Cesc Fabregas: Ersatzmann mit Routine

Er ist im System von Spaniens Teamchef Luis Aragones nur Ersatz, doch verwandelte Cesc Fabregas den entscheidenden Penalty zum 4:2 mit aller Seelenruhe.

Kein Wunder: Selbst wenn “Cesc” erst 21 Jahre alt ist, hat er sich bei Arsenal in der englischen Premier League bereits jede Menge Routine geholt. Im Team, so hieß es lange Zeit, könne er seine Leistung nicht immer optimal abrufen. Am Sonntag war das egal: Fußball-Spanien lag dem Katalanen ob seiner Coolness dankbar zu Füßen.

“Ich war nicht aufgeregt”, meinte Fabregas im Nachhinein und das ist ihm zu glauben. Schließlich schob er den Ball im Wiener Ernst-Happel-Stadion im alles entscheidenden Moment ohne Zögern in das von ihm aus gesehen rechte Eck. Italiens Keeper Gianluigi Buffon tauchte in die andere Ecke ab. Dabei hätte “Cesc” allen Grund zu Nervosität gehabt. Auch Buffon hat schon so manchen Elferschützen zur Verzweiflung gebracht.

Den Rumänen Adrian Mutu etwa. Im zweiten Gruppenspiel der Italiener hatte der Juventus-Keeper beim Stand von 1:1 in Zürich Mutus Penalty pariert und die später gegen Frankreich genützte Aufstiegschance zu diesem Zeitpunkt überhaupt am Leben erhalten. Auch im Elferschießen am Sonntag blieb er gegen Daniel Güiza Sieger. Weil Casillas dieses Kunststück aber zweimal gelang, wurde der Spanier zur “Prater-Spinne” (Copyright “Marca”). Buffon durfte hingegen bereits nach Hause fahren.

Auch wegen der Souveränität von Fabregas, der mit seiner Rolle als Zweitbesetzung allem Ehrgeiz zum Trotz gut zurecht kommt. Die Bank der spanischen Nationalmannschaft zu drücken, sei doch kein Rückschlag für ihn. “Ich bin gekommen, weil ich dem Team helfen will. Wenn ich die Chance bekomme, versuche ich sie zu nützen. Aber ich halte mich an die Entscheidungen des Trainers,” sagte der Mittelfeldspieler.

Allerdings wird von ihm im Team eine offensivere Rolle verlangt als bei Arsenal, und auch das von Aragones geforderte Kurzpass-Spiel (“tiqui-taca, sprich “tiki-taka”) ist er von England nur bedingt gewöhnt. Dennoch will der 21-Jährige nicht als Fremdkörper gesehen werden. “Ich bin jetzt schon bald zweieinhalb Jahre dabei und ich glaube nicht, dass das System des Teamchefs meine Möglichkeiten einschränkt.” Aragones selbst streitet überhaupt heftigst ab, dass Fabregas im Team nicht so zur Geltung kommt wie bei Arsenal. Er selbst sieht das ein wenig anders: “Ich rede mit dem Mister oft darüber.”

Mit dem “Weisen von Hortaleza” unterhält er sich natürlich auf Spanisch, bei Gesprächen im Trainingslager der spanischen Nationalmannschaft in Neustift im Stubaital beantwortet er Fragen katalanischer Journalisten aber auch auf “catalan”. Um die Wortspende dann meist für die restlichen Kollegen auf “castellano”, also “Spanisch” zu wiederholen.

Ein Identitätsproblem hat der Arsenal-Star, der im Nachwuchs des FC Barcelona spielte, aber erst auf der Insel groß herauskam, aber nicht. “Alle Katalanen im Team geben das Beste für Spanien.” Neben “Cesc” sind auch “Xavi”, Fernando Navarro, Joan Capdevila und Sergio Garcia in Katalonien geboren.

Separatismus und der Wunsch nach einem eigenen Nationalteam nach dem Vorbild von Schottland oder Wales, wie es von katalanischen oder baskischen Politikern gerne gefordert wird, ist Fabregas aber fremd. Dieses Thema ist von meiner Seite zur Seite gelegt”, meint er, “wir setzen uns für die spanische Nationalmannschaft ein wie jeder andere einberufene Spieler auch. Niemand ist mehr oder weniger Spanier als ein anderer Spieler. Hier kämpfen wir alle für Spanien, um das Beste rauszuholen und, wenn es geht, die EURO zu gewinnen.” Und bis jetzt läuft das “gesamtspanische” Team ja wie geschmiert…

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