Belgrad: Djindjic vor Anschlag gewarnt

Der im März 2003 von einem Scharfschützen in Belgrad erschossene serbische Ministerpräsident Zoran Djindjic soll Monate zuvor von einem hochrangigen westlichen Diplomaten auf die Attentatsgefahr aufmerksam gemacht haben.

Das sagte ein enger Mitarbeiter von Djindjic, Vladimir Popovic „Beba“ am Sonntag dem Belgrader TV-Sender „B-92“.

Die Warnung soll im September 2002 von dem „Botschafter eines großen europäischen Staates“ erfolgt sein, erläuterte der frühere Chef des Pressedienstes der serbischen Regierung unter Djindjic. Der Diplomat habe Djindjic gesagt, dass das serbisch-montenegrinische Militär und „bestimmte Milosevic treue Strukturen“ in die Attentatspläne verwickelt seien. Nach westlichen nachrichtendienstlichen Erkenntnissen seien auch einzelne russische Geheimdienststrukturen „sehr aktiv“ daran beteiligt gewesen.

Wegen der Ermordung von Djindjic wurden im Herbst 2003 13 Personen, darunter Angehörige der serbischen Polizei-Spezialeinheit „Rote Barette“ und der einst landesweit größten Mafia-Gruppe im Belgrader Stadtviertel Zemun, angeklagt. Als Hauptorganisator des Anschlags wird der frühere Kommandant der „Roten Barette“, Milorad (Lukovic) Ulemek „Legija“, angesehen. Über die Auftraggeber ist bis dato nichts bekannt.

Nach der Ermordung von Djindjic wurden wegen vermeintlicher Komplizenschaft mit den Attentätern auch der frühere Leiter des Belgrader Militärnachrichtendienstes, Aca Tomic, sowie der Militärberater des früheren jugoslawischen Präsidenten Kostunica, Rade Bulatovic, vorübergehend festgenommen. Der Staatsanwalt für die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität, Jovan Prijic, hatte allerdings später auf eien Anklage gegen sie verzichtet.

Popovic selbst gilt als äußerst kontroverse Persönlichkeit. Aus Kreisen um den aktuellen Regierungschef Kostunica wird ihm angelastet, er habe nach der Ermordung von Djindjic dessen politischen Gegnern die Schuld in die Schuhe schieben wollen, um sich an ihnen zu rächen.

„B-92“ führte ein mehrstündiges Interview mit Popovic. Schon die Ausstrahlung des ersten Teil sorgte am vergangenen Montag für Aufsehen. Der zweite Gesprächsteil, in dem Popovic über die vermeintliche Verwicklung von Militärstrukturen in die Attentatspläne spricht, wird am Montagabend ausgestrahlt. Am Sonntag waren nur Ausschnitte zu sehen.

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