Betroffene Stimmung bei Kaprun-Gedenkveranstaltung

Am zehnten Jahrestag der Seilbahnkatastrophe von Kaprun haben sich am Donnerstag rund 200 Menschen zu einer Gedenkveranstaltung ganz in der Nähe des Unglücksortes getroffen.
Bilder der Gedenkveranstaltung
Bei dem Brand im Stollen der Standseilbahn sind 155 Menschen ums Leben gekommen, nur zwölf haben das Inferno überlebt. Das kühle, feuchte Novemberwetter entsprach der betroffenen Stimmung bei der Veranstaltung.

Viele der rund 150 Angehörigen waren mit Blumen und Kränzen erschienen, die sie noch vor Beginn in der jeweiligen Nische in der Gedenkstätte ablegten. Diese war durch Hunderte Kerzen zum Lichtermeer geworden. Viele andere aber seien gar nicht erst gekommen, weil sie abschließen möchten und hier wieder aufgewühlt worden wären, sagte Medienbetreuerin Gabriele Walsch. Teilgenommen haben auch einige der zwölf Überlebenden, Helfer von damals, Vertreter der Gletscherbahnen und Politiker. Das mediale Interesse war geringer als erwartet, rund 25 Journalisten und Kameraleute, darunter auch welche aus Japan, Deutschland und Holland, waren angereist.

Bürgermeister Norbert Karlsböck eröffnete um 9 Uhr den offiziellen Teil: “Es liegt in unserer Verantwortung, dieses Ereignis nie zu vergessen. Deshalb versichere ich Ihnen, dass Kaprun und im besonderen die Gedenkstätte ein Zentrum des gemeinsam Erlebten ist und für alle Zeiten bleiben wird.” Man möge einander am zehnten Jahrestag die Hände reichen, “in der Hoffnung, dass dies helfen kann, die Last zu lindern”, so der Bürgermeister.

Angehörige eroben in ihren Reden Vorwürfe

Die zwei Reden der Angehörigen beinhalteten dann auch Vorwürfe. Uschi Geiger, die einen Sohn in den Flammen verloren hatte, kritisierte erneut das Strafverfahren, in dem alle 16 Beschuldigten freigesprochen worden waren. Alle hätten auf ein Zeichen der Justiz gehofft. Es sei ein schweres Los, dass keine Schuldigen gefunden worden wären. “Viele von uns stehen hier alleine gelassen mit unseren Sorgen und Nöten.” Man habe zwar inzwischen gelernt, mit den Folgen des Unglücks zu leben, “aber die Wunden bleiben ein Leben lang, die Seele braucht einen dicken Verband.”

Und Werner Kirnbauer, der ebenfalls einen Sohn verloren hatte, sagte, dass jeder der 3.652 Tage seit dem Unglück “ein Tag der Verzweiflung und Enttäuschung” gewesen sei. Die Justiz habe nicht einmal versucht, die Ursache des Infernos zu begründen, das wegen “menschenverachtender Profitgier und Schlamperei” geschehen sei. “Wir kennen das Gesicht der Verantwortlichen.”

Versöhnlichere Worte schlug dann Landeshauptfrau Gabi Burgstaller an. Sie meinte, dass es vielleicht leichter falle, das Unglück zu verarbeiten, wenn man bereit sei zur Versöhnung. Und auch Bundeskanzler Werner Faymann lenkte den Blick in die Zukunft: Kein Gericht könne das Unglück ungeschehen machen. Aber man müsse die Lehren daraus ziehen. “Wir haben die Verantwortung, die Sicherheitsmaßnahmen auszubauen. Der Sparstift darf niemals dort angesetzt werden.” Außerdem müsse jeder in seinem Bereich seiner Aufgabe mit maximaler Sorgfalt nachgehen, nur so könne eine Verkettung unglücklicher Umstände verhindert werden.

Im Anschluss an die Reden feierten Superintendentin Luise Müller und Prälat Balthasar Sieberer einen kurzen ökumenischen Gottesdienst. Nach einer guten Stunde war die Gedenkveranstaltung beendet. Danach durften ausschließlich Angehörige in die Gedenkstätte, um sich in aller Ruhe an die lieben Verstorbenen zu erinnern. Viele von ihnen kamen danach mit Tränen in den Augen heraus.

Für heute Abend war noch ein ökumenischer Gottesdienst in der Stadtpfarrkirche in Wels geplant. 32 Menschen aus der zweitgrößten Stadt Oberösterreichs, die meisten davon Magistratsbedienstete oder deren Angehörige, haben bei der Brandkatastrophe im Tunnel der Gletscher-Standseilbahn ihr Leben verloren.

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