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Beslan: Zehn Terroristen identifiziert

Nur eine Woche nach dem blutigen Geiseldrama von Beslan hat die russische Polizei in einem wegen Reparaturarbeiten geschlossenen Kino in St. Petersburg ein Sprengstoff- und Waffenlager entdeckt.

Darunter waren auch 900 Gramm Plastiksprengstoff und zwei selbst gebaute Bomben, wie die Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag meldete. In Beslan sollen die Terroristen Bauarbeiten in den Sommerferien genutzt haben, um Waffen, Munition und Sprengstoff in der Schule zu verstecken.

Nähere Angaben zu dem am Mittwochabend in St. Petersburg entdeckten Waffenlager und besonders zu der Frage, wer es angelegt haben könnte, lagen zunächst nicht vor. Es gebe Hinweise auf einen kriminellen Hintergrund, hieß es am Donnerstag in Sicherheitskreisen. Mehrere Männer seien im Zusammenhang mit dem Fund festgenommen worden.

Im Zusammenhang mit dem Geiseldrama von Beslan teilten die Sicherheitskräfte mit, dass zehn der getöteten Terroristen identifiziert worden seien. Bei sechs handle es sich um Tschetschenen, vier seien Inguschen. Damit scheint sich zu bestätigen, dass der Überfall mit dem Tschetschenien-Konflikt in Verbindung steht. Noch mehr Zündstoff birgt aber möglicherweise die Identifizierung der Inguschen, da dies zum Wiederaufflammen des seit langem bestehenden Konflikts zwischen den mehrheitlich christlichen Osseten und den zumeist muslimischen Inguschen führen könnte.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf Großbritannien und den USA am Donnerstag unterdessen Doppelmoral vor, da sie tschetschenischen Separatisten Asyl gewährten. Dies schwäche die Einheit der weltweiten Koalition im Kampf gegen den Terrorismus, sagte Lawrow nach einem Bericht der Zeitung „Wremja Nowestei“ vom Donnerstag.

London hat den Abgesandten des ehemaligen tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow, Achmed Sakajew, aufgenommen. Von Washington hat der frühere tschetschenische Außenminister Iljas Achmadow Asyl erhalten. „Es reicht aus, sich an Sakajews Erklärung zu erinnern, wonach für das Drama in Beslan die russische Regierung verantwortlich ist“, sagte Außenminister Lawrow. Der Zynismus liege auf der Hand. „Wir sind weit davon entfernt, den Regierungen wichtiger Staaten zu unterstellen, absichtlich an der Doppelmoral festzuhalten. Aber die Trägheit ist sehr stark.“

Russland könne den Kampf gegen den Terrorismus in Tschetschenien nach eigenem Gutdünken führen, genau wie westliche Staaten in Afghanistan kämpften und den Krieg gegen den Irak gegen Moskauer Proteste durchgesetzt hätten, betonte Lawrow. Innenminister Nurgaliew sagte bei einem im Fernsehen übertragenen Treffen mit Präsident Wladimir Putin, neu gebildete Befehlszellen aus ranghohen Mitarbeitern des Innenministeriums und des Inlandsgeheimdienstes FSB sollten künftig direkt mit den örtlichen Regierungen im Nordkaukasus zusammenarbeiten und den Einsatz der Sicherheitskräfte mit ihnen abstimmen.

Tschetschenische Rebellen setzten am Donnerstag ein Kopfgeld von 20 Millionen Dollar (16,6 Mill. Euro) auf die Ergreifung des russischen Präsidenten Putin aus. Sie reagierten damit auf von Russland in Aussicht gestellte Kopfprämien in Höhe von 300 Millionen Rubel (8,49 Mill. Euro) für Maschadow und den Top-Terroristen Schamil Bassajew.

In der russischen Hauptstadt Moskau starteten drei Flugzeuge in Richtung Beslan. Sie sollten in der nordossetischen Kleinstadt mehr als vierzig Verletzte aufnehmen und zur Behandlung nach Moskau zurückbringen. Auch aus Österreich flog gestern, Mittwoch, eine Transportmaschine des österreichischen Bundesheer mit Hilfsgütern wie Medikamenten und Laborgeräten nach Beslan ab.

Bei dem Geiseldrama in Beslan waren vergangenen Freitag mehr als 330 Menschen ums Leben gekommen. Sechs Tage danach schweben immer noch 64 verletzte Opfer in Lebensgefahr. „Bei 64 Verletzten, darunter 39 Kindern, wird der Zustand weiter als sehr ernst eingeschätzt“, sagte der Leiter des Russischen Zentrums für Notfallmedizin, Sergej Gontscharow.

Internationale Pressestimmen zum Geiseldrama

“Financial Times” (London):
Putins Reaktion auf Beslan ist ein Fehler

„Russland ist ein stolzes Land. Sein Volk war in der Geschichte wiederholt Opfer grausamster Verbrechen. Bei seiner Reaktion auf den Anschlag von Beslan verfiel Präsident Wladimir Putin allerdings in die klassische Rhetorik des Kalten Krieges. Er erwähnte den Tschetschenien-Konflikt in seiner Rede nicht ein einziges Mal. Stattdessen beschwor er die Gefahr einer internationalen Terrorverschwörung gegen Russland und gab für die ganze Nation eine Kriegserklärung ab. Putin machte mit der Wahl seiner Worte denselben tragischen Fehler wie zuvor US-Präsident George W. Bush und seine Verbündeten. Das Konzept vom „Krieg gegen den Terror“ vermittelt ein völlig schiefes Bild dessen, was getan werden muss, um den Terrorismus in all seinen Formen zu besiegen.“

Der konservative niederländische „Telegraaf“ (Amsterdam):
Sticheleien zwischen Brüssel und Moskau

„Die Sticheleien zwischen Brüssel und Moskau illustrieren, wie schwierig das Verhältnis zwischen Europa und seinem großen Nachbarn ist. Beide haben einander nötig, aber es ist keine wechselseitige Liebe zu spüren. (…) Europa, und dabei vor allem die Europäische Kommission und die skandinavischen Länder, will die Augen nicht vor der zweifelhaften Menschenrechtspolitik von Präsident Wladimir Putin verschließen. Deshalb kommen bei jedem Gipfeltreffen zwischen der EU und Russland die unzulänglich funktionierende Demokratie, die Pressefreiheit und die Tschetschenienfrage zur Sprache. Putin passt das natürlich nicht. Er reagiert mit einer Mischung aus Charme und Bluff, und ab und zu schlägt er auch mit der Faust auf den Tisch. (…) Die Beziehung zwischen Brüssel und Moskau steht jetzt unter starker Spannung – vielleicht auch deshalb, weil einige der neuen EU-Länder erst kürzlich vom alten Sowjetjoch befreit wurden und eine harte Haltung gegenüber Russland befürworten.“

„Nesawissimaja Gaseta“ (Moskau):
Moskaus militärische Drohung ist hohl

„Generalstabschef Juri Balujewski hat nicht gesagt, welche Regionen er im Blick hat. Aber nach Angaben des US-Außenministeriums befinden sich die wichtigsten Stützpunkte des internationalen Terrorismus in Afghanistan, Pakistan, im Irak, im Süden des Libanon, in Algerien, Ägypten, Saudiarabien, Indien, Bangladesch und auf den Philippinen. Das sind also die Weltregionen, die Balujewski mit Präventivschlägen überziehen möchte. (…) Selbst ein flüchtiger Blick zeigt, dass Moskaus Mittel nicht für eine ’Politik der langen Hand’ ausreichen und dem Pathos von Balujewskis Erklärung nicht entsprechen.“

„L’Indépendant du Midi“ (aus dem südfranzösischen Perpignan):
Moskaus Kampf gegen den Terror

„Es war zu erwarten, dass der im Irak von der Bush-Regierung praktizierte Präventivkrieg schließlich auch andere inspirieren würde. Warum sollte diese Taktik schließlich das Privileg eines Landes bleiben? Wird Russland, das an der US-Koalition nicht teilnehmen wollte, nun anderswo eine Front eröffnen? Sicher, es hat bei weitem nicht das militärische Gewicht der USA. Aber der Terrorismus könnte für Moskau ein willkommener Vorwand sein, um in Georgien zu intervenieren oder in jedem anderen Land der Region, das den Fehler macht, eine nicht-konforme politische Linie zu verfolgen.“

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