Beim Freigang Polizisten angefahren: Prozess gegen Häftling in Wien

Der Prozess gegen den Häftling startet kommenden Mittwoch.
Der Prozess gegen den Häftling startet kommenden Mittwoch. ©VIENNA.at/David Mayr
Am Mittwoch startet der Prozess gegen jenen Häftling, der während seines Freigangs, einen Polizisten mit einem Motorrad angefahren und lebensgefährlich verletzt hatte.
Häftling angeklagt
Polizist von Häftling niedergefahren

Am kommenden Mittwoch muss sich ein 30-jähriger Mann am Wiener Landesgericht verantworten, der laut Anklage als im gelockerten Vollzug befindlicher Häftling im Vorjahr während eines Freigangs einen Polizisten lebensgefährlich verletzt hat. Er fuhr den Beamten mit einem Motorrad nieder, als dieser sich ihm in den Weg stellte. Die Anklage lautet auf schwere Körperverletzung mit Dauerfolgen.

Für den Polizisten ist es “nicht nachvollziehbar, dass von der Staatsanwaltschaft in diesem Fall keine Anklage wegen versuchten Mordes eingebracht wurde”, sagte Rechtsanwalt Mathias Burger (Kanzlei Kollmann Wolm) am Freitag im Gespräch mit der APA. Burger vertritt gemeinsam mit seinem Kollegen Alfred Boran die Interessen des Beamten und hat sich daher dem Strafverfahren als Privatbeteiligter angeschlossen. “Er ist sicher nicht in das Motorrad reingesprungen. Es ist vielmehr davon auszugehen, dass der Angeklagte mit Absicht auf ihn zugefahren ist und dabei den Tod des Polizisten in Kauf genommen hat”, so Burger unter Verweis auf die gutachterlich festgestellte deutlich überhöhte Geschwindigkeit von beinahe 100 Stundenkilometern.

Mit 175-PS-Motorrad auf Polizisten zugefahren

Der Angeklagte verbüßt in der Justizanstalt Hirtenberg wegen gewerbsmäßiger Betrügereien und Diebstähle eine vierjährige Freiheitsstrafe. Offizielles Strafende: April 2018. Am 22. September 2016 wurde ihm ein Freigang genehmigt, den er dazu nutzte, die neue, 175 PS starke Yamaha seines Bruders auszuprobieren.

Dass er keine Lenkerberechtigung besitzt und die Maschine noch nicht für den Verkehr zugelassen war, störte den Mann nicht weiter. Er bastelte aus Karton Kennzeichen, die er vor der Ausfahrt auf dem Motorrad montierte. Das fiel einer Funkstreifen-Besatzung auf, die den Biker deswegen kontrollieren wollte. Der Versuch, diesen anzuhalten, scheiterte – der 30-Jährige gab Vollgas und brauste davon. Die Beamten forderten über Funk Verstärkung an.

Verfolgungsjagd mit dem Flüchtigen

Die Verfolgungsjagd ging bis nach Strebersdorf, wo ein 52 Jahre alter Polizist an der Kreuzung Langenzersdorferstraße/Strebersdorfer Platz Dienst versah. Der Beamte bekam über Funk den Einsatz mit. Als ihm klar wurde, dass das Motorrad seine Kreuzung passieren würde, stellte er sich auf die Fahrbahn, um den Flüchtenden zu stoppen.

Das Motorrad hatte laut Anklage eine Geschwindigkeit von zumindest 95,8 km/h und erfasste den Polizisten frontal. Der Beamte wurde zehn Meter durch die Luft geschleudert und krachte dann auf die Fahrbahn, wo er reglos liegen blieb. Er erlitt unter anderem einen Schädelbasisbruch, Serienrippenbrüche, Brüche des oberen und unteren Schambeins, des Kreuzbeins und des linken Unterschenkels sowie zahlreiche Bänder- und Muskelrisse. Eine Notoperation rettete ihm das Leben.

Die Karriere des Beamten war mit dem Unfall allerdings erledigt. Er bekam nach eingehenden ärztlichen Untersuchungen eine Berufsunfähigkeit bescheinigt, mittlerweile hat er einen Antrag auf Pensionierung eingebracht. In der Verhandlung soll der 52-Jährige als Zeuge aussagen. “Für ihn ist das Verfahren eine ziemliche psychische Belastung”, berichtete sein Rechtsbeistand. Daneben machen dem Mann selbst bei alltäglichen körperlichen Verrichtungen oder längerem Stehen nach wie vor physische Schmerzen zu schaffen.

(APA, Red.)

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