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Böse Ahnungen

FIFA-Präsident Joseph Blatter ist über ein französisches Gerichtsurteil empört und sieht auf den Fußball eine neue Bedrohung zukommen.

In einem Interview mit der französischen Abendzeitung “Le Monde” äußerte der Schweizer die Befürchtung, dass “das Urteil Malaja, verbunden mit der Osterweiterung der EU, die zehnfache Sprengkraft des Bosman-Urteils von vor acht Jahren hat”.

Hintergrund der Aussage des Wallisers: Der französische Basketball-Verband hatte der Polin Lilia Malaja die Spielberechtigung für den Klub Racing Straßburg mit der Begründung verweigert, dieser habe bereits zwei Nicht-EU-Ausländer unter Vertrag. Die Spielerin klagte auf “Diskriminierung” und berief sich auf ein EU-Abkommen mit Polen und 23 anderen europäischen Ländern von 1991, wonach Diskriminierung verboten sei. Im Dezember 2002 hatte die Polin in letzter Instanz in dem vier Jahre andauernden Verfahren vor einem französischen Gericht Recht bekommen.

Blatter: “Diese Rechtslage hat die EU in der Vereinbarung von Cotonu auch mit 77 Ländern aus Afrika, der Karibik und dem pazifischen Raum geschaffen. Mit dieser Entscheidung wird das Bosman-Urteil nicht auf 15 vergleichbare Länder angewandt, sondern auf über 100 ausgedehnt. Diese wilde Form der Freizügigkeit führt zu einem Sozial-Dumping im Fußball. Es ist der Sieg von kurzfristigen Individual-Interessen und denen von Spielervermittlern, die sich am Fußball bedienen statt ihm zu dienen.”

Der FIFA-Präsident weist darauf hin, dass in der EU sechs bis sieben Prozent der Bevölkerung eine andere Nationalität haben als das Land, in dem sie wohnen, dass der Anteil an EU-“Gastarbeitern” in den fünf wichtigsten Profi-Ligen aber bei 25 bis 35 Prozent liegt. Blatter weiter: “Der Fußball symbolisiert Werte, die Grenzen, ethnische Ursprünge, Religionen und soziale Klassen aufheben. Aber man soll aufhören, nur am Fußball die Freizügigkeit statuieren zu wollen, ohne die Konsequenzen zu bedenken.”

Energisch wendet sich Blatter gegen die “Babelisierung” des Fußballs, indem er fordert, dass auch die Politik einer Regelung zustimmen müsse, derzufolge sechs Spieler auf dem Feld für jene Nationalmannschaft spielberechtigt sein müssen, in der der Klub territorial angesiedelt ist. Der Turmbau zu Babel scheiterte laut historischer Überlieferung daran, dass zu viele Sklaven aus zu vielen Ländern zum Bau rekrutiert wurden und sich am Ende untereinander nicht mehr verstanden.

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