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Bundesregierung: Paket zur Lehrlingsförderung beschlossen

Am Mittwoch wurde das Paket zur Lehrlingsförderung verabschiedet.
Am Mittwoch wurde das Paket zur Lehrlingsförderung verabschiedet. ©APA/Roland Schlager
Am Mittwoch wurde von der Regierung ein Paket zur Lehrlingsförderung verabschiedet.

Die Regierung hat am Mittwoch ein Paket zur Lehrlingsförderung verabschiedet. “Der Fachkräftemangel ist die größte Herausforderung für unsere Betriebe und hemmt das Wachstum”, so Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP). 87 Prozent von 4.500 befragten Firmen spürten den Mangel, 60 Prozent hätten im vergangenen Jahr Schwierigkeiten bei der Suche nach Mitarbeitern mit Lehrabschluss gehabt.

Vermittlung müsse überregional verbessert werden

Die Vermittlung von Lehrstellensuchenden zu Ausbildungsbetrieben müsse vor allem auch überregional verbessert werden. Dafür sollen die Geldmittel im Topf der betrieblichen Lehrstellenförderung von 10 auf 20 Mio. Euro verdoppelt werden. Junge Arbeitslose und Asylberechtigte würden dadurch verstärkt an betriebliche Lehrstellen herangeführt. “Es ist mir sehr wichtig, dass junge Menschen langfristig am sozialen sowie am beruflichen Leben teilhaben”, teilte Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) in einer Aussendung mit.

Auch die Rekrutierung von Fachkräften aus dem EU-Ausland soll intensiviert werden. Dazu werde die Austrian Business Agency, bisher eine Ansiedlungsagentur, künftig als Standortagentur eine eigene Einheit zur Fachkräfteanwerbung erhalten. “Nicht nur unsere Betriebe suchen qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das ist ein europäisches Rennen”, betonte die Wirtschaftsministerin. Deshalb brauche es “direktes Recruiting im Ausland” und Werbung für den Standort Österreich.

Wirtschaftsbund: 162.000 Fachkräfte fehlen

Laut Wirtschaftsbund fehlen hierzulande derzeit 162.000 Fachkräfte, was “gravierende Folgen für die Innovationsfähigkeit und Investitionstätigkeit unserer Betriebe” habe. Um den Fachkräftemangel nachhaltig zu lindern, werde man ohne qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland nicht auskommen. Die von der Regierung bereits angekündigte Modernisierung der Rot-Weiß-Rot-Card und die Regionalisierung der Mangelberufsliste seien von großer Wichtigkeit für die Unternehmen.

Heuer wurden 15 Lehrberufsbilder, die mehr als 3.000 Lehrlinge betreffen, neu geschaffen, vier weitere sollen Anfang 2019 dazukommen. Dadurch werde das Berufsbild von 11.000 Lehrlingen modernisiert. “Ergänzend dazu novellieren wir das Berufsausbildungsgesetz im ersten Halbjahr 2019 – jeder Lehrberuf soll in Zukunft in regelmäßigen Abständen verpflichtend überarbeitet werden”, kündigte Schramböck an.

Gewerkschaft und Wirtschaftskammer zeigen sich zufrieden

Die Gewerkschaft vida begrüßte den heutigen Ministerratsbeschluss, speziell die neuen Lehrberufsverordnungen im Bereich Tourismus und für Friseurinnen. Es gehe darum klar zu beschreiben, welche Qualifikationen der Lehrling am Ende seiner Ausbildung haben werde, betonte der Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft, Berend Tusch. Nun liege es an den Betrieben, die ab 2019 geltenden Ausbildungsvorschriften umzusetzen und die innerbetriebliche Ausbildung zukünftiger Fachkräfte noch mehr in den Vordergrund zu stellen.

Auch vonseiten der Wirtschaftskammer zeigt man sich zufrieden: Die Fachverbände Gastronomie und Hotellerie freuen sich über das heute im Ministerrat präsentierte Paket zu Fachkräften und Lehre “als weiteren Schritt hin zu einer modernen und attraktiven Lehrlingssaubildung im Tourismus”. Die jüngste Überarbeitung der Berufsbilder stelle “eine hochqualitative Ausbildung mit besten Zukunftsaussichten für alle Lehrlinge in der Tourismuswirtschaft” sicher, meint etwa der Bundesausbildungsleiter für den Tourismus in der Wirtschaftskammer Österreich, Gerold Royda.

NEOS kritisieren Paket

Heftige Kritik an dem Paket kam hingegen von den NEOS, die von reiner “Show-Politik” seitens der Regierung sprechen. Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn vermisst ein “umfassendes Paket”.

AK lobt Regierung

Die Arbeiterkammer hat das von der Bundesregierung am Mittwoch beschlossene Paket zur Lehrlingsförderung begrüßt. “Das ist ein wichtiger erster Schritt, um auch Unternehmen bei der Fachkräfteausbildung in die Pflicht zu nehmen”, erklärte AK-Präsidentin Renate Anderl in einer Aussendung.Jetzt sehe auch die Regierung ein, dass die Unternehmen mehr Verantwortung übernehmen müssten, statt ständig über den angeblichen Fachkräftemangel zu jammern, so Anderl. Gleichzeitig warnte sie davor, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben: “Erstens haben wir in Österreich genug Jugendliche und Arbeitssuchende, die von den Unternehmen nur entsprechend ausgebildet werden müssen. Zweitens wissen wir aus Erfahrung, dass diese Praxis den Druck auf die Löhne in Österreich erhöht.”

Keinen Konsens zwischen AK und Regierung bei Finanzierung

Grundsätzlich positiv sieht Anderl die Charta zur Selbstverpflichtung von Unternehmen, Jugendlichen in der überbetrieblichen Lehre Praktikumsplätze anzubieten. Den Vorschlag der Regierung, Asylberechtigte und Arbeitslose auf eine Lehre vorzubereiten, hält die AK-Präsidentin für sinnvoll. Erklärungsbedarf gibt es laut Anderl bei der Ankündigung, die Förderung für die Vermittlung von Lehrstellensuchenden von 10 auf 20 Millionen Euro aufzustocken. Bis jetzt sei nämlich völlig unklar, wofür das Geld in diesem Fördertopf eigentlich verwendet wird.

Beim Thema Finanzierung der Lehrstellenförderung gibt es demnach zwischen Regierung und AK bisher ebenfalls keinen Konsens. Die bisherige Finanzierung der Lehrstellenförderung soll laut Regierungsprogramm abgeschafft werden. Bisher wurde diese Förderung aus Arbeitgeberbeiträgen zum Insolvenzfonds gedeckt. Künftig soll dieser Betrag aus der Arbeitslosenversicherung bezahlt werden. “Damit werden schon wieder die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Kassa gebeten werden, obwohl sie für den Lehrstellenmangel nicht verantwortlich sind. Das lehnen wir ab”, bekräftigte Anderl.

(APA/Red)

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