"Campeones olé" und traurige Gesichter

"Campeones olé"-Gesänge und Feuerwerkskörper bei den Fans von der iberischen Halbinsel - hängende Gesichter bei den zahlenmäßig überlegenen deutschen Schlachtenbummlern.

So sah die Situation Sonntagabend unmittelbar nach dem Ende des Finalspiels mit dem 1:0 für die Spanier in und um das Wiener Happel-Stadion und in den Fanzonen aus. Als direkte Augenzeugen im Wiener Prater und vor den Videowalls hatten in Österreich weit mehr als 160.000 Menschen mit ihrer präferierten Mannschaft gezittert – und dann gejubelt oder getrauert. In den stärksten Zeiten allein über 100.000 Zuschauer hatte es während des EM-Finales in den österreichischen Fanzonen gegeben. Bei strahlendem Wetter und friedlicher Feierstimmung hatten sich zum Anpfiff rund 69.000 Fußballfreunde zum letzten Mal auf der Partymeile in der Innenstadt versammelt. Hinzu kamen noch rund 6.000 Menschen auf der Kaiserwiese, die wegen Überfüllung gesperrt werden musste. Voll war auch die inoffizielle Fanmeile am Wiener Donaukanal. Der Swiss Beach musste bei einem Publikum von rund 2.000 Fans gesperrt werden.

An die 20.000 Fans hatten sich am Sonntag in Kärnten vor den Großbildschirmen im ganzen Land versammelt. In Klagenfurt meldete die Polizei rund 4.500 Besucher in der Fanzone am Neuen Platz, im Europapark wurden 5.500 Fußballfreunde gezählt. In Salzburg waren es bis zu 15.000 Fußballanhänger, die sich auf der Partymeile einfanden. In Innsbruck strömten 5.000 Gäste in die Fanzone.

Und dann das Ende des Spiels in Wien: Mit Blitzlichtgewitter der Fotografen und ohrenbetäubenden Jubelgesängen wurde der neue Europameister Spanien in der Fanzone gefeiert. Bereits eine Minute vor Spielende begannen die “Espana”-Anhänger hüpfend und Fahne schwenkend mit ihrer Siegesfeier. Für sie gab es kein Halten. Bei den Deutschland-Fans dominierten hingegen betretene Gesichter und starre Blicke auf die Leinwand. Während die Spanier wilde Tänze aufführten und Feuerwerkskörper abfeuerten, hatten die Deutschen – nach Wien waren rund 40.000 Fans gekommen – Tränen in den Augen. Für die Anhänger der Sieger wurden Fanzonen, Straßen und Plätze zu einem riesigen Party-Setting.

Schadenfreude bei österreichischen Fußballanhängern: Sie schmähten “Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei”. Die deutschen Fans genehmigten sich noch ein “Frust”-Bier. Der Abzug der Fans begann zügig und problemlos. Die Wiener Polizei sperrte bei Bedarf Straßen, um den Abstrom zu erleichtern.

Nach dem Matches im Wiener Happel-Stadion, wo auch der russische Milliardär und Chelsea-Chef Roman Abramowitsch das Finale mitverfolgt hatte: Dort wollten dort viele der anwesenden deutschen Fans nur noch weg. Der Abzug der Fans gestaltete sich problemlos. Die Spanier hingegen feierten ausgelassen. “Campione ole”, war plötzlich die Parole.

In Linz-Urfahr beim Public Viewing wurde ausgelassen gefeiert. Der Großteil der dort anwesenden deutschen Fans verließ das Gelände fluchtartig. Gelächter und Pfiffe waren zu hören. Auch dort war es österreichische Schadenfreude, die da gegenüber dem größeren Nachbarn – trotz Ausscheidens der heimischen Equipe noch in der Vorrunde – zum Tragen kam.

< Ähnlich auch die Situation in Salzburg. Der “große Bruder” war von den Spaniern geschlagen worden, und die Mozartstadt feierte. Nicht Fans aus Spanien waren es, die nach dem EURO-Finale in der Fanzone der Mozartstadt in Jubel ausbrachen, sondern Einheimische, die sich über den Sieg der Südländer oder aber über die Niederlage Deutschlands freuten. In Summe war rund 15.000 Menschen auf die Partymeile gekommen, wie Polizei-Einsatzleiter Rudolf Feichtinger der APA sagte. Das Rote Kreuz verzeichnete bis Spielende 26 Einsätze. Zwei Menschen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden, besondere Zwischenfälle wurden nicht aber vermeldet.

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