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Blutzbrüdaz

In "Blutzbrüdaz" gibt der deutsche Rapper Sido sein Kinodebüt. Leider wirkt die Mischung aus Komödie, Drama und Musikfilm, die ab 29. Dezember in den heimischen Kinos anläuft, oft unfreiwillig komisch und eher aufgesetzt als authentisch. Hier geht's zum Trailer

Zwei Möchtegernmusiker würden gern ihren Traum von der großen Karriere wahr machen, das Talent ist vorhanden, nur am nötigen Kleingeld für ein hochwertiges Demoband fehlt es. Zum Glück für Otis und Eddy geht scheinbar keine Geschichte so leicht von der Hand, wie der Aufstieg vom Gossen-Großmaul zum Chartwunder.

Aber immerhin wollte man auch das “erste absichtlich nicht autobiografische Gangsterrapperkomödiendrama” vorlegen, wie es auf der Webseite zum Film heißt. Mit Regisseur Özgür Yildirim hat man zumindest einen Mann an Bord, der bereits mit seinem Debüt “Chiko” (2008) mit brutalen Szenen den Aufstieg und Fall eines jungen Drogendealers erzählt hat – und sich somit milieutechnisch wohl recht zu Hause fühlen durfte. Allerdings wird die harte Realität bei den “Blutzbrüdaz” des öfteren von einem slapstick-artigen Tenor durchbrochen.

So darf das Gespann Otis (Sido) und Rapperkollege Eddy (B-Tight) von Anfang an in die Vollen gehen, werden U-Bahnfahrten zum gemeinsamen Freestyle genutzt, Fensterscheiben eingetreten und Getränkeautomaten geplündert. Zwischendurch basteln die Beiden an neuen Songs und Beats, können das lokale Szene-Urgestein Fusco (Milton Welsh) von ihren Fähigkeiten überzeugen und landen mit dem im Wohnzimmer zwischen antiquierten Polstern und verstaubten Möbeln aufgenommenen Song “Hol doch die Polizei” einen echten Underground-Hit.

So schnell (und scheinbar zufällig) sich der erste Erfolg eingestellt hat, so schnell steht auch die Musikindustrie Gewehr bei Fuß und stürzt die zwei Freunde in ein Dilemma: die Chance aufs große Geld nutzen oder doch dem Untergrund treubleiben? Einen wasserdichten Vertrag, einige Radio- und Fernsehauftritte sowie einen absurden Videodreh später wurden Otis und Eddy nicht nur mit jedem Klischee des Business konfrontiert, sondern sehen auch ihre Freundschaft vor unüberbrückbare Differenzen gestellt. So tief ging die Blutsbrüderschaft dann scheinbar doch wieder nicht. Dass es am Ende zu einem auch moralisch aufgeladenen Showdown kommt, macht die emotionale Spannbreite des Films dabei nicht zwingend ausgiebiger.

Letztlich sind es hauptsächlich die Musikszenen, in denen Sido und B-Tight zum Mikrofon greifen und über gewohnt eingängige Beats ihre nur selten jugendfreien Reime setzen, die “Blutzbrüdaz” zumindest für Fans der Rapper zum Erlebnis machen. Darstellerisch wirkt dagegen vieles zu hölzern, zu gestellt, um einen durchgängigen Erzählfluss entstehen oder die Charaktere zu mehr als Reißbrettfiguren geraten zu lassen. Die böse Musikindustrie sowie Erfolg per Do-It-Yourself wurden schon konsequenter illustriert, immerhin bleiben aber Häufigkeit und Gestaltung von toughen Gangstern, leichten Mädchen und sinneserweiternden Drogen im verkraftbaren Bereich. Nur das Wörtchen “Alter” schießt mit einer derartigen Frequenz aus den Lautsprechern, dass die Dosis wohl für das ganze kommende Jahr reichen wird.

(apa)

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