Bürger-Entscheid: Ende für unendliche Geschichte

Eine Garage unter dem Lueger-Platz?
Eine Garage unter dem Lueger-Platz? ©Vienna Online
Ein neues Gutachten gibt dem Garagenbau am Luegerplatz grünes Licht - unter Auflagen. Die Anrainer können nun von 8. bis 16. Juni über die Zukunft des Platzes entscheiden. Ihre Entscheidung ist bindend!

Bürgerbefragung. Eine Tiefgarage am Karl-Lueger-Platz, ja oder nein? Eine Frage, die die Bewohner der Inneren Stadt spaltet.

Nun sind sie am Wort: Von 8.-16. Juni sind Anrainer, Wirtschaftstreibende, Freiberufler und Liegenschaftseigentümer im Umkreis von 300 Meter zum Platz dazu aufgerufen, eine endgültige Entscheidung über den möglichen Garagenbau herbeizuführen. Das Ergebnis der Bürgerbefragung ist für die Gemeinde und den Bezirk bindend!

Bau polarisiert

Um das geplante Projekt den Anrainern noch einmal näher zu bringen, fand in der Bezirksvorstehung am 20. Mai eine Informationsveranstaltung statt. Themen: Ein neues Gutachten zur Auswirkung des Garagenbaus auf die naturdenkmalgeschützte Platane und die letzten Änderungen zum Bauprojekt. Der volle Festsaal des Bezirksamtes zeigt: Der Garagenbau polarisiert. Moderiert wurde der Abend von zwei Mediatorinnen, die in den vergangenen Monaten zwischen der Gemeinde Wien, der Betreibergesellschaft und der Bürgerinitiative vermittelte.

Bau unter Auflagen

Zuerst werden die Planänderungen vorgestellt, die auf Grund des neuen Platanengutachtens vorgenommen wurden: Die Ein- und Ausfahrten, bisher direkt neben dem Café Prückel geplant, wurden ums Eck auf die Nebenfahrbahn des Stubenrings verlegt. Der Luegerplatz soll neu gestaltet werden und wäre mit Ausnahme der Wollzeile autofrei.

Der Gutachter, Boku-Professor Florin Florineth, erteilte dem Bau prinzipiell grünes Licht. Unter Auflagen. Eine davon: Der Asphalt rund um den 80 Jahre alten Baum muss abgetragen und durch wasser- und wurzeldurchlässiges Schüttmaterial ausgetauscht werden, damit die Wurzeln gestärkt werden und der Baum „die Nachteile der Wurzelschnitte (während der Bauarbeiten) besser und schneller verkraften kann“, heißt es im Gutachten. Erst nach drei Vegetationsperioden kann gebaut werden. Frühester Baubeginn wäre daher erst im Herbst 2011 statt wie geplant 2010.

Grüne und BI dagegen

Sind damit also alle Bedenken aus dem Weg geräumt? Ganz im Gegenteil: Karin Jahn, die Sprecherin der Bürgerinitiative, spricht sich immer noch vehement gegen den Garagenbau aus. Denn für die Platane bestehe immer noch ein Restrisiko, wie aus dem Gutachten hervorgeht. „Außerdem besteht für die Garage keinerlei Bedarf“, sagt Jahn: „Warum dann ein Risiko eingehen?“ Und den Platz könne man auch ohne Garage autofrei machen.

Das sieht auch Rainer Fussen-egger, Klubobmann der Grünen, so: „In den unmittelbar umliegenden Garagen (beispielsweise Cobdengasse oder Parkring) bleiben auch zu Spitzenzeiten stets hunderte Stellplätze frei. Warum also eine Garage, die wegen der teuren Stellplätze keine Alternative zu einem Oberflächenparkplatz darstellt?“

Dem widerspricht der Garagenbetreiber Wolfgang Reichl: „Angesichts der Parkplatznot und der sehr starken Auslastung der anderen Garagen besteht hier Bedarf.“
Bei der Informationsveranstaltung sprachen sich einige Anrainer für den Garagenbau aus, eine Mehrheit aber konnte sich mit dem Projekt auch nach den vorgestellten Änderungen nicht anfreunden.

Nicht wenige wurden sogar sehr emotional, untertrieben ausgedrückt. Kraftausdrücke, ständige Zwischenrufe, die Mediatorinnen hatten an diesem Abend mehr als genug zu tun. Das letzte Wort aber haben nun die Bürger. Die Stimmzettel wurden Anfang Juni versendet.
bz: Michael Riedmüller

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