Buchpräsentation: Opernstars und ihre Lieblingsrezepte

Salzburg - Opernsängern geht es oft nicht anders als ihrem Publikum: Wenn Zeit zum Kochen bleibt, kommen einfache Gerichte wie Suppe, Pasta oder Salat auf den Tisch. Für Gäste und die Familie wird aber groß aufgekocht, wie Anna Netrebko im neuen Buch "Die Oper kocht" erzählt.
Galadinner "Die Oper kocht"
Gleich 64 Weltstars aus 26 Nationen schwangen für ihre Lieblingsrezepte die Kochlöffel und verrieten ihre Küchengeheimnisse. Eine Kostprobe gab es am Donnerstagabend im Salzburger Schloss Leopoldskron. Die Gerichte von acht Opernstars wurden präsentiert und “getestet”.

Eigentlich hätten die Sänger für das achtgängige Gala-Menü selbst hinter dem Herd stehen sollen. “Das wäre dann doch zu stressig gewesen”, gestanden die Autoren des 280 Seiten umfassenden Bildbandes, Evelyn Rille und Johannes Ifkovits, ein. Zwei volle Arbeitstage benötigten 15 Köche, um die Lieblingsspeisen von Nino Machaidze, Anna Netrebko, Ferruccio Furlanetto, Rene Pape, Barbara Bonney, Piotr Beczala, Joyce DiDonato und Aleksandra Kurzak für die hochkarätige Tischgesellschaft im Marmorsaal nachzukochen.

“Wir versuchten, die Rezepte zu verfeinern. Sie waren doch sehr hausmannskostartig geschrieben. Hier im Schloss mussten wir vieles improvisieren, uns ist dann auch noch ein Ofen ausgefallen. Aber wir haben es geschafft. Die Gerichte sind ja komplett unterschiedlich, aber alles ist leiwand”, gab sich “Chefkoch” Heinz Hanner, Drei-Hauben-Koch des Restaurant Mayerling, diplomatisch.

Viele Stars, die heuer bei den Salzburger Festspielen singen, waren gekommen und plauderten bereitwillig aus ihrer “Suppenküche”. Für Barbara Bonney spielt der Zeitfaktor eine große Rolle. “Das perfekte Dinner ist ein Filetsteak mit Kartoffelgratin und Kräutern. Da kann nichts passieren, es geht schnell und daher bleibt viel Zeit für die Gäste.” Einfache Kost bevorzugt Rene Pape, “Orest” in “Elektra”, wenn er nicht viel Zeit hat. “Dann mache ich Rührei mit Speck und Pasta.” Doch für das Buch packte den Sachsen der Nationalstolz. “Ich war überrascht, wie gut mir der Sächsische Sauerbraten gelungen ist.”

Ferruccio Furlanetto präsentierte “Wasabi-Risotto mit Rotbarben”. “Das Rezept habe ich von einem Freund in Kalifornien. Ich probierte es einige Male selbst. Ich denke, es passt. Aber die Köche hier machen es besser als ich.” Aleksandra Kurzak entschied sich für Pflaumenkuchen. “Der schmeckt sehr gut und es geht schnell.” Die polnische Sopranistin, heuer die “Donna Anna” in “Don Giovanni”, hat eines mit vielen ihrer Kollegen gemeinsam: In Salzburg isst sie gerne Wiener Schnitzel. Tamar Iveri outete sich als Mozartkugel-Fan, und Akiko Nakajima schwärmte vom Schweinsbraten. Die Salzburger Nockerln zählen wegen ihres Volumens dagegen nicht zu den begehrtesten Speisen.

Verwaist blieb gestern das Besteck hinter den Tischkärtchen der Diven Machaidze und Netrebko, die alternierend die weibliche Hauptrolle in “Romeo et Juliette” singen. In dem Buch schildert Netrebko, warum Großmutters Borschtsch, eine traditionelle russische Rote-Rüben-Suppe, ihre Lieblingsspeise ist. “Das erinnert mich an meine Kindheit, es schmeckte immer so unglaublich gut. Das koche ich fünf- bis zehnmal im Jahr.”

Eliette von Karajan verließ schon nach Netrebkos Suppe mit Festspielmäzen Donald Kahn und dessen Gattin das Schloss, weil sie ein Konzert des Pianisten Grigory Sokolov besuchten. Gegen Mitternacht servierten die 15 Kellner noch Süßspeisen von Piotr Beczala, Joyce DiDonato und Kurzak. Mitgenascht haben auch Stars, deren Lieblingsgerichte nicht serviert wurden, die aber ebenfalls für das Buch gekocht haben wie Ekaterina Bakanova, Giuseppe Filianoti und Natalia Ushakova. Mit ihrem Buch wollen die Autoren die Elite der Opernwelt einem größeren Publikum zugänglich machen, “denn kochen und essen, das tun wir alle gern”, erklärten sie. “Wir sind ihnen ein Jahr lang kreuz und quer durch die Welt nachgeflogen.” Der Reinerlös des Gala-Abends kam dem SOS-Kinderdorf “Clearing-house Salzburg” zugute.

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