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Blue Bird Festival mit Patrick Wolf und How To Dress Well gestartet

Mit einer zutiefst persönlichen, leicht konfusen Performance hat der exzentrische Multiinstrumentalist Patrick Wolf am Donnerstag kurz nach Mitternacht die zehnte Ausgabe des "Blue Bird"-Festivals im Wiener Porgy&Bess eröffnet- und damit sogar den Geist von Amy Winehouse angezogen.
Das Blue BIrd Festival
Joan As Police Woman kommt

Star des Abends war aber How To Dress Well. Als “neuer Shooting-Star einer Szene, die Singer-Songwriter, Soul, R’n’B und Elektronik verbindet” von Klaus Totzler, Gründer der veranstaltenden Vienna Songwriting Association (VSA), vorgestellt, hatte der Amerikaner Tom Krell alias How To Dress Well das Publikum von der ersten Sekunde an in der Hand. Flankiert von drei Mitstreitern an Schlagzeug, Keyboard und Mischpult lieferte der 30-Jährige – nur beleuchtet von einem Beamer, der Visuals im Super-8-Stil auf die Wand hinter ihm projizierte – eine energiegeladene, einnehmende Show ab. Das passend zum Künstlernamen stylishe, souveräne Auftreten brach Krell mit großen Gefühlen, die er weder in Anekdoten noch durch Mark und Bein gehende Songs wie “Set It Right” scheut, das mit Krells Stimme hinter einer dröhnenden Klangmauer startet und schließlich in berührende Nachrichten an seine Liebsten übergeht.

Blue Bird Festival gestartet

Der Vergleich zu James Blake liegt bei der zarten Stimme, der Krell mit einem zweiten Mikrofon oft Widerhall verlieh, und dem eindringlichen Mix aus pulsierenden Beats und ätherischen Synthie-Klängen nahe. Mit Soul- und R’n’B-Elementen und verspielter Bühnenpräsenz scheint das Ganze aber mehrheitsfähiger, auch wenn der Mann aus Chicago bis dato hier noch ein Geheimtipp ist. In Wien, wo er zum ersten Mal gastierte (und sich einen “‘Australia’-Witz nicht verkneifen” konnte), wurde man jedenfalls das Gefühl nicht los, einen zukünftigen Star im intimen Rahmen erlebt zu haben.

Weniger ausgeklügelt und mit dem einen oder anderen akustischen Problem hatte der abwechslungsreiche Abend angefangen. So wurde der melodische Folk der vier Niederländer von I am Oak durch Handy-Funkwellen gestört, auf die die Akustik-Gitarre von Frontmann und Songwriter Thijs Kuijken gar zu empfindlich reagierte. Mit erfrischender Bodenständigkeit und harmonischen Melodien, die die Schwere von Kuijkens einnehmender Stimme aufzuheben verstanden, wurden die Startschwierigkeiten aber gekonnt überspielt.

Wolfgeheul in Wien

Weniger gut gelang das dem aus Bristol stammenden Sprachkünstler Nick Talbot aka Gravenhurst, der einen Großteil seines Sets mit dem Stimmen seiner Gitarren verbrachte und damit zunehmend Unruhe ins Publikum brachte, was sogar Totzler danach zu einer Entschuldigung verleitete. “Man sollte meinen, nach zehn Jahren habe ich Lakaien, die mir Gitarren reichen”, durchbrach der Brite dann doch mal sein Schweigen, um schließlich auch seine “dritte Akustik-Gitarre innerhalb von 48 Stunden” zu ruinieren. Wenn er dann mal mit zerbrechlicher, zarter Stimme sang – unterstützt von zwei Musikerinnen an Schlagzeug und Keyboard bzw. Gitarre – klang das traurig, düster, hypnotisch – und zwischen I am Oak und How To Dress Well leider ein wenig einschläfernd.

Die müden Augen, die zum krönenden Abschluss auf Patrick Wolf gerichtet waren, waren dann vielmehr auf die späte Stunde denn auf den Auftritt des außergewöhnlichen Künstlers aus London zurückzuführen. Mit einem Instrumentarium für eine ganze Band – darunter Piano, Viola, Gitarren und Harfe – bestritt der 31-Jährige sein augenscheinlich improvisiertes Set komplett alleine auf der Bühne. In beeindruckender Multitasking-Manier spielte er immer wieder erst Beats über sein Notebook an, um dann mit Klavier oder elektrischer Viola einzustimmen und den Raum mit seiner unvergleichlichen, zutiefst erotischen Stimme zu erfüllen. Statt neueren, tanzbaren Pop-Nummern wie dem radiotauglichen “The City” brachte das musikalische Wunderkind düsteres Material wie das “für mich am meisten Sinn machende” Stück “Wind in the Wires”, das poetische “Godrevy Point” oder seinen ersten je geschriebenen Song auf Gitarre, das im Rhythmus eines fahrenden Zuges komponierte “Gypsy King”, dar.

Ausverkaufte “Blue Bird”-Tage

Mit neuerdings kahlrasiertem Kopf und hohen Springerstiefeln auch äußerlich irritierend, brach Wolf Songs immer wieder ab, schüttete dem Publikum sein Herz aus, sprach über vergangene Acid-Trips, verständnislose Plattenbosse, und Verwandlungen, die er nach Mitternacht anzunehmen scheine. Beeinflussung durch gewisse Substanzen könne man ihm nicht vorwerfen, “ich trinke nur noch halb so viel wie früher”, habe er beim Schreiben doch festgestellt, dass “Wahrheit bizarrer als Fiktion und mein nüchterner Zustand verrückter als der betrunkene” ist. Als dann der Fender-Verstärker just während “Bitten”, Wolfs Lied für Amy Winehouse, umfiel und rauschende, gar übernatürliche Geräusche von sich gab, glaubte man sich endgültig auf einem anderen Planeten zu befinden. “Hallo, Amy”, sagte Wolf darauf nur – den Geist seiner verstorbenen Musikerkollegin grüßend.

Mit einer Schlaflied-Version von “Armistice” an der keltischen Harfe entließ Wolf sein seliges Publikum um 1.30 Uhr dann doch noch in die Nacht und setzte einen harmonischen Schlusspunkt eines vielschichtigen, unvergesslichen Abends, der Lust auf die kommenden zwei, bereits ausverkauften “Blue Bird”-Tage macht. Für heute, Freitag, und morgen haben sich u.a. I am Kloot-Sänger John Bramwell, Dry the River und das österreichische Quartett Fräulein Hona angesagt. Für Joan As Police Woman aka Joan Wasser, die ihre Tournee und so auch ihren Auftritt im Porgy&Bess wegen familiärer Gründe abgesagt hat, springt die US-Soulsängerin Elle King ein.

Blue Bird Festival
20. bis 22. November 2014
Porgy&Bess
Riemergasse 11, 1010 Wien
Festivalpässe gibt es bei Jugendinfo, Telefon 01/4000-84100, Babenbergerstraße 1/Ecke Burgring, 1010 Wien, im Porgy & Bess, bei Ö-Ticket, Telefon 01/96096 und bei Wien-Ticket.

(APA)

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