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Christchurch-Attentäter soll zweimal in Österreich gewesen sein

Der Attentäter von Christchurch soll in Wien das Heeresgeschichtliche Museum und die Nationalbibliothek besucht haben.
Der Attentäter von Christchurch soll in Wien das Heeresgeschichtliche Museum und die Nationalbibliothek besucht haben. ©– Di., 19. März 2019 06:21 – NZEALAND-ATTACK-MOSQUE
Zweimal soll der rechtsextreme Attentäter von Christchurch in Österreich gewesen sein. Er soll in Wien, Kärnten, Salzburg und Innsbruck gewesen sein.

Der rechtsextreme Attentäter von Christchurch soll vor einigen Monaten auch zweimal Österreich besucht haben. Auf seinem mittlerweile gelöschten Facebook-Profil finden sich laut einem Bericht des deutschen Online-Portals “t-online” Fotos von Wien, Kärnten, Salzburg und Innsbruck. Aus dem Innenministerium hieß es laut “Standard” dazu, es gebe “keinen Hinweis, dass der mutmaßliche Attentäter in Österreich gewesen ist”. Derzeit überprüfe das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, ob es Verbindungen des mutmaßlichen Attentäters nach Österreich gibt, hieß es auf APA-Anfrage am Dienstag.

Mögliche Verbindungen nach Österreich werden geprüft

Das Innenministerium prüfe aber, ob es Verbindungen des mutmaßlichen Attentäters Brenton Tarrant nach Österreich gibt, hieß es am Montag. Das deutsche Online-Portal recherchierte in Online-Archiven. Der Facebook-Account, von dem Tarrant auch die Live-Übertragung seines Terroranschlags auf zwei Moscheen in Christchurch in Neuseeland gestartet hatte, ist mittlerweile gelöscht, genauso wie sein Instagram-Profil.

Brenton T. selbst ist auf den geposteten Fotos nicht zu sehen, weshalb es keine Bestätigung gibt, dass Tarrant die Fotos selbst gemacht hat. Allerdings haben bereits mehrere Länder bestätigt, Ziel von Tarrants Reisen gewesen zu sein, darunter die Türkei, Israel und Bulgarien. Laut dem Medienbericht folgte der australische Staatsbürger auf seiner Reise durch Europa “den Spuren der Kreuzritter” und bereiste Schauplätze mittelalterlicher Kriegsherren der Türkenkriege. Im Herbst 2018 bereiste er Bulgarien, Rumänien und Ungarn.

Wien: Möglicher Besuch im Heeresgeschichtlichen Museum und in Nationalbibliothek

Die Fotos deuten daraufhin, dass er im selben Zeitraum auch zweimal in Österreich war. In Wien könnte er demnach das Heeresgeschichtliche Museum und die Nationalbibliothek besucht haben. Auf Facebook postete er laut “T-online” außerdem Fotos von Friesach in Kärnten und dem Wappensaal des Landeshauses Klagenfurt, dem Christkindlmarkt in Salzburg, aus Steyr und Innsbruck. Auch die Krimmler Wasserfälle, die höchsten Wasserfälle Österreichs, im Nationalpark Hohe Tauern besuchte Tarrant offenbar. Laut den Fotos machte der Rechtsextremist auch einen Abstecher nach Deutschland: Einige Fotos zeigen das Schloss Neuschwanstein in Bayern.

Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2016 hatte Tarrant auch Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien bereist. Er besuchte laut Medienberichten historische Schlachtstätten, wo Gefechte gegen Muslime stattgefunden hatten. Seine Waffen und Magazine hatte der mutmaßliche Haupttäter des Terroranschlags vergangene Woche in Neuseeland mit Namen und Schriftzügen versehen. Darunter fand sich auch der Name von Ernst Rüdiger von Starhemberg. Dieser leitete die Verteidigung der Stadt Wien während der Zweiten Türkenbelagerung im Jahr 1683.

Neuseeland-Terror: Unterausschuss zu möglicher Österreich-Verbindung

Der angesichts geposteter Fotos aufgetauchte Verdacht, der Christchurch-Attentäter könnte Verbindungen nach Österreich gehabt haben, beschäftigt nächste Woche das Parlament. Ende März tagt der ständige Unterausschuss für Inneres, teilte Obmann Werner Amon (ÖVP) mit. Auch die Minister für Inneres, Verteidigung und Justiz nehmen daran teil. SPÖ und JETZT fordern eine öffentliche Erklärung des Innenministers.”Auch wenn es sich derzeit um Gerüchte handelt, nehmen wir jede potenzielle Bedrohung unserer Sicherheit ernst”, versicherte Amon Dienstag in einer Aussendung, dass den Regierungsparteien “rasche Aufklärungsarbeit” ein wichtiges Anliegen sei. Über den Unterausschuss wird die Öffentlichkeit allerdings nicht informiert, er tagt geheim.

SPÖ und JETZT: Öffentlichkeit soll informiert werden

SPÖ und JETZT wollen aber auch die Öffentlichkeit informiert haben – und fordern deshalb eine Erklärung von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) in der Nationalratssitzung nächste Woche “über die Bedrohungen, die aktuell von Rechtsextremisten in Österreich ausgehen”. Nach dem Attentat in Neuseeland müsse man “die Bedrohung von rechts besonders ernst nehmen”. Kickl dürfe “das Problem nicht länger ignorieren und muss endlich Stellung beziehen”, meinte der stv. SPÖ-Klubchef Jörg Leichtfried gegenüber der APA.

Die beiden Oppositionsparteien begründen ihre Forderung mit “bekannt gewordenen Verbindungen des rechtsextremen Christchurch-Attentäters nach Wien” und einem “aufgedeckten rechtsextremen Netzwerk im paramilitärischen Bereich, das bis ins österreichische Verteidigungsministerium reichen soll”. Seitens der NEOS wurde betont, dass man selbst mit den anderen Oppositionsparteien die Sitzung des Unterausschusses forciert habe. Daher begrüßte man nun, dass die ÖVP nachgezogen sei.

Bei dem “rechtsextremen Netzwerk” geht es um eine laut “Standard” nach der Festnahme eines deutschen Bundeswehrsoldaten sichtbar gewordene Gruppe aktiver und ehemaliger Soldaten und Polizisten, die sich auf Chatportalen über den Tag X ausgetauscht haben – den Tag, an dem die staatliche Ordnung zusammenbricht. Der Christchurch-Attentäter soll – schließt man aus Links – darüber bescheid gewusst haben. Jedenfalls könne man angesichts “bewaffneter Rechtsextremer, die Todeslisten über anders denkene Menschen führen”, nicht zur Tagesordnung übergehen, meinte Alma Zadic (JETZT).

(APA/Red)

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