Burgtheater: Forensicher Prüfbericht ist öffentlich einsehbar

Den Burgtheater-Prüfbericht kann man im Internet herunterladen.
Den Burgtheater-Prüfbericht kann man im Internet herunterladen. ©APA
Der forensische Untersuchungsbericht der KPMG ("Projekt Sopran"), in dem die von der ehemaligen Kaufmännischen Direktorin Silvia Stantejsky zu verantwortenden Buchungsvorgänge im Burgtheater näher beleuchtet wurden, kann öffentlich eingesehen werden. Zahlreiche Stellen wurden jedoch geschwärzt.
Stantejsky als Sündenbock
8,3 Millionen Euro Verlust

“Aus datenschutzrechtlichen Gründen musste eine Anonymisierung einzelner Berichtsteile und Textpassagen vorgenommen werden, da in dem Bericht namentlich erwähnte Personen ihre Zustimmung zur Veröffentlichung nicht erteilt (haben)”, heißt es dazu auf der Homepage der Bundestheater.

Nicht alles wurde dokumentiert

In der Zusammenfassung des Berichts ist unter anderem zu lesen, dass Einzahlungen in der Kassa, die als “ein wesentliches Element der Liquiditätssteuerung” festgemacht wurde, teilweise “ohne Wissen der im Kassabuch eingetragenen Person – also in fremden Namen – auf Anweisung von Frau Stantejsky erfolgten”. “Frau Stantejsky hat laufend Einnahmen und Ausgaben ohne Einbeziehung der Kassa getätigt”, heißt es weiter.

“Gefälschte Belege” gefunden

Wie verschiedentlich bereits berichtet, ist von “gefälschten Belegen und Vorspiegelung falscher Tatsachen” die Rede. Insgesamt widerspreche die Vorgangsweise “den Grundsätzen der ordnungsgemäßen Buchführung und gibt in der unterjährigen Finanzberichterstattung an die Stakeholder (künstlerische Direktion oder Aufsichtsrat) die finanzielle Situation des Unternehmens falsch wider. Aus den beschrieben Umständen ist ableitbar, dass Frau Stantejsky nicht im Sinne der Geschäftsleitungspflichten gehandelt hat, wie es von einem sorgfältig handelnden Kaufmann zu erwarten ist. Vielmehr ist indiziert, dass das beschriebene Umfeld gewollt war, um Vorgänge zu verschleiern.”

In wessen Interesse hat Stantejsky gehandelt?

Dem fundamentalen Element eines Internen Kontrollsystems, “der Trennung von Schlüsselfunktionen im Unternehmen, wurde nicht Rechnung getragen”, so der Bericht. “Als äußerst kritisch ist der Umstand zu sehen, dass Frau Stantejsky das Vermögen von Vertragspartnern der Burgtheater GmbH verwaltete und auch buchhalterische Aufgaben für Vertragspartner wahrgenommen hat.” Es sei unmöglich nachzuvollziehen, “ob die Forderungen der Leistungserbringer gerechtfertigt waren, ob Frau Stantejsky im Namen der Burgtheater GmbH oder für Dritte handelt bzw. welche finanzielle Interessen von der kaufmännischen Direktion der Burgtheater GmbH vertreten werden.”

Abgesehen von 129.000 Euro, die im Zeitraum der letzten drei Geschäftsjahre offenbar “zu viel ausgezahlt wurden”, da für diese Beträge weder Verträge noch Honorarnoten auffindbar waren, werden in dem Bericht keine Schadenssummen aufgelistet. Abschließend heißt es: “Zu Frau Silvia Stantejsky hat unsererseits kein Kontakt stattgefunden.”

Bis zu acht Millionen Euro Schaden

Der durch die gegen Ende des Vorjahres entlassene frühere kaufmännische Geschäftsführerin Silvia Stantejsky verursachte Schaden war (inklusive von möglichen Steuer-Nachforderungen) seitens des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Georg Springer auf bis zu sieben bis acht Millionen Euro beziffert worden. Wegen des Verdachts auf Urkunden-, Beweismittel- und Bilanzfälschung, Geldwäsche und Untreue wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Stantejsky bestreitet alle Vorwürfe und hat gegen ihre Entlassung Klage eingereicht. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) hat den Burgtheater-Aufsichtsrat um Einholung mehrerer Rechtsgutachten ersucht, in denen u.a. die Mitverantwortung von Direktor Matthias Hartmann und anderer Organe des Burgtheaters geklärt werden soll. (APA)

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