Bright Eyes Open Air in der Arena: Auftritt ohne Fehl und Tadel

Bright Eyes, die US-Indiestars aus Nebraska, luden am Dienstag zu einem Open Air in die Wiener Arena. Wer erwartete, dass die Band um Conor Oberst nach den letzten, eher geruhsamen Alben einen ebensolchen Auftritt liefern würde, bekam einen lautstarken Gegenentwurf präsentiert.
Bright Eyes & Two Gallants, live in Wien

Der 31-jährige legte dabei von Anfang an eine Präsenz an den Tag, die das Publikum bis zum letzten Takt mitriss. Conor Oberst, der im nachtblauen Sakko und weißer Gitarre die Bühne betrat, erwies sich live als sichere Bank.

Seine “Hauptband” Bright Eyes ließ Oberst die letzten Jahre ein wenig links liegen und widmete sich stattdessen anderen Projekten, wie der Mystic Valley Band oder den Monsters of Folk. Sogar einen Split der 1995 gegründeten Formation stellte er in Interviews in den Raum. Von Auflösungserscheinungen war gestern aber nichts zu bemerken. Vom Band kündigte die Stimme von Danny Brewer das Erscheinen an und mit dem Startsong “Firewall” folgte ein mehr als zweistündiger Auftritt, der keine Wünsche offen ließ. Das Wetter zeigte dabei Gnade, denn nach zwei starken Regengüssen, jeweils nach dem Auftrittsende der beiden Supportacts, blieb es trocken.

“Bright Eyes” weitgehend in rauer Stimmung

Auch wenn Oberst spätestens seit dem Album “Cassadaga” eine spirituelle Phase in seinem Schaffen begonnen hat, gab es bis auf ein paar Balladen kaum beschauliche Momente. Auch die ruhigen Songs wurden live vergleichsweise rau gespielt und Oberst selbst gab sich ebenfalls nicht erweicht. Seine Person machte letztendlich einfach den Unterschied, denn Oberst ist jemand, der in einem Song eine verzweifelte Hysterie glaubwürdig zum Ausdruck bringen kann, um danach ein fast verschämtes “Thank you so much” über die Lippen zu bringen.

Schon nach knapp einer halben Stunde kam mit “Lover I Don’t Have to Love” aus dem Album “Lifted” (2002) einer seiner stärksten Songs überhaupt, den er am Synthie sitzend präsentierte. Oberst konnte es sich dabei durchaus leisten, schon früh einige “Bringer” zu spielen. Die Ballade “Landlocked Blues” zeigte dann ein textsicheres Publikum, dem auch Lob dafür gebührte, am Konzert aktiv teilzunehmen. Die inzwischen fast üblichen Handyfilmer waren gestern kaum auszumachen. Für die Zeile “If you hate the taste of wine – Why do you drink it until you’re blind?” aus dem Song “We Are Nowhere And It’s Now” gab es Szenenapplaus. 

Conor Oberst leicht erschöpft, aber grandios

Der Pathos blieb natürlich nicht fern, doch dieser wurde sehr unpeinlich präsentiert und erdige Gitarrenriffs folgten ohnehin meist als Gegenpart. Mitunter rotierte Oberst mit seiner Gitarre gar auf der Bühne und sein anfangs sauber gezogene Mittelscheitel musste sich so im Laufe des Abends verabschieden.

Der nette Nihilist aus Nebraska steigerte sich zu einem wirklich gelungenen Finale, das mit einem rabiat rockenden “Road To Joy” seinen Höhepunkt bekam. Zuletzt durfte die Vorband Jenny and Johnny noch einmal auf die Bühne und man spielte den Abschiedssong. Zuvor erwähnte Conor Oberst, dass man vom langen Touren bereits etwas müde sei. Gemerkt hat man davon aber nichts, denn Bright Eyes lieferten in der Arena ein grandioses Konzert und es wäre schade, wäre es das letzte gewesen. 

(apa)

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