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Bewusstsein für Bodenverbrauch gering trotz großem Umweltproblem und Gesundheitsgefahr

Die Bodenversiegelung stellt sowohl ein gesundheitliches als auch ein Umweltproblem dar.
Die Bodenversiegelung stellt sowohl ein gesundheitliches als auch ein Umweltproblem dar. ©Pixabay.com (Sujet)
Obwohl es eines der großen Umweltprobleme in Österreich ist und auch unsere Gesundheit gefährden kann, ist das Bewusstsein dafür gering: Der Bodenverbrauch. Der "Boden" ist mehr als die Fläche, auf der wir stehen: "Diese Thematik ist in der Gesellschaft noch komplett unterbelichtet", so Umweltmediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien am Montag bei einer Pressekonferenz des WWF.

Im Auftrag der Umweltschutzorganisation hat Hutter einen Bericht zu den steigenden negativen Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensqualität der Menschen vorgelegt: Laut seiner umweltmedizinischen Analyse führt die Versiegelung und Verbauung zu mehr Hitzeinseln, Lärm, höherer Feinstaubkonzentration und Luftverschmutzung, zudem werden die Auswirkungen von Naturgefahren wie Überschwemmungen drastischer. Bei der Präsentation konzentrierte sich der Umweltmediziner auf die drei "großen Themen" Hochwasser, Hitze und Lärm.

Die drei "großen Themen" der Bodenversiegelung

Die "thermische Unbehaglichkeit" in den Städten ist durch zunehmende Verbauung und infolge des Klimawandels zu einem ebenso zunehmenden medizinischen Problem geworden, denn Hitzetage und Tropennächte belasten den menschlichen Organismus bis hin zum vorzeitigen Ableben. Doch Straßenschluchten mit ihrem völlig reduzierten Luftaustausch sind nicht erst im Todesfall ein Manko, "es ist der Verlust von Lebensqualität und Leistungsqualität", die jeden betreffe, hob der Public-Health-Experte hervor. Jedoch könne hier leicht Abhilfe geschaffen werden, doch es brauche ein Bewusstsein hierfür - und keine 0815-Lösungen in der Stadterweiterung und im Falle bereits verbauter Flächen brauche Rückgewinnung an freiliegenden Böden.

Der ländliche Bereich bleibt aber ebenso wenig verschont, womit Thema zwei "Hochwasser" gemeint ist: Die Ursachen liegen laut WWF-Programmleiterin Hanna Simons darin, dass man Flüsse verbaut und Siedlungen in ihre Nähe "hingestellt" habe. Die Hochwassergefahren, die ebenfalls durch die klimawandelbedingten Zunahmen heftiger Niederschläge steigen, haben daher durch den Bodenverbrauch noch drastischere Folgen. "Entweder kann man weiter verbauen, aber man auch dem Fluss seinen Platz lassen", erläuterte Simons die Optionen. Hutter warnte, dass natürlich auch Altlasten mitüberschwemmt werden, wodurch einst im Boden entsorgte Schadstoffe wieder ihren Weg an die Oberfläche finden.

Auch der dritte Punkt "Lärm" befinde sich weiter im Aufschwung, auch wegen der Coronapandemie, erläuterte Hutter unter Hinblick auf die Schanigärten, die heuer eine längere Saison haben. Doch vor allem die vermehrten psychosozialen Folgen von übermäßiger Lärmbelastung durch Straßenverkehr müssen endlich ernst genommen und viel stärker beachtet werden", so Hutter. Stress, Unsicherheit sowie die Minderung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit seien Folgen. Auch hier, wie bei der Hitze, liegt die Lösung parat in Form von Wiederbegrünung. WWW-Leiterin Simons wies ebenfalls auf Corona hin, denn "wir haben in vergangenen Monaten gelernt, was Stille wert ist." - Der Mensch brauche die Natur etwa zur Erholung, und es werde vergessen, dass die Natur auch ein "Dienstleister" ist, der diese Dienste kostenfrei anbiete, etwa im Bereich Ernährung.

Der Boden als Grundlage des Lebens

Was die Dienste des Bodens betrifft, so " kann man die physikalischen und mikrobiologischen Eigenschaften nur erahnen", erläuterte Hutter den Umstand, dass das Wissen um den Boden und damit um das organische Erdreich noch nicht zur Gänze erschlossen wurde. Eines sei aber klar: "Aus medizinischer Sicht ist der Boden die Grundlage des Lebens - und erst in den 70ern-Jahren wurde langsam klar, dass er unwiederbringlich ist", stellte der Public-Health-Experte fest. Doch der Bodenverbrauch durch Flächenfraß und Verbauung geht munter voran, und im EU-Vergleich ist Österreich geradezu führend in der Zerstörung dieser Lebensgrundlage, 13 Hektar pro Tag werden im Schnitt täglich zubetoniert oder anderwärtig denaturalisiert.

Eigentlich hätte laut der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes der tägliche Bodenverbrauch aber schon bis 2010 auf maximal 2,5 Hektar gesenkt werden sollen. Der WWF Österreich fordert daher Bund, Länder und Gemeinden auf, ein Maßnahmenpaket zu vereinbaren, das den Bodenverbrauch verbindlich reduziert.

>> Hier die Petition "Stoppt die Verbauung Österreichs!" online unterzeichnen

(APA/Red.)

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