Blonde Hocker und Sitzschinken: Aktuelles Design im Wien Museum

©Wien Museum / Christian Maricic
Eine Schau im Wien Museum zeigt zeitgenössisches Design aus der Stadt. Neben "ernstem" Interieur für internationale Unternehmen finden sich etwa auch behaarte Barhocker, mottenumschwirrte Lampen und ein Sitzschinken.

Die insgesamt acht vertretenen Studios sollen – über die derzeit laufende Vienna Design Week hinaus – die heimische Breite in den vergangenen zehn Jahren repräsentieren, umriss Museumsdirektor Wolfgang Kos am Mittwoch in einer Pressekonferenz das Konzept.

Mobile Küchen von Bulthaup
Als sicherlich eine der bekanntesten Werkstätten Österreichs ist EOOS in der Schau “2000 – 2010. Design in Wien” vertreten, die ab dem morgigen Donnerstag und bis zum 9. Jänner 2011 zu sehen ist. Präsentiert wird nicht nur das mobile Küchensystem “B2” – ein Konzept für Bulthaup, mit dem das Büro vor zwei Jahren Aufsehen erregte -, sondern auch die Arbeit “Together”, welche das ländlich-traditionelle Modell der Eckbank in eine schlicht-lederne Gegenwartsform übersetzt.

“Klassiker von morgen” zu sehen
Von Soda Designers wiederum wird die Klappsessel-Leder-Kombination “Lester” gezeigt – ein Entwurf für den traditionellen Möbelhersteller Wittmann. Von Marco Dessi wird beispielsweise ein Service für Augarten Porzellan, von Polka das Glasensemble “Wiener gemischter Satz” für Lobmeyr ausgestellt. “Da sind einige Klassiker von morgen zu sehen”, war sich Kos heute “ganz sicher”. Es gehe keinesfalls darum, Wien zum “Design-Mekka” auszurufen, ergänzte Co-Kuratorin Tulga Beyerle. Es habe sich jedoch im vergangenen Jahrzehnt eine Szene entwickelt, die den internationalen Vergleich nicht scheuen müsse. Design als eigenständige Disziplin habe sich erst in den 1990ern etabliert und sei zuvor von Künstlern oder Architekten abgedeckt worden.

Blonde Hocker und Sitzschinken
Neben klassischen Auftragsarbeiten können sich Besucher weiters an experimentellen, teils durchaus humorvollen Eigenproduktionen erfreuen. Mit blondem oder schwarzem Pferdehaar ausgestattete Hocker oder der – an einen Riesenschinken gemahnenden – Sitzgelegenheit “FAT”, die an einem Fleischerhaken hängt, sorgt etwa Dejana Kabiljo für Aufmerksamkeit. Das Duo Walking-Chair wiederum hat ein knallrotes Möbel für den öffentlichen Raum vor den Museumseingang positioniert. Aus der Fülle an Leuchtkörpern ragt die “Limited Moths”-Lampe von mischer’traxler heraus. Dabei wird eine nackte Glühbirne von überdimensionalen Kupfermotten umschwirrt.

Eigenes Kapitel für Industriedesign
Mit Fotos, welche die Designer bei der Arbeit zeigen und Einblicke in die Produktionsabläufe gewähren, will man auch “kreativpsychologische Interna” offenlegen, erklärte Kos. Dem Industriedesign ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Hier sollen die kreativen Köpfe hinter allseits bekannten Alltagsgegenständen bzw. -maschinen – von Mineralwasserflaschen über Skischuhe bis hin zum ÖBB-Railjet – sichtbar gemacht werden. Initiativen wie dem Ausstellungscafe “das möbel”, der Förderagentur departure oder dem Forum Mozartplatz wird ebenfalls Platz eingeräumt. Begleitend zur Ausstellung ist ein 20 Euro teurer Katalog erschienen.

“2000 – 2010. Design in Wien”
ab Donnerstag, und bis zum 9. Jänner 2011
im Wien Museum am Karlsplatz
Web: http://www.wienmuseum.at

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