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"Charlie Hebdo"-Sonderausgabe zum Jahrestag der Attentate

Provokant: Gott als bewaffneter Täter auf dem Titel
Provokant: Gott als bewaffneter Täter auf dem Titel
Mit provokativer Religionskritik ist die Sonderausgabe des Satiremagazins "Charlie Hebdo" zum Jahrestag des Terroranschlags auf seine Redaktion am Mittwoch erschienen. Das 32 statt sonst 16 Seiten umfassende Heft erinnert an die Attentate islamistischer Terroristen am 7. Jänner 2015. Die Ausgabe mit einem Gott als bewaffneter Täter auf dem Titel erregte bereits im Vorfeld die Gemüter.
Anschlag auf "Charlie Hebdo"-Redaktion
Weltweite Solidarität nach Anschlag

Das Magazin mit einer Auflage von einer Million Exemplaren wird auch international vertrieben und ist auch in Österreich erhältlich. Schon vor Erscheinen der Sonderausgabe des für seine harte Religionskritik bekannten Blattes gab es Protest von Kirchenvertretern und konservativen Politikern. Im Editorial kritisiert der als Riss zeichnende Laurent Sourisseau “vom Koran verblödete Fanatiker”, die wie “geweihte Ärsche anderer Religionen” ein Ende des Magazins gewünscht hätten, weil es über Religiöses zu lachen wage.

Ein Gott als Täter auf der Titelseite

Die Karikatur von Riss präsentiert einen Gott als Täter auf dem schwarzen Titel des Sonderheftes. “Ein Jahr danach – der Mörder ist immer noch auf freiem Fuß” steht über der Zeichnung eines bärtigen alten Mannes mit dem göttlichen Dreieck mitsamt allsehendem Auge über dem Kopf. Das weiße Gewand ist blutbefleckt, auf dem Rücken trägt die wegrennende Figur eine Schnellfeuerwaffe, wie sie bei den islamistischen Anschlägen verwendet wurde.

Im Mittelteil der Sonderausgabe sind auch Arbeiten der ermordeten Zeichner Stephane Charbonnier (Charb), Jean Cabut (Cabu), Bernard Verlhac (Tignous), Philippe Honore und Georges Wolinski gedruckt.

Präsident Hollande hält Rede vor Sicherheitskräften

Frankreichs Präsident Francois Hollande wird sich am Donnerstag bei seinen Neujahrswünschen (11.00 Uhr) zur Sicherheitslage äußern. Der Staatschef will am Jahrestag der blutigen Attacke auf das französische Satiremagazin “Charlie Hebdo” eine Rede an französische Sicherheitskräfte in der Polizeipräfektur von Paris halten.

Keine Gedenkveranstaltung am Donnerstag

Am 7. Jänner 2015 hatte ein islamistisches Mordkommando die Redaktion von “Charlie Hebdo” überfallen, es gab zwölf Tote. Eine Gedenkveranstaltung ist am Donnerstag nicht geplant. Am Sonntag ist dafür auf dem Pariser Place de la Republique eine Zeremonie angesetzt. An den beiden Folgetagen des 7. Jänner wurden zudem eine Polizistin erschossen und ein Supermarkt für koschere Lebensmittel angegriffen. Die Terroristen töteten an den drei Tagen insgesamt 17 Menschen. Auch die drei Islamisten kamen ums Leben.

Anschläge vom 13. November: 130 Menschen starben

Die Terrorserie vom Jänner war Auftakt eines in Frankreich von Attacken geprägten Jahres 2015. Gewalttätiger Höhepunkt waren die Attacken vom 13. November in Paris und Saint-Denis, bei denen drei Killerkommandos 130 Menschen in der Konzerthalle “Bataclan”, vor Bars und Restaurants sowie am Stade de France töteten. Auch ihnen soll bei der Zeremonie am Sonntag gedacht werden.

(APA)

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