Befreiungsversuch gescheitert: 2 Politiker tot

In Kolumbien sind zwei seit mehr als einem Jahr entführte Politiker von FARC-Rebellen während eines gescheiterten Befreiungsversuchs durch das Militär getötet worden.

Im Nordwesten Kolumbiens sind zwei seit mehr als einem Jahr entführte ranghohe Politiker von linken FARC-Rebellen während eines gescheiterten Befreiungsversuchs durch das Militär getötet worden. Das bestätige Präsident Alvaro Uribe am Montagabend (Ortszeit) im Fernsehen.

Der Staatschef rief das kolumbianische Volk auf, sich „abzuhärten und den Terrorismus zu bekämpfen, der dem Land so viel Schaden zugefügt habe“. Sein Sprecher Ricardo Galàn hatte zuvor unter Berufung auf eine überlebende Geisel gesagt, die Rebellen hätten ihre Opfer „kaltblütig“ erschossen, bevor das Militär zu deren Lager in der Provinz Antioquia vorgedrungen war.

Als die Soldaten das Lager der marxistischen „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (FARC) in der Gemeinde Urrao etwa 280 Kilometer nordwestlich von der Hauptstadt Bogotà erreichten, hätten sie die Leichen des früheren Verteidigungsministers und späteren Friedensbeauftragten der Provinz Antioquia, Gilberto Echeverry, und des Gouverneurs von Antioquia, Guillermo Gaviria, sowie von acht weiteren entführten Militärs gefunden. Die Opfer hätten Genickschüsse aufgewiesen, sagte Galàn. Die Soldaten hätten keinen Schuss abgefeuert.

Diese Darstellung widersprach einer Erklärung der FARC. Darin gab die mit 17.000 Männer und Frauen größte Rebellengruppe des Landes Uribe die Schuld am Tod der Geiseln, weil er die gewaltsame Befreiung angeordnet habe. Sie seien „bei einer großen Auseinandersetzung mit dem Militär ums Leben gekommen“, schrieben die FARC. Echeverry und Gaviria waren am 21. April vergangenen Jahres von den FARC entführt worden, als sie einen Friedensmarsch anführten.
Der frühere Präsident Ernesto Samper, zu dessen Kabinett Echeverry gehörte, äußerte sich tief betroffen über die Nachricht. „Es scheint, als hätten wir ein unerträgliches Maß an Gewalt erreicht“, sagte Samper.

Die Morde könnten den seit Monaten erhofften Austausch von Geiseln gegen inhaftierte Rebellen erneut stark verzögern. Beide Seiten hatten gerade erst begonnen, Kontakte für Verhandlungen über einen Austausch herzustellen. Der Tod der Geiseln löste Erschütterung und eine Welle der Empörung aus. Uribe versucht, die Rebellen durch militärischen Druck an den Verhandlungstisch zu bekommen. Die Rebellen, die den Staat seit fast 40 Jahren bekämpfen, reagierten mit einer Verschärfung ihrer Angriffe auch auf Zivilisten.

Der Tod der Geiseln verstärkte auch die Sorge um das Schicksal anderer Entführungsopfer. Die bekannteste Geisel ist die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die im Februar 2002 entführt wurde. Aus politischen Gründen halten die Rebellen noch einen Ex-Minister, 16 Parlamentarier sowie etwa 40 Militärs fest. Weit mehr Menschen sollen die FARC zur Erpressung von Lösegeldern verschleppt haben. Davon waren in den vergangen Jahren Schätzungen zufolge etwa 6000 Menschen betroffen.

Die Katholische Kirche und Angehörige von Entführten haben Uribe immer wieder aufgefordert, mit den Rebellen ein Abkommen zum Gefangenenaustausch zu schließen. Die am Montag Getöteten befanden sich auf einer entsprechenden Liste der Rebellen. Uribe will einer solchen Übereinkunft jedoch nur zustimmen, wenn sie unter der Vermittlung der Vereinten Nationen zu Stande kommt.

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