Chinesen-Mafia: Doppelmord wird vor Wiener Gericht verhandelt

Am Mittwoch handelt es sich im Wiener Schwurgericht um einen Mafia-Doppelmord.
Am Mittwoch handelt es sich im Wiener Schwurgericht um einen Mafia-Doppelmord. ©APA
Im August 2000 sein ein 25-jähriger Chinese und seine Lebensgefährtin in Wien verschleppt und getötet worden. Nun wird die Bluttat im Dunstkreis der Chinesen-Mafia am Mittwoch in Wien prozessiert.

Im August 2000 war ein damals 25-Jähriger, der bei einer auf Menschenhandel und Schutzgelderpressung spezialisierten Bande namens “Snake Heads” in Ungnade gefallen war, in Wien überfallen, verschleppt, gefoltert und getötet worden.

Leiche in Leobersdorf

Die um sechs Jahre jüngere, ebenfalls aus China stammende Lebensgefährtin des Mannes brachte man als mutmaßliche Mitwisserin über Banden-Interna zum Schweigen. Ihre Leiche wurde in einem Gebüsch in Leobersdorf (Bezirk Baden) entdeckt. Die 19-Jährige war in Mafia-Manier mit einem Hackbeil hingerichtet worden. Daran soll neben drei längst abgeurteilten Männern ein damals 17-Jähriger beteiligt gewesen sein, der in der kriminellen Gruppierung hauptsächlich als Dolmetscher fungierte. Der inzwischen 35 Jahre alte Mann wurde im vergangenen Dezember mit internationalem Haftbefehl am Flughafen München festgenommen, nachdem er aus Shanghai angereist war.

Kein Schweigegeld bezahlt

Einer der Täter, der wegen Beteiligung an dem brutalen Verbrechen zwölf Jahre ausgefasst hatte, hatte den 35-Jährigen, der sich nun vor einem Schwurgericht (Vorsitz: Nina Steindl) verantworten muss, nach seiner Entlassung “verpfiffen”. Er soll vom Angeklagten Schweigegeld verlangt haben. Weil er nicht bezahlt wurde, nannte er den Strafverfolgungsbehörden den richtigen Namen des bis dahin unter einem Falschnamen Gesuchten und dessen Aufenthaltsort.

Der 35-Jährige, der von den deutschen Behörden zügig der Wiener Justiz übergeben wurde, soll dem Vernehmen nach zugeben, sich in dem Pkw befunden zu haben, in dem die 19-Jährige von ihren Entführern aus der Bundeshauptstadt gebracht wurde. Der Angeklagte will aber weder von den mörderischen Absichten seiner Landsmänner gewusst noch an deren Umsetzung mitgewirkt haben. Er behauptet, er wäre im Auto sitzen geblieben, als die gefesselte 19-Jährige aus diesem geschafft wurde. Zu diesem Zeitpunkt sei er noch davon ausgegangen, dass man die junge Frau einschüchtern und ihr ein paar Ohrfeigen verabreichen wollte.

Auftraggeber verübte Selbstmord

Das Beweisverfahren dürfte sich insofern schwierig gestalten, als außer jenem Zeugen, der den 35-Jährigen verraten hatte, keiner der weiteren Tatbeteiligten für die Justiz greifbar zu sein scheint. Der mutmaßliche Auftraggeber des Doppelmords hat nach seiner Inhaftierung in seiner Zelle Selbstmord verübt. Ein unmittelbarer Täter, der nach 15 Jahren im Gefängnis auf seine mögliche bedingte Entlassung vorbereitet werden sollte, nutzte einen Ausgang zur Flucht. Von ihm fehlt jede Spur.

(APA/red)

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