Bilanz: Das war die Viennale 2004

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Über zehn Prozent Besucherzuwachs dürfen sich die Veranstalter des heurigen Filmfestivals in Wien freuen. Insgesamt 81.600 ZuschauerInnen besuchten Filme der Viennale. Erstmals waren heuer die Dokumentationen stärker ausgelastet als die Spielfilme.

Über einen Besucherzuwachs von fast zehn Prozent darf sich die Viennale freuen. Insgesamt 81.600 ZuschauerInnen besuchten das diesjährige Wiener Filmfestival, das sind 6.400 mehr als im Vorjahr. Die Gesamtauslastung betrug 76,80 Prozent (2003: 74,16 Prozent). Erstmals waren heuer die Dokumentationen stärker ausgelastet als die Spielfilme – eine Bestätigung für die wichtige Rolle, die das Festival traditionell diesem Genre einräumt und „eine Ermutigung, mehr für die Doku im Kino zu machen“, so Viennale-Leiter Hans Hurch auf der Abschlusspressekonferenz am Mittwoch, dem offiziell letzten Festivaltag.

So sorgte heuer eine Reihe von Dokumentarfilmen sogar im großen Gartenbaukino für ausverkaufte Vorstellungen, darunter der berührende Streifen „Hakoah Lischot“ über die ehemalige Schwimmerinnen-Staffel des Wiener Jüdischen Sportklubs. Der Film sollte eigentlich im Rahmen der Berlinale seine Premiere haben, doch der Regisseur Yaron Zilberman hielt Wien für den passenderen Ort. Große Beachtung fanden weiters die teilweise ausverkauften Kurzfilmprogramme sowie die Tributes an den Filmvermittler Amos Vogel und an Hollywoodstar Lauren Bacall, deren persönliche Anwesenheit bei der Galavorführung ihres Klassikers „The Big Sleep“ zu den Höhepunkten des Festivals zählte. Die Jean-Marie Straub und Daniele Huillet gewidmete große Retrospektive im Filmarchiv werden nach zögerlichem Anlaufen ebenfalls über 5.000 BesucherInnen gesehen haben.

Bilanz des Veranstalter

Gut vom Publikum angenommen wurde angeblich auch die Abschaffung der Karten-Reservierungsmöglichkeit, verbessert werden soll indes der Internetverkauf. Für nächstes Jahr wünscht Hurch sich zudem ein zusätzliches Kino als weiteren Veranstaltungsort und die Sanierung der Heizung und Entlüftung im Gartenbau. Am leichtesten umsetzen lässt sich wohl der Wunsch von Lauren Bacall: „Sie fand, dass ich bei der Gala im Gartenbaukino deutlich underdressed war“, so Hurch.

Kritik wurde im Rahmen der Pressekonferenz weiter an diversen Programmierungsengpässen geäußert, die sich laut Hurch aber nicht vermeiden ließen: „Die Gabe der Bilokation, also der gleichzeitigen Anwesenheit an zwei verschiedenen Orten, kann in der katholischen Kirche zur Heiligsprechung führen. Aber ein Festival ist wie das Leben – eine Auswahl.“ Hurch verteidigte auch, dass die Viennale weitgehend ohne auswärtig kuratierte Schienen auskommt. „Ein Festival ist nicht eine Frage von Demokratie, sondern von Entscheidungen. Außerdem kommt Kuratieren von Curare, also Heilen, und ich halte das Festival nicht für krank.“

Heftig wurde der Viennale-Leiter bei der Kritik, der im Lauf des Festivals mehrfach von ihm verwendete Begriff „schädliche Filme“ (ein Zitat von Jean Marie Straub, Anm.) wecke faschistoide Assoziationen. „Ich bin Anhänger einer linksgerichteten Wirkungsästhetik“, so Hurch, „Ich glaube nun einmal, dass Kino eine Auswirkung auf die Seele der Menschen hat. Deshalb halte ich zum Beispiel den Umgang mancher Filme mit Gewalt für verwerflich.“

Im Rahmen der Abschlussgala werden heute Abend noch der Wiener Filmpreis (an „Darwin’s Nightmare“ von Hubert Sauper), der Fipresci-Preis (an „Down to the Bone“ von Debra Granik und „Los Muertos“ von Lisandro Alonso) sowie der Preis der Standard-Leserjury (ebenfalls an „Los Muertos“) vergeben, als Abschlussfilm wird Michael Mayers „A Home at the End of the World“ gezeigt.

Der morgige „Bonus Track“ bietet dann von 6 Uhr früh bis 4 Uhr am Morgen des 29.10. noch einmal die erfolgreichsten Festivalbeiträge sowie drei zusätzliche Filme, u.a. die Doku „How Arnold Won the West“ von Alex Cooke über den Wahlkampf von Arnold Schwarzenegger. Außerdem findet um 20 Uhr im Viennale-Zentrum in der Urania noch eine Diskussion zu den aktuellen US-Wahlen statt. Unter dem Motto „America is hard to see“ diskutieren die Filmemacherinnen Alex Cooke und Debra Granik („Down to the Bone“) sowie der für seinen scharfen Witz bekannte Viennale-Präsident Eric Pleskow.

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