel"

Christine Neubauer ist die meistbeschäftigte TV-Schauspielerin im deutschsprachigen Raum: 2009 war sie im Schnitt allein in Deutschland jeden dritten Tag zu sehen, 2010 kaum weniger.

Gleich zu Beginn des neuen Jahres ist sie wieder auf dem Bildschirm präsent – in einer Paraderolle. Im TV-Zweiteiler “Der kalte Himmel” ist sie kommenden Montag und Dienstag jeweils um 20.15 Uhr in ORF2 zu sehen.

Im Jahr 1967 war für viele Menschen die Welt noch in Ordnung. Vor allem auf dem Land war von den gesellschaftlichen Veränderungen, die sich in den deutschen Großstädten anbahnten, noch nichts zu spüren. Zum Beispiel in der Hallertau, dem großen Hopfenanbaugebiet in Bayern. Dort passiert dann das Ungewöhnliche: Ein sechsjähriger Autist soll eingeschult werden. Dass er unter dem Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus leidet, ist aber nicht bekannt, der Bub gilt schlichtweg als “verrückt”.

Das zweiteilige Drama befasst sich mit dem Schicksal der Familie Moosbacher, deren Sohn Felix Autist ist, und das zu allem Überfluss mitten im ländlichen Bayern. Mutter Marie (Christine Neubauer) versucht, ihrem Felix zu helfen, wo immer es geht. Sie verteidigt ihn gegen die Willkür der rauen Umwelt, die den Außenseiter ausgrenzt, gegen Vorurteile und gegen die Schule und ihre Lehrer. Vater Paul (Marcus Mittermeier, auch am 28. Jänner in “Der Staatsanwalt” in ORF2) hingegen begegnet den Entwicklungsstörungen seines Jüngsten mit Unverständnis und setzt dabei die Ehe aufs Spiel.

Christine Neubauer, viel beschäftigte TV-Mimin, um die sich die TV-Produzenten reißen, spielt die Hauptrolle in einem für sie ungewöhnlichem Stück. Beim Lesen des Buchs habe sie “von der ersten Sekunde eine Gänsehaut” gespürt, sagte die 48-jährige Münchnerin. Sie profitierte in dem Film von der Nähe zu ihrer Heimat, auch wenn ihrer Familie ein solches Schicksal erspart geblieben sei, wenn auch zum Beispiel ihre Großmutter ihr Kind auf dem Feld zur Welt gebracht habe – Zeugnis genug dafür, dass die Zeiten mal ganz andere waren, und die Menschen auch.

Neubauer, bei Kritikern nicht immer unumstritten in ihren Rollen und mitunter belächelt, kann in diesem Fall ihre Stärken ausleben. Sie spricht den Dialekt, sie ist das Muttertier, das ohne Unterlass für den Nachwuchs kämpft, obwohl wissend, dass es keinen Weg zurück zur Normalität geben kann. Sie fährt schließlich mit Felix, dessen Rolle sich die Zwillinge Eric und Marc Hermann teilen, nach Berlin und folgt dort dem jungen Arzt Dr. Niklas Cromer (Tim Bergmann), der sich als erster Mediziner dem Buben konstruktiv nähert. Mutter Marie und Cromer stellen fest, dass Felix über unglaubliche Fähigkeiten verfügt.

“Bis heute ist das Asperger-Syndrom, vor allem bei Kindern, schwer zu erkennen”, sagt die Drehbuchautorin Andrea Stoll. “Noch immer kämpfen unzählige Menschen darum, in ihrem Anderssein respektiert und geachtet zu werden. Für sie und ihre betroffenen Familien soll unser Film eine Botschaft sein.” Typisch für die betroffenen Menschen sei, dass sie nahezu unfähig sind, Freundschaften zu schließen. Ihre Mimik und Gestik ist eingeschränkt, ihre Bewegungen seien sparsam, mitunter stereotyp. Vor allem in ländlichen Regionen durchlaufen laut Stoll viele Eltern eine Odyssee an Arztbesuchen, zerbrechen Familien an der Belastung.

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