"Campus Akademie" saniert: Altes Uni-Viertel Wiens aus Dornröschenschlaf erwacht

Saniertes und umgebautes Projekt "Campus Akademie": Hier der Innenhof mit Arkadengang
Saniertes und umgebautes Projekt "Campus Akademie": Hier der Innenhof mit Arkadengang ©APA/GEORG HOCHMUTH
Pünktlich zum 175-Jahr-Jubiläum: Anlässlich ihres 175-jährigen Bestands, den die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) am Freitag begeht, ist am Mittwoch der "Campus Akademie" eröffnet worden.
"Campus Akademie": Forschungsmeile entsteht

Mit einem umfassenden Sanierungsprojekt wurde das Viertel um die Alte Universität in Wien Innere-Stadt aus seinem langen Dornröschenschlaf geweckt und damit bisher verborgene Ecken Wiens zugänglich gemacht. Das Ergebnis heißt "Campus Akademie". Seitens der ÖAW-Mitarbeiter gibt es aber Kritik an der Arbeitsplatzsituation.

Nach Sanierung: Einheitliches Design der "Campus Akademie"

Die historisch gewachsene, zum Teil lange vernachlässigte Gebäudestruktur im Stubenviertel rund um Postgasse, Schönlaterngasse, Jesuitengasse, Dr.-Ignaz-Seipel-Platz und Bäckerstraße vermittelt nach der 34,5 Mio. Euro teuren Sanierung durch die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) den Eindruck eines einheitlichen Ensembles. "In einer zuvor verschlafenen Ecke zieht sich nun eine Forschungsmeile vom Hauptgebäude der Akademie bis zur Postsparkasse", erklärte ÖAW-Präsident Anton Zeilinger bei einer Pressekonferenz. Der "Campus Akademie" umfasst damit einen Raum, wo praktisch ohne Unterbrechung seit dem 14. Jahrhundert Wissenschaft betrieben wurde.

Geschichte der Universität Wien beginnt im Stubenviertel

Da, wo die Universität Wien wenige Jahre nach ihrer Gründung 1365 im Stubenviertel mit dem "Collegium Ducale" ihr erstes Zuhause fand, bauten die ab 1622 mit der Leitung der Uni betrauten Jesuiten in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts einen aus mehreren Trakten bestehenden Neubau rund um einen Arkadenhof. Dessen Arkaden wurden bereits ein paar Jahrzehnte später wieder zugemauert, Platzbedarf und die klimatischen Bedingungen in der "Kleinen Eiszeit" dürften die Gründe dafür gewesen sein, erklärte Projektleiter Clemens Novak von der BIG gegenüber der APA.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde dann am heutigen Seipel-Platz ein neues Uni-Gebäude errichtet, das bei der Revolution von 1848 zum zentralen Versammlungsort wurde. Nach deren Niederschlagung wurde die Universität vom Militär besetzt, das Gebäude der Akademie der Wissenschaften übergeben und die Uni erhielt ihr neues Hauptgebäude an der Ringstraße.

"Alte Universität": Nutzung und Vernachlässigung

Beispielhaft für die Nutzung und auch Vernachlässigung der "Alten Universität" steht die Bibliothek. Der Saal mit seinem 240 Quadratmeter großen barocken Deckenfresko wurde nach Aufhebung des Jesuitenordens 1773 zur Universitätsbibliothek, wechselte Anfang des 20. Jahrhunderts zur Postsparkasse und war dann jahrelang Tischtennishalle für den Polizeisportverein. Nun ist dort die Bibliothek der ÖAW eingezogen, die auch mit Veranstaltungen und Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Die erste Schau, die dort bis 2. Juni gezeigt wird, widmet sich unter dem Titel "7 Erdteile - 7 Weltmeere" der engen Verflechtung von Kartographie und Entdeckungsreisen.

Highlights der Sanierung: Bibliothek und Arkadenhof

Wirkliches Highlight der Sanierung, mit der laut BIG-Geschäftsführer Hans-Peter Weiss auch "Bausünden der vergangenen Jahrzehnte rückgeführt und wiedergutgemacht wurden", ist neben der Bibliothek der Arkadenhof geworden, den man entweder über ein neues verglastes Entrée von der Bäckerstraße aus oder über eine kleine, fast verborgene Pforte neben der Jesuitenkirche erreicht. Dieser ehemalige Kräutergarten der Jesuiten war bisher nicht der Öffentlichkeit zugänglich und eine verwahrloste "G'stettn". Durch die Öffnung der vor Jahrhunderten zugemauerten Arkaden erhält der Hof mediterranes Flair und bietet mit Sitzgelegenheiten, Wiese und einem alten Kastanienbaum eine grüne Oase der Ruhe mitten im Zentrum Wiens.

Der Innenhof soll auch mit verschiedenen Veranstaltungen bespielt werden, mit denen die Akademie Wissenschaft vermitteln will. So gibt es anlässlich des ÖAW-Jubiläums von 17. bis 19. Mai dort eine Kinderuni und auch bei der "Langen Nacht der Forschung" am 20. Mai wird dort Programm geboten. "Die Wissenschaft lebt ganz aktiv im Herzen der Stadt und öffnet sich hier der Öffentlichkeit - das ist in Zeiten wachsender Wissenschaftsskepsis ein wichtiges Signal", erklärte Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP).

"Campus Akademie" umfasst rund 30.000 Quadratmeter

Gemeinsam mit der ehemaligen Wiener Postsparkasse am Georg-Coch-Platz, die künftig für universitäre und wissenschaftliche Zwecke genutzt wird und in der die ÖAW der größte Mieter ist, umfasst der "Campus Akademie" rund 30.000 Quadratmeter und insgesamt etwa 1.200 Arbeitsplätze. "Wir bringen hier quer durch die Disziplinen Leute zusammen", sagte Zeilinger.

Betriebsrat der ÖAW über die Arbeitsplatzsituation unzufrieden

So gelungen die Sanierung von außen erscheint, so unzufrieden äußerte sich am Mittwoch der Betriebsrat der ÖAW über die Arbeitsplatzsituation, die sich für zahlreiche Mitarbeiter durch die Übersiedlungen und Umbauten verschlechtert habe. "Die Büroräume sind so dicht belegt, dass konzentriertes Arbeiten erschwert wird. Auch gibt es zu wenig Platz für Bücher und anderes Arbeitsmaterial. Labore und Werkstätten verfügen über kein natürliches Licht", heißt es in einer Aussendung.

Für den Betriebsrat ist es "unklar, wie sich die ÖAW in diesen Räumlichkeiten weiter entwickeln kann, die bereits jetzt kaum ausreichend Platz für das derzeit beschäftigte Personal bieten". Dies erschwere die Einwerbung von Drittmitteln und mache die Akademie für exzellente Forscher weniger attraktiv. In den vergangenen Jahren hätten zahlreiche Mitarbeiter im Bereich von Verwaltung und Infrastruktur die Akademie verlassen, für immer mehr Wissenschafter sei eine permanente Anstellung an der ÖAW nicht vorgesehen. Der Betriebsrat fordert das künftige ÖAW-Präsidium - ab Anfang Juli übernimmt Heinz Faßmann den Chefsessel - auf, "sich für gute Arbeitsbedingungen und Möglichkeiten einer stabilen Karriereplanung für den wissenschaftlichen Nachwuchs an der ÖAW zu engagieren".

(APA/Red)

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