Über 900 Illegale über Wien in die EU!

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Hunderte Ausländer - vorwiegend Asiaten - wurden über Wohnungen in der Bundeshauptstadt in andere EU-Länder weitergeschleppt. Per Auto oder Schiff kamen die "Illegalen" en masse nach Österreich.

Mindestens 900 asiatische Migranten soll eine vierköpfige Schlepperbande binnen eines Jahres über Wien in den EU-Raum gebracht haben. Die Geschleppten, großteils aus Bangladesch, zahlten bis zu 10.000 Euro, um auf mitunter lebensgefährliche Weise der Armut in der Heimat zu entrinnen.

Zielland war Italien. Dort hätten sie eine Chance auf Legalisierung und Arbeit, redeten ihnen die Schlepper ein. Die Wiener Polizei und das Bundeskriminalamt ermittelten seit Juli.

Drei Verdächtige sind in Haft, ein Komplize dürfte in der Slowakei untergetaucht sein. Es handelt sich um vier Männer aus Bangladesch, die sich wegen offener Asylverfahren legal in Österreich aufhielten. Sie sollen aus dem Dunstkreis einer Schlepperbande stammen, die das Landeskriminalamt Niederösterreich 2005 zerschlagen hat.

„Sie haben sich neu organisiert und die vorhandenen Kanäle ausnützt“, sagte Oberstleutnant Herbert Selbach, Leiter des Referats gegen Schlepperei und Menschenhandel in der Kriminaldirektion 1, der APA.

In Bangladesch legten ganze Familienverbände ihr Geld zusammen, um eine einzige Schleppung zu finanzieren: Pro Kopf wurden zunächst 7.000 bis 8.000 Euro für Flüge bezahlt, die beispielsweise über die Ukraine oder die Vereinigten Arabischen Emirate bis vor die Tore der EU führten. Vorletzte Station war meist die Slowakei, wo die Migranten gegen weitere Bezahlung über die grüne oder die blaue (Donau, March) Grenze nach Österreich gebracht wurden.

Je sicherer und „bequemer“ der Transport, desto teurer. Wer sich nicht mehr viel leisten konnte, musste statt eines Kofferraumverstecks im Pkw oder hinter doppelten Wänden eines Lkw „sehr gefährdende, ja sogar lebensgefährliche Umstände“ in Kauf nehmen: Ein Flüchtling kam etwa auf dem Aufsteigetrittbrett eines Güterzugs nach Wien.

In der Bundeshauptstadt wurden die Migranten vorübergehend in ständig wechselnden Wohnungen versteckt. „Das sind Massenquartiere, neun Matratzen auf 30 Quadratmetern“, schilderte Selbach.

Bleiben wollte kaum einer, Zielland war fast immer Italien. Den Menschen werde schon in ihrer Heimat suggeriert, im Stiefelstaat finde jedes Jahr eine Legalisierungsaktion für Wirtschaftsflüchtlinge statt, sagen die Kriminalisten. Wer es schaffe, lange genug im Land zu leben, dürfe bleiben und arbeiten, so die Mundpropaganda der Schlepper. „Es gibt in den Herkunftsländern zu wenig Aufklärung über die tatsächlichen Verhältnisse“, sagte Selbach.

Die vier Verdächtigen lebten in Wien wie normale Asylwerber, allerdings sollen sie regelmäßig größere Beträge nach Hause überwiesen haben. Zu den Menschenhandelsvorwürfen seien sie teilweise geständig.

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