Büttner hat von Risikogleichlauf nichts gewusst

Er sei sehr überrascht gewesen, dass die verschied­enen Uni-Bonds wieder an einer Stelle - nämlich bei der zu Wolfgang Flöttl zählenden Ross Global Markets Fund Ltd - zusammenliefen.

Er sei von verschiedenen Strategien und Risikoläufen ausgegangen, so Ex-BAWAG-Vorstand Christian Büttner bei seiner heutigen Einvernahme im BAWAG-Prozess. Bestätigungen von der Bank of Bermuda über die Entwicklungen der Fonds habe er nie bekommen.

Bezüglich des Risikos der neuen Veranlagung über Uni-Bonds im Jahr 1999 habe für ihn der Vorstandsbeschluss gegolten, wo das Gesamtrisiko auf zehn Jahre mit 15 bis 20 Mio. Dollar für das Gesamtportfolio angegeben worden sei, sagte Büttner. Auch sollte es Meldungen und Audits geben. Diesen Vorstandsbeschluss habe er unterschrieben. Demnach sollte auch der Londoner Investmentbanker Kaveh Alamouti die Fonds managen.

Der Vorstandsbeschluss im November 1999 sei ganz klar eine Abkehr vom bis dahin erfolglosen Investmentbanker Wolfgang Flöttl und die Hinwendung zum neuen Fondsmanager Kaveh Alamouti gewesen: „Es passiert nicht in Bermuda, sondern in London und es wird überschaubare Risiken eingegangen“, habe die Botschaft gelautet. Über die Abwicklung könne er nichts sagen.

Auch Büttner wurde von Staatsanwalt Georg Krakow mit seiner von ihm ausgearbeiteten Excel-Tabelle über die monatlichen Net asset values der Uni-Bonds konfrontiert, die einen völligen Gleichlauf in der Entwicklung zeigten. Dies fiel auch Büttner auf, der daraufhin meinte, dass es offensichtlich so war, dass in der Praxis alle von der BAWAG angestellten Risikoberechnungen über sieben verschiedene Risikoklassen „Makulatur“ waren. „Offensichtlich wurde alles auf einen Fonds gesetzt, das war mir 1999 und 2000 nicht bekannt“, so Büttner. „Es hat hier eine Täuschung gegeben, was den Vorstandsbeschluss 1999 betrifft“.

Er sei sich 1999 in keiner Weise bewusst gewesen, dass die Verluste, die die BAWAG mit ihren Karibik-Geschäften bis dahin eingefahren hatte, bereits eine Mrd. Euro erreicht hatten, sagte er. Dass sich die Investments nach den Verlusten 1998 nicht ganz so günstig entwickelten, habe er erst bei der Vorstandssitzung am 9. November 1999 erfahren.

Anlässlich dieser Sitzung, bei der auch die neue Veranlagungsstruktur geschaffen wurde, sei noch erwähnt worden, dass es noch werthaltige Aktiva gebe. Die wesentliche Änderung bestand damals im Abgehen von der bis dahin gefahrenen Struktur. „Wenn die Verluste eh nicht so hoch waren, warum brauchte man neue Investments?“, fragte Richterin Claudia Bandion-Ortner. „Jetzt wird diversifiziert, weil sich der Erfolg nicht eingestellt hat, und man die ganze Sache über einen längeren Zeitraum von fünf bis sechs Jahren zu bewältigen versucht“, habe es geheißen, so Büttner.

Die beschlossene Rückführung der Kredite habe sich auf die Verluste 1998 – diese haben 639 Mio. Dollar betragen – bezogen, sei gesagt worden, so Büttner. Da die bis Herbst 1999 laufenden Optionen diesen Zweck nicht erfüllt hätten, sollte eine breite Strategie gefahren werden. Büttners Einschätzung nach sollte man nach fünf bis sechs Jahren sehen, wo man steht und ob sich diese Erwartungen erfüllt haben, sagte er heute. Das Risiko sei klar definiert gewesen. Er, Büttner, habe mit einem ähnlichen Portfolio in fünf Jahren 50 Prozent verdient bei überschaubarem Risiko.

Die neuen Investments in Form von Uni-Bonds seien von Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner vorgetragen worden. Er, Büttner, habe die Uni-Bonds ganz bestimmt nicht erfunden, Treasurer Thomas Hackl wäre dafür die Fachabteilung in der Bank gewesen. „Ich bestimmt nicht“, betonte Büttner heute.

Er, Büttner, könne nicht sagen, in welchen Verträgen etwas zu den sieben Risikoklassen stehe, er habe darauf vertraut, dass die Anwälte die Verträge richtig machen. Alamouti sei als renommiert dargestellt worden. Er habe damals keinen Grund gesehen, an irgendeiner Aussage eines seiner Vorstandskollegen zu zweifeln. Persönlich gesehen habe er Alamouti nie.

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