Bombenanschläge in Casablanca

Bei einer Serie von Selbstmordanschlägen in der marokkanischen Hafenstadt Casablanca sind nach neuesten Angaben mindestens 41 Menschen getötet worden.

Rund hundert weitere Menschen seien verletzt worden, teilte die Präfektur der Hafenstadt am Samstag mit. Bei den meisten Opfern handle es sich um Marokkaner.

Unter den Todesopfern seien auch 10 Attentäter, sagte Innenminister Moustafa Sahel in der Nacht zum Samstag in der Hauptstadt Rabat. Sowohl die Attentäter als auch die meisten anderen Toten seien Marokkaner. Es gebe aber auch ausländische Opfer. Die Polizei habe drei Menschen festgenommen. Darunter sei auch einer der mutmaßlichen Terroristen, der schwer verletzt überlebt habe.

Die Terroristen zündeten fast gleichzeitig gegen 21.00 Uhr Ortszeit drei Autobomben und einen vierten Sprengsatz. Die Anschläge im Finanz- und Diplomatenviertel trafen ein Luxushotel, ein jüdisches Gemeindezentrum, das belgische Konsulat und ein spanisches Kulturhaus samt Restaurant. US-amerikanische Einrichtungen waren nach Auskunft Washingtons nicht betroffen.

Im Stadtzentrum Casablancas herrschte Chaos und Entsetzen. Polizei und Rettungskräfte eilten zu den Anschlagsorten, Bars und Restaurants schlossen umgehend. Der belgische Außenminister Louis Michel schickte der marokkanischen Regierung eine Kondolenzbotschaft.

Wer hinter den Anschlägen steckt, war zunächst unklar. Zuvor am Freitag hatten Terrorismusexperten der US-Regierung vor abgestimmten Anschlägen des Terrornetzwerks El Kaida von Osama bin Laden auf leicht geschützte Ziele in Afrika und Asien gewarnt. Sie verwiesen auf die Anschläge in Riad zu Wochenbeginn und auf Terrordrohungen in Afrika und Asien. Erst vier Tage zuvor waren bei Selbstmordanschlägen in der saudiarabischen Hauptstadt Riad 34 Personen getötet worden; die Attentäter hatten sich in vorwiegend von Ausländern bewohnte Stadtteile begeben.

Die USA und Großbritannien haben vor der Terrorgefahr besonders in Kenia und Malaysia gewarnt. Es gab zudem Hinweise auf geplante Anschläge in der Stadt Dschiddah im Süden Saudiarabiens. Marokko ist ein fester Verbündeter der USA. Die Regierung bedauerte jedoch, dass der Irak-Konflikt nicht friedlich gelöst wurde. In der marokkanischen Bevölkerung gab es heftigen Widerstand gegen den US-geführten Golfkrieg. An einer Demonstration in der Hauptstadt Rabat hatten vor Kriegsbeginn 200.000 Menschen teilgenommen. König Mohammed VI. hatte daher gewarnt, der Krieg könne den islamischen Fundamentalismus im Land schüren.

Im vergangenen Jahr wurden in Casablanca drei saudiarabische Staatsbürger festgenommen, weil sie einen El-Kaida-Anschlag auf amerikanische und britische Kriegsschiffe in der Straße von Gibralta organisiert hatten. Sie wurden zu zehnjährigen Haftstrafen verurteilt.

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