Bwin Vorstände wieder frei

Die beiden Vorstände des börsenotierten österreichischen Internet-Sportwettenanbieter bwin, Manfred Bodner und Norbert Teufelberger, die am Freitag in Südfrankreich wegen Verdachts auf illegales Glücksspiel festgenommen wurden, sind wieder frei.

Gegen sie wurde ein Untersuchungsverfahren eingeleitet. Ob es
zu einem Strafverfahren kommt, soll binnen eines Jahres entschieden
werden. Die Aktie brach heute, Dienstag, nach der Wiederaufnahme des
Handels zur Eröffnung ein. Die EU-Kommission hat indes Bedenken gegen
strafrechtliche Sanktionen vorgebracht.

Ein französisches Gericht in Nanterre soll binnen eines Jahres
entscheiden, ob ein Strafverfahren gegen die beiden eingeleitet wird,
hieß es von bwin heute. Die für die beiden Vorstände hinterlegte
Kaution in Höhe von insgesamt 600.000 Euro diene dazu, allfällige
Geldstrafen abzudecken und sicherzustellen, dass die beiden Vorstände
zukünftigen Ladungen Folge leisten, teilte bwin heute mit.
Theoretisch betrage die Höchsthaftstrafe bei einer Verurteilung drei
Jahre.

Oliver Drewes, Sprecher des zuständigen Kommissars Charlie
McCreevy, sagte heute in Brüssel: „Wenn die nationalen Bestimmungen
bezüglich Glücksspiel nicht im Einklang mit EU-Recht stehen, sind
grundsätzlich auch die Strafmaßnahmen aus der Sicht des Binnenmarktes
problematisch“. Die EU-Kommission arbeite an weiteren
Vertragsverletzungsverfahren gegen EU-Staaten, die den freien
Wettbewerb von Sportwetten-Anbietern einschränken, und will
voraussichtlich am 18. Oktober über weitere Fälle entscheiden. „Viele
nationale Gesetze zum Glücksspiel und zu Sportwetten sind unvereinbar
mit der Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit“, so der
Sprecher.

bwin geht davon aus, dass vor einer Entscheidung durch das Gericht
in Nanterre ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in der
Rechtssache „Placanica“ vorliege und in die Entscheidungsfindung des
Richters in Nanterre einfließe. bwin muss laut Anordnung des
Untersuchungsrichters auf seiner Homepage „innerhalb der nächsten
Wochen“ einen Hinweis anbringen, wonach das Angebot in Frankreich
gegen nationale Glücksspielvorschriften verstoßen könnte.

bwin negiere die europäische Rechtslage der Glücksspielmonopole,
meinte der Rechtsexperte der Casinos Austria, Dietmar Hoscher, heute
auf APA-Anfrage. In Österreich dürfe bwin mit der entsprechenden
Lizenz zwar Sportwetten anbieten, nicht aber Glücksspiele.

Der französische Sportminister Jean-Francois Lamour verteidigte
indes das in Frankreich geltende Glückspielmonopol im Bereich der
Sportwetten. In Frankreich verfügen die Gesellschaften „Francaise des
Jeux“ (FDJ) und „Pari mutuel urbain“ (PMU) über das
Glücksspielmonopol. Die beiden in Nanterre angesiedelten
Staatsbetriebe hatten gegen bwin wegen Verletzung des Monopols
Anzeige erstattet und somit die Ermittlungen gegen den
börsennotierten österreichischen Sportwettanbieter ausgelöst. Die
beiden Vorstände waren im Zuge einer in Monaco geplanten
Pressekonferenz festgenommen worden.

Neben Frankreich kämpft bwin auch in Deutschland ums Geschäft. Wie
zuvor Hessen und Sachsen hatte kürzlich auch Bayern bwin die
Vermittlung von Sportwetten per Internet verboten.

Die bwin-Aktie notierte gegen 16:40 h bei 21,53 Euro und damit um
16,06 Prozent unter dem letzten Schlusskurs. Mit der Wiederaufnahme
des Handels waren die Papiere um ein Viertel abgesackt und hatten
sich danach wieder etwas erholt. Das Papier war von Freitag
Nachmittag bis Montag Abend vom Handel ausgesetzt gewesen.

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