Black Lions verpassen Sensation gegen Danube Dragons haarscharf

DJ Hernandez (Lions) war von den Dragons kaum zu stoppen
DJ Hernandez (Lions) war von den Dragons kaum zu stoppen ©expa/Haumer
In einem bis zur letzten Sekunde packenden Wildcard-Spiel setzten sich die Danube Dragons in Korneuburg gegen die Carinthian Black Lions knapp mit 41:35 durch.
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AFL-Wildcardwochenende vor den Toren Wiens: Im Rattenfängerstadion zu Korneuburg empfingen die Danube Dragons die Carinthian Black Lions um den Gegner der Graz Giants (im Semifinale) zu ermitteln. Bei teilweise strömendem Regen boten beide Mannschaften großartigen Footballsport.

Black Lions überraschen Dragons zu Beginn
Im ersten Drive des Spiels bewiesen die Black Lions eindrucksvoll ihre Qualitäten. Gestützt auf einen äußerst mobilen Quarterback DJ Hernandez marschierten die Kärntner über das Spielfeld. Die Auswahl der Spielzüge war jedoch vorhersehbar. Der Erfolg des Systems der Kärntner ist stark an die Person ihres Spielmachers gebunden. Im ersten Viertel fanden die Dragons kein wirkliches Rezept gegen die Läufe des Kärntner Spielmachers. Die Verteidigung der Drachen wirkte beeindruckt und der Angriff fehlerhaft – Runningback Andrej Kliman unterlief ein Fumble in ausgezeichneter Feldposition. So war es keine Überraschung, dass die ersten Punkte des Spiels an die Gäste aus Kärnten gingen: Quarterback Hernandez fand Wide Receiver Pico Rabitsch in der Endzone. Mit dem überraschenden Zwischenstand von 0:6 (Extrapunkt verschossen) wurden zum ersten Mal die Seiten gewechselt.

Spektakuläre Antwort der Dragons
Auf dem schlammigen Terrain des Rattenfängerstadions schien sich eine Sensation anzubahnen. Die Black Lions hatten die Möglichkeit ihre Führung auf 13 Punkte Unterschied ausbauen. Doch mit zwei Sacks (Anm.: Quarterback wird hinter der Anspiellinie zu Boden gebracht) erzwangen die Drachen einen vierten Versuch und kamen wieder in Ballbesitz. Den die Dragons rasch in ihre ersten Punkte verwandelten: Trotz des strömenden Regens probierten die Drachen einen langen Pass und wurden für das Risiko belohnt. Quarterback Ryan Rufener bediente Joey Stein mit einem herrlichen Pass und brachte die Dragons erstmalig in Führung.

Unterhaltsames Spiel fasziniert Zuschauer
Die Zuschauer in Korneuburg bekamen klassischen Playoff-Football zu sehen. Unterhaltsam, spektakulär, mit ausgezeichneten Einzelleistungen auf beiden Seiten. Auf der einen Seite war Wide Receiver Joey Stein auf beiden Seiten des Balls sprichwörtlich immer und überall zu finden. Kein Spielzug, an dem der Amerikaner nicht beteiligt war. Auf Seiten der Kärntner überragte der Spielmacher DJ Hernandez. Er war der virtuoseste Spieler auf dem Feld und narrte die Verteidigung der Dragons schier nach Belieben. Nach einigen spektakulären Läufen (wobei er einmal sogar einen Verteidiger in Hürdenläufer-Manier übersprang) bediente er erneut Eigenbauspieler Pico Rabitsch mit einem schönen Pass in der Endzone. Nicht weniger spektakulär war die Antwort der Dragons. Erneut schlug das Tandem Rufener/Stein zu. Diesmal von der Mittellinie. Einige Körpertäuschungen später war der Amerikaner zum 20. Mal in dieser Saison in der Endzone. Mit 14:14 gingen beide Teams in die Halbzeitpause.

Halbzeit zwei entwickelt sich zum Fight
Die Black Lions reisten mit nur 19 Spielern nach Korneuburg an. Wer in der zweiten Halbzeit einen Einbruch der Gäste erwartete wurde eines Besseren belehrt. Die Kärntner kämpften beherzt weiter und machten dem Favoriten das Leben schwieriger als erwartet. Das Spiel war ein Fight um jeden Zentimeter.
Auch in der zweiten Halbzeit duellierten sich Joey Stein und DJ Hernandez um die sportlichen Schlagzeilen. In beinahe jedem Spielzug zeigte einer der beiden eine Aktion, die Platz auf jeder Saisonhighlight-DVD finden könnte. Dank dieser beiden außergewöhnlichen Leistungsträger entwickelte sich das Spiel zu einem Klassiker.

Dragons immer in Führung – Lions geben nicht auf
Der reine Blick auf die Statistiken der zweiten Halbzeit lässt die Dramatik erahnen. Die Danube Dragons waren immer in Führung. Jedoch blieben die Black Lions immer in Schlagdistanz und waren mehr als nur ebenbürtig.

Für die Danube Dragons erzielten Runningback Andrej Kliman (zwei Touchdowns), Wide Receiver Joey Stein und QB Rufener (jeweils einen Touchdown) die Punkte. Auf der Gegenseite war der alles überragende DJ Hernandez (zwei Touchdowns – unter anderem mit einem herrlichen Kickoff-Return Touchdown!) und Importspieler Ryan McGuire für die Punkte verantwortlich. Mit dem Spielstand von 41:35 war die Bühne für die wohl dramatischsten Schlusssekunden in der jüngeren Footballgeschichte des Landes bereit.

Black Lions scheitern um wenige Zentimeter
Kaum einen Zuschauer hielt es auf Sitzplatz. Was in den letzten Sekunden des Spiels geboten wurde, kann nur mit zwei Worten beschrieben werden: Purer Wahnsinn!
Nach einem gewonnenen Onside-Kick kamen die Black Lions nochmals in Ballbesitz. In den letzten 100 Sekunden des Spiels marschierten die Black Lions nochmals über das Spielfeld. Weniger als 20 Sekunden waren noch zu spielen, als die Kärntner unmittelbar vor der Endzone der Drachen standen. Nur wenige Yards trennten die Kärntner vor der großen Sensation und dem Einzug in das AFL-Semifinale.

Im vermutlich letzten Spielzug dieses Thrillers stoppte die Dragons-Verteidigung Lions-Quarterback Hernandez unmittelbar vor der Endzone. Der Spielmacher der Kärntner wurde wenige Zentimeter vor der Endzone zu Boden gebracht. Die Stadionuhr war ausgelaufen. Die Danube Dragons wähnten sich bereits als Sieger. Doch die Schiedsrichter entschieden (korrekterweise), die Spieluhr auf eine Sekunde zurückstellen zu lassen. Im letzten Spielzug des Spieles schlug die Verteidigung der Dragons erneut zu und stoppte den Gegner unmittelbar vor der eigenen Endzone. Es blieb beim 41:35 in einem außergewöhnlichen Spiel!

„Das war Werbung für den Footballsport“
Verbandspräsident Michael Eschlböck brachte es nach dem Spiel treffend auf den Punkt. „Das war Werbung für den Footballsport in Österreich“. Treffende Worte! Dieses Spiel hatte alles, was großer Sport benötigt. Zwei großartige Mannschaften, sensationelle Einzelleistungen und sportliche Helden. Wie im Sport üblich gab es aber leider auch einen Verlierer. Für die Black Lions war diese Niederlage sehr hart. Sie zeigte aber, dass in Kärnten durchaus ein Team entsteht, das in naher Zukunft die Teams an der AFL Spitze mehr als nur ärgern kann. Hinter den Kulissen arbeiten die Black Lions sehr hart an der Teamorganisation. In der Saison 2009 war von dieser Arbeit bereits sehr viel zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass die Kärntner diesen Weg weitergehen können.

Ivan Zivko (Dragons): “Wow! Was für ein Spiel! Ich habe einen Wunsch ans Christkind: Nächstes Jahr vielleicht auch ein paar Spiele wo es einfacher ist. Als Coach wird man in solchen Spielen etwas „älter“ (lächelt). Zuerst ein großes Kompliment an die Black Lions! Sie haben uns alles abverlangt. Das Duo Hernandez – McGuire ist sensationell und kaum zu verteidigen. Bei uns im Angriff war mit den beiden Fumbles nicht alles so perfekt wie es aussieht. Nächte Woche geht es nach Graz und für dieses Spiel haben die Vorbereitungen bei mir schon begonnen.”

Ryan Rufener (Dragons): “Es war der Wahnsinn heute. Das Spiel war wie eine Achterbahnfahrt. Einmal waren wir oben , dann wieder unten.”

Joey Stein (Dragons): “Das Spiel war Wahnsinn! Großes Kompliment an die Black Lions sie haben uns einen außergewöhnlichen Kampf geliefert. Jetzt fahren wir nächste Woche nach Graz. Gegen die Giants im Semifinale ist alles möglich!”

DJ Hernandez (Black Lions): “Kompliment an meine Mannschaft. Wir haben gekämpft wie es für Löwen gehört. Wir waren sehr nahe an der Topsensation. Am Ende hat es knapp nicht gereicht. Ich bin sehr stolz auf die Jungs, denn seit ich da bin hat sich jeder gesteigert.”

Peter Petek (Black Lions): “Sehr bitter, so zu verlieren. Aber es waren auch einige sehr strittige Schiedsrichterentscheidungen dabei, die aus meiner Sicht unkorrekt waren.”

Danube Dragons vs. Carinthian Black Lions 41:35 (14:14)
Korneuburg, Rattenfänger Stadion, 1.500 Zuschauer
Touchdowns: Stein (3), Kliman (2), Rufener bzw. Rabitsch (2), Hernandez (2), McGuire

Thomas Muck
In Kooperation mit sportreport.at
 

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