Bulgarische Krankenschwestern zu Folter in Libyen befragt

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Nach dem überraschenden Foltereingeständnis des Sohnes von Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi sind die bulgarischen Krankenschwestern zu den Geschehnissen in libyscher Haft befragt worden.

Die in Libyen zunächst zum Tode und dann zu lebenslanger Haft verurteilten Pflegerinnen, die unmittelbar nach der Rückkehr in ihre Heimat begnadigt worden waren, äußerten sich zu „seelischer und körperlicher Gewaltausübung“ im Gefängnis, wie der bulgarische Staatsrundfunk am Freitag berichtete. Die Bulgarinnen hatten angegeben, dass sie unter Folter gestehen mussten, in einer libyschen Klinik mehr als 400 Kinder absichtlich mit dem HI-Virus angesteckt zu haben.

Saif al-Islam al-Gaddafi sagte in einem aufsehenerregenden Interview des arabischen Fernsehsenders Al Jazeera: „Ja, sie wurden mit Elektroschocks gefoltert und ihnen wurde gedroht, ihren Familien werde etwas zu Leide getan.“ Zugleich erklärte er nach Angaben des Senders, die Krankenschwestern und der palästinensisch-bulgarische Arzt seien nicht an der Aids-Erkrankung der libyschen Kinder in einer Klinik in Bengasi schuld gewesen. Experten hatten schon seit langem die schlechten hygienischen Zustände in dem Krankenhaus als Grund für die Infektion genannt.

Der libysche Oberste Richterrat hatte Mitte Juli die Todesurteile gegen die Krankenschwestern und den Arzt in lebenslange Haftstrafen umgewandelt. Dies machte den Weg für die Rückkehr der Bulgarinnen in ihre Heimat frei. Die Ausreise war erst nach langwierigen Verhandlungen zwischen Libyen und der EU über Entschädigungszahlungen an die Eltern der an Aids erkrankten oder gestorbenen Kinder und anderen Absprachen möglich geworden. Dabei spielte die von Saif al-Islam geführte Gaddafi-Stiftung eine entscheidende Rolle. Saif al-Islam gilt als möglicher Nachfolger seines Vaters als Revolutionsführer.

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