Brasilien: Tagebücher pädophiler Priester

Die brasilianische Zeitschrift "Istoe" (So ist es) hat mit der Veröffentlichung eines heiklen Berichts über das Phänomen pädophiler Priester für einen Eklat gesorgt.

Nach Angaben der Zeitschrift hat Papst Benedikt XVI. Anfang September eine Kommission nach Brasilien entsandt, die die Vorwürfe der sexuellen Vergehen überprüfen soll, für die rund 1.700 Geistliche verdächtigt werden.

In mindestens zwei Fällen berichteten zwei Priester über ihre Erfahrungen als Vergewaltiger von Minderjährigen in einem Tagebuch, das von der Zeitschrift veröffentlicht wurde, so die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“ am Montag.

Pater Tarcisio Tadeu Spricigo verfasste zehn Regeln, mit denen man Buben sexuell missbrauchen könne, ohne bestraft zu werden. Wichtig sei mit vaterlosen Kindern aus armen Familien zu verkehren. „Die Kinder sollen ruhig, ohne Tabu und ohne Moralismen sein. Man muss sich sicher, seriös zeigen und als Vater und Herrscher auftragen. Man darf niemals Fragen stellen“, so Spricigo. Der Priester ist wegen der Vergewaltigung eines fünfjährigen Kindes in Haft.

„Es gibt zahllose, unsichere und zuverlässige Kinder, die sinnlich sind und ein Geheimnis bewahren können. Sie leiden unter der Abwesenheit eines Vaters, sie leben allein mit der Mutter. Man muss nur einen klinischen Beobachtungssinn haben und nach sicheren Regeln handeln. Ich bin ein Eroberer und wenn ich korrekt nach den Regeln handle, fällt das Kind direkt in meine Händen und wir werden für immer glücklich sein“, schrieb Spricigo im Tagebuch. Dieses wurde von einer Nonne, der der Geistliche das Buch irrtümlich gegeben hatte, der Polizei übergeben. Nachdem er ein erstes Mal nach einer Anzeige versetzt worden war, hatte Spricigo weitere Kinder vergewaltigt, bevor er festgenommen wurde.

Laut „Istoe“ befinden sich in Brasilien über zehn Geistliche wegen Vergewaltigungen von Kindern in Haft, 40 werden noch gesucht. Laut der Zeitschrift verletzen 50 Prozent der Priester die Keuschheitsgebote, über 200 Priester wurden in psychiatrische Kliniken der Kirche eingeliefert.

In katholischen Kreisen erwartet man mit Spannung ein Vatikandokument über die Frage der Zulassung zur Priesterweihe. Die Priesterweihe für enthaltsam lebende Homosexuelle scheint demnach künftig zumindest unter bestimmten Umständen möglich. In dem Text heißt es laut dem für gewöhnlich gut informierten Blatt „Il Giornale“: „Die Kirche kann jene nicht zum Priesteramt zulassen, die Homosexualität praktizieren, tief verwurzelte homosexuelle Tendenzen aufweisen oder die so genannte Gay-Kultur unterstützen.“

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