Biutiful

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Unvollkommen schön: Javier Bardem in Alejandro Gonzales Inarritus "Biutiful". Der Regisseur von "Babel" schuf ein unsentimentales, lang nachwirkendes Porträt eines todkranken Kleinkriminellen. Ab 27. Mai im Kino.
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Die einsame Suche nach Schönheit und Vergebung im Angesicht des Todes beherrscht Alejandro Gonzalez Inarritus neuesten Film “Biutiful“. Mit Javier Bardem als zum Tod geweihter und vom Schicksal verschmähter Kleinkrimineller in der Unterwelt Barcelonas gelingt dem mexikanischen Regisseur nach “Amores perros”, “21 Gramm” und “Babel” sein bisher eindrücklichstes Werk. Für seine offenbarende und außergewöhnliche Darstellung des todkranken Uxbal wurde Bardem in Cannes ausgezeichnet und für einen Oscar nominiert. Ab Freitag ist der poetische und zugleich unsentimentale, bedrückende Streifen (27.5.) im Kino zu sehen.

Uxbal lebt nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Im Immigrantenviertel Barcelonas schlägt er sich als Kleinganove durch, besticht Polizisten für senegalesische Straßenhändler und vermittelt chinesische Schwarzarbeiter. Im ständigen Kampf, sich und seine zwei Kinder Ana und Mateo über Wasser zu halten, schiebt er die eigene Gesundheit beiseite – und erhält schließlich die Diagnose Prostatakrebs im Endstadium. Er hatte zu lange gewartet, ist nie zum Arzt gegangen. Der Endlichkeit seiner Zeit bewusst, versucht er in den letzten Wochen seines Lebens, Ordnung zu schaffen und lässt auch seine alkoholkranke, manisch depressive Ex-Frau wieder in sein Leben. Manche seiner Vorhaben scheitern aber auch kläglich und nehmen tragische Ausmaße an.

“Papa, wie schreibt man ‘beautiful’?”, fragt Ana ihren Vater bei ihren Englisch-Hausaufgaben. “So wie man es ausspricht”, entgegnet er ihr. Das dem Film seinen Namen gebende “biutiful” ist die unvollkommene, vergängliche Schönheit, die Uxbal sowohl in seinem Leben als auch der Zuseher in dem harten, teils verstörenden Film entdeckt. In den Momenten der Erniedrigung, in denen Uxbal sich bei der Überwältigung durch Polizisten in die Hose macht oder eine Windel trägt, fährt der spanische Charakterdarsteller Bardem zur Höchstleistung auf. Sein markantes Gesicht, seine in die Leere starrenden Augen sind den ganzen Film hindurch in zahlreichen Großaufnahmen zu sehen.

Hat Inarritu bisher mehrere tragische Einzelschicksale zu einem Film verwoben, kehrt er in “Biutiful” immer wieder zu Uxbal zurück und lässt erstmals eine ausführliche Studie eines Menschen und seines so vielen Veränderungen ausgesetzten Lebens zu. Nur kurz streifen wir in fast schon dokumentarisch anmutenden Szenen die ungewöhnliche Liebe zwischen zwei chinesischen Ausbeutern sowie einer jungen senegalesischen Mutter, deren Mann kurz vor der Abschiebung steht. Der neue filmische Weg wird ohne Inarritus “Stamm-Drehbuchautor” Guillermo Arriaga begangen – und er funktioniert: Nie war Inarritus Handschrift so deutlich, nie so einprägsam und so lange nachwirkend wie in dem von ihm mitverfassten “Biutiful“. Dies ist auch den erneut eindrücklichen Bildern von Kameramann Rodrigo Prieto und dem spärlich eingesetzten Soundtrack von Gustavo Santaolalla zu verdanken.

Inmitten beeindruckender Bilder lebt “Biutiful” von Bardems eindringlichem, Grenzen überschreitendem Spiel – aber auch von den vielen, kleinen, unvorhersehbaren Momenten zwischen Surrealität, Poesie, Tragik und Brillanz. So beginnt und endet der Film mit einer herausragenden, einem Traum ähnelnden Szene zwischen Uxbal und dessen verstorbenem Vater in einem verschneiten Wald. Mit Uxbals Gabe, Tote zu sehen und mit ihnen zu sprechen – was ihm nebenbei Geld auf Beerdigungen einbringt – widmet sich der Film auch dem Übersinnlichen, ohne pathetisch oder kitschig zu werden. Als “magischen Naturalismus” hat ein Kritiker den Film bezeichnet – und so steckt in Inarritus so gar nicht schönen, schmutzigen, einsamen Bildern der Menschen und den düsteren Seiten Barcelonas doch Magie und Poesie. (Angelika Prawda/APA)

www.biutiful-derfilm.de

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