Boyhood - Trailer und Kritik zum Film

Die Magie des Kinos liegt auch in seiner Eigenschaft, eine Zeit abseits der Zeit zu schaffen - den gleichsam ewigen Moment. Richard Linklater, der schon mit der "Before Sunrise"-Trilogie Charaktere lange Zeit mitverfolgte, legt mit "Boyhood" nun ein berührend schönes Werk vor, das nichts weniger zeigt, als das Leben selbst. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Dafür hat er mit seinem Team zwölf Jahre gedreht. Ab Donnerstag im Kino. In Summe waren es nur 39 Drehtage, die Linklater über zwölf Jahre verteilte, um ein Meisterwerk des Kinos zu schaffen.

Boyhood: Die Geschichte

Dabei zeigt “Boyhood” letztlich nichts Besonderes, sondern das Heranwachsen des kleinen Masons. Und gerade das macht ihn zu einem ganz besonderen Film. Mason ist ein verträumter und aufgeweckter Bub – ein ganz durchschnittlicher Sechsjähriger, als “Boyhood” einsetzt. Mit seiner altklugen Schwester Samantha zankt er sich, der Umzug nach Houston nach der Trennung der Eltern ist nicht schön, aber auch nicht zu ändern.

Das Wiederauftauchen seines Vaters, der Alkoholismus des Stiefvaters, die Probleme der Pubertät, die Fragen an das Leben und das Erwachsenwerden – all das zeigt Linklater in zwölf kleinen Schlaglichtern. Jedes Jahr sieht man eine kurze Episode aus dem Leben Masons und seiner Familie. Dabei stehen selten die scheinbar bedeutenden Ereignisse eines Lebens im Fokus. Scheidungen, häusliche Gewalt und dergleichen erfährt der Zuschauer aus dem Kontext, beinahe beiläufig. Die Narration dieses Heranwachsens entsteht de facto im Kopf des Zuschauers.

Linklater nimmt einen dafür mit auf eine beglückende Zeitreise, als Burschen noch im Versandkatalog die Busen bewunderten anstatt im Internet oder man in der Schlange für den neuesten Harry-Potter-Roman stand. Die Schwierigkeiten, mit dem Vater bei den Wochenendbesuchen ein Gespräch zu führen, sind so greifbar wie das peinliche Aufklärungsgespräch oder die ersten Pubertätsannäherungen zwischen Jungs und Mädels. Hier ist “Boyhood” immer auch die Chronik einer Generation und die fiktive Langzeitdokumentation einer Kindheit.

Boyhood: Die Kritik

Dass einen das Werk dabei so tief berührt, ist nicht zuletzt den vier Hauptdarstellern zu verdanken. Ellar Coltrane ist mit sechs Jahren in das Projekt eingestiegen und hat all die Jahre durchgehalten – als lausbübischer, melancholischer Schauspieleleve, während Linklaters Tochter Lorelei seine Schwester spielt. Flankiert werden die beiden von zwei erfahrenen Kollegen. Ethan Hawke ist ein stets bemühter, anfangs etwas hilfloser Vater, der im Laufe der Jahre aber zu sich selbst findet. Dies gelingt auch Patricia Arquette, die über den Zeitraum von zwölf Jahren ihren Weg von der überforderten, alleinerziehenden Mutter zur selbstbewussten Unidozentin geht und dabei nie auch nur am Klischee streift.

Boyhood” wird in dieser Form wohl einzigartig bleiben. In nicht allzu ferner Zukunft dürfte es nicht mehr schwerfallen, Menschen naturalistisch am Computer zum Leben zu erwecken und mit ihnen verschiedene Lebensalter zu durchmessen. Dass damit der Zauber dieser scheinbar so unspektakulären Lebensgeschichte erreicht werden kann, ist fraglich. Am Ende muss man als Zuschauer nach knapp drei Stunden den 18-jährigen Mason ziehen lassen und tut dies wie seine Mutter: Schweren Herzens.

(APA)

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