Chinesen und Tibeter in Wien appellieren an Peking: Tibet öffnen

Knapp zwei Monate vor den Olympischen Spielen in Peking stehen auch in Österreich die Zeichen zwischen Chinesen und Tibetern auf Entspannung.

Spitzenvertreter der beiden Gemeinschaften haben in einem Gespräch mit der Wiener Wochenzeitung “Bezirksjournal” an Peking appelliert, die Türen zu Tibet zu öffnen, weil dies ein Beitrag zur Lösung des dortigen Konflikts wäre. “Je mehr Kontakt zu den Tibetern besteht, desto besser”, sagte der Generalsekretär des Verbandes der Chinesen in Wien, Wang Gan, in einem Gespräch mit der Präsidentin der “Tibeter Gemeinschaft Österreich”, Tseten Zöchbauer.

Auf die Frage, wie eine friedliche und dauerhafte Lösung der Tibet-Frage erreicht werden könne, sprach sich Wang für “mehr Freiheit in der Politik, besonders Pressefreiheit, auch in der chinesischen Presse” aus. “Ich bin dafür, dass China die Tür öffnet und die Journalisten reinlässt, und sie so berichten lässt, wie es ist”, sagte Wang. “Da sind wir endlich einmal einer Meinung. Seit zwei Monaten ist Tibet abgeschottet”, sagte Zöchbauer. Sie bescheinigte den chinesischen Behörden jedoch auch Fortschritte. “Kleine Änderungen spürt man jetzt schon. Die chinesische Regierung sagt ‘der Dalai Lama’ und nicht nur mehr ‘der Dalai’. So traurig es ist, mit dem schrecklichen Erdbeben (am 12. Mai in der Provinz Sichuan, Anm.) zeigt sich ein bisschen mehr Menschlichkeit im Handeln der Regierung.”

Zöchbauer forderte Peking eindringlich auf, den seit fünf Jahrzehnten ungelösten Tibet-Konflikt zu lösen, “solange der Dalai Lama lebt. Denn er ist einer, der den Chinesen vertraut. Wenn er nicht mehr lebt, gibt es ein Problem. Denn die Jungen denken nicht so buddhistisch wie er. Es gibt eine Gruppe in Lhasa, die ist im Widerstand, und die sagt, ohne Gewalt geht es nicht.”

Im Konflikt um die Selbstbestimmung der Tibeter stehen Wang und Zöchbauer weiterhin an verschiedenen Ufern. Der Chefredakteur der chinesischen Wochenzeitung “Europe Weekly” (Ouzhou Ribao/Wochenausgabe für Auslandschinesen) betonte, dass die Tibeter “wie ein Bruder” für die Chinesen seien und es sich bei dem Konflikt um eine “familiäre Angelegenheit” handle, “die wir nicht außerhalb diskutieren sollten”. Zöchbauer meinte dagegen, dass Tibet “ein eigenständiges Land” sei und sie sich nicht als Chinesen fühle. “Solange wir mit euch singen, essen und tanzen, geht es gut. Wenn wir unsere politische Meinung sagen, dann nicht”, erwiderte sie auf die Aussage Wangs, dass er während seiner Schulzeit in China viele tibetische Freunde gehabt habe.

Die Lebensqualität in Tibet habe sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr verbessert, und selbst in der benachbarten Provinz Sichuan (der unter kommunistischer Herrschaft Teile Tibets angegliedert wurden) würden tibetische Kinder in ihrer Muttersprache unterrichtet, sagte Wang. “Materiell geht es den Leuten besser”, räumte Zöchbauer ein. Doch außerhalb der tibetischen Hauptstadt Lhasa habe sich “nicht viel gebessert. Dort, wo keine Touristen hinkommen oder Chinesen leben, ist der Standard wie vor 50 Jahren.”

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