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Black Brown White

Lakonischer Roadmovie: Bilder stiller Poesie kontrastieren zur harten Gesellschaftskritik in Erwin Wagenhofers erstem Spielfilm - Kinostart am 18. Februar.
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Ein europäisches Roadmovie aus Österreich: Dokumentarfilmer Erwin Wagenhofer (“Let’s make money”) hat mit “Black Brown White” seinen ersten Spielfilm gedreht, bleibt seinem bisherigen Oeuvre thematisch allerdings treu. Es geht um die Festung Europa, die sich vor den Flüchtlingen aus Afrika abschottet, und um diejenigen, die mit dem Elend anderer Geschäfte machen. Wagenhofer hat dabei die Geschichte eines Truckers, der illegal Flüchtlinge transportiert, gemeinsam mit Kameramann Martin Gschlacht (“Lourdes”, “Revanche”) in weite Bilder voller stiller Poesie und Nüchternheit transponiert. Starttermin in den heimischen Kinos ist der 18. Februar.

Trucker Don Pedro, gespielt von einem zuverlässig lakonischen Fritz Karl, fährt ukrainischen Knoblauch nach Marokko, wo dieser veredelt und mit dem Herkunftsaufdruck “Spanien” versehen wird. Auf der Rückfahrt nimmt er routinemäßig Flüchtlinge in einem geheimen Laderaum mit, um sie gegen Geld nach Europa zu transportieren. Als sich die junge Jackie (Clare-Hope Ashitey) mit ihrem Sohn jedoch weigert, in das Versteck zu kriechen, muss Pedro improvisieren. Verfolgt von der Polizei, teils mit unfreiwilliger Hilfe eines deutschen Arztes (Wotan Wilke Möhring), gerät die sichere Routine des maulfaulen Fernfahrers ins Wanken, und er öffnet sich seinen Mitmenschen.

Zart ist die Annäherung der Protagonisten, die Entwicklungen erfolgen im Zuge der Fahrt, des Sich-Fortbewegens, keinesfalls sprunghaft. Der Blick Wagenhofers – zumindest auf seine Figuren – bleibt stets differenziert. Zwar ist Don Pedro Schlepper, der sich primär für seinen Verdienst zu interessieren scheint, jedoch versteckt sich in der harten Truckerbrust auch ein Herz. “Gefühle? Muss ich mir Sorgen machen?”, fragt sein Partner Jimmy (Karl Markovics in einem etwas größeren Cameo-Auftritt) erschreckt den einst kernigen Trucker – und er liegt aus seiner Sicht nicht falsch. Pedro wird weicher. Auch Flüchtling Jackie ist eine starke Persönlichkeit, deren Resolutheit sich jedoch zugleich aus Angst speist. Die illegalen Migranten im Laderaum bleiben hingegen vollkommen gesichtslos, sind lediglich durch ihre Laute zu vernehmen, stehen Pars pro Toto für eine unwürdige Situation, nicht für Einzelschicksale.

So sehr “Black Brown White” bei den Protagonisten Schwarz-Weiß-Malerei meidet, so wenig kann Wagenhofer beim Sujet einen didaktischen Ansatz verhehlen. Sein Film erinnert frappant an die dokumentarischen Arbeiten “Let’s make money” und “We feed the world”, mit denen sich der Regisseur bereits dem Verhältnis des reichen Nordens und des armen Südens annahm. So spielt “Black Brown White” teils in den gleichen ausgestorbenen Investorenbauruinen und schier endlosen Plastikgewächshäusern Spaniens.

Und hier offenbart das Spielfilmdebüt seine einzige Schwäche, wenn die Intentionen des Regisseurs allzu belehrend in die Diktion der Figuren einfließen. Da wird die leerstehende Wohnanlage nicht einfach bezogen, sondern der verwirrten Neu-Europäerin das Spekulantenwesen erklärt oder das fehlgeleitete, fettabsaugende Schönheitsideal europäischer Frauen erläutert. Die Szenen stören dabei weniger ob einer defätistischen Gesellschaftssicht, die sich schließlich nahtlos in den Gesamtplot einfügt, sondern dank einer allzu gestelzten Kommunikation der Protagonisten, die vom sonstigen lakonisch-authentischen Tonfall abweicht. “Was nicht mit Geld geht, geht mit viel Geld”, so das zynische Resümee Don Pedros.

www.blackbrownwhite.com

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