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"Bitte befreie mich von diesem Mann!"

&copy APA: Prozess um Mordfall auf der Donauinsel
&copy APA: Prozess um Mordfall auf der Donauinsel
Der Fall des vergangenen Herbst ermordeten 77-jährigen "Familientyranns" wird nun vor dem Straflandesgericht verhandelt. Der Freund der Tochter hatte auf Wunsch der Mutter und seiner Freundin den Familienvater auf der Donauinsel getötet.

„Ich habe den Mord begangen, weil ich das Mädchen liebe, die Mutter mich bedrängt hat und ich Geld bekommen habe“, lautete die Erklärung von Süleyman A., nachdem er am 23. Oktober 2004 den Vater seiner Freundin mit zehn Messerstichen getötet hatte. „Er war nicht gut“, sagte der 18-jährige Pizza-Zusteller am Mittwoch im Straflandesgericht. Seyit A. (77) soll die Familie nicht nur tyrannisiert, sondern seine Tochter auch sexuell missbraucht haben. Daher wurde beschlossen, den angeblich unerträglichen Familienvater zu beseitigen.

Döndü A. (60) hatte den strenggläubigen Moslem 1984 geheiratet und war mit ihm nach Österreich gezogen. Er verbat ihr, Deutsch zu lernen, angeblich ließ er sie auch kaum aus dem Haus. Obwohl er zuletzt schon recht gebrechlich war, soll er sie gedemütigt, beschimpft, mit dem Gehstock verprügelt haben. Zwei Mal flüchtete die Frau mit ihrer zwölfjährigen Tochter ins Frauenhaus.

Mutter bettelte um Hilfe

Deren Freund bekam die häusliche Gewalt mit. Die Mutter bettelte ihn um Hilfe an: „Bitte, befreie mich von diesem Mann!“ Schon seit längerem hatte sie dem 77-Jährigen Schlaftabletten ins Abendessen gemischt, weil sie hoffte, dass er damit ruhiger werde. Als sie erfuhr, dass Seyit A. angeblich seiner eigenen Tochter zu nahe gekommen war, begann Döndü A. Pläne zu schmieden, ihn aus der Welt zu schaffen. „Entweder bringe ich mich um oder er muss sterben“, erläuterte sie ihre Gedanken dem Schwurgericht (Vorsitz: Christa Schroll), vor dem sie sich nun wegen Anstiftung zum Mord verantworten musste.

Denn nachdem sie dem Freund ihrer Tochter 800 Euro übergeben und zudem versprochen hatte, er könne nach dem Mord bei ihnen einziehen, hatte Süleyman A. den greisen Mann auf die Donauinsel gelockt, indem er ihm vormachte, er wolle ihn seinem Vater vorstellen. Unweit des so genannten Schulschiffs zückte der Bursch dann ein Butterfly-Messer und nahm dem 77-Jährigen das Leben. „Es ist vollbracht“, meldete der 18-Jährige Mutter und Tochter telefonisch nach vollbrachter Tat.

Vor Gericht beschönigte er den ihm zur Last gelegten Mord keineswegs. Er habe dem Mädchen „einen Gefallen tun wollen“. Döndü A. hatte vor dem U-Richter erklärt, sie sei nun „innerlich zufrieden“ und fühle sich „sehr wohl, weil ich mich von meinem Mann befreien konnte.“ In der Verhandlung bestätigte sie das, räumte aber ein, das Verbrechen zu bereuen. „Aber nur Allah weiß, was ich mitgemacht habe. Es ist mir bis hierher gestanden“, sagte die Frau und fuhr mit der rechten Hand Richtung Hals.

Die inzwischen 13 Jahre alte Tochter kann nicht zur Verantwortung gezogen werden, obwohl sie in das Verbrechen laut Anklage voll eingeweiht war. Sie ist noch strafunmündig.

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