Befragung missbrauchter Kinder

Die Erstbefragung sexuell missbrauchter Kinder durch die Polizei ist ein sensibles Thema. Zum einen ist sie wegen der zeitlichen Nähe die wichtigste Befragung, zum anderen soll sie möglichst opferschonend und unbeeinflusst verlaufen. Seit zehn Jahren gibt es in Wien den derzeit einzigen Video-Befragungsraum Österreichs in geschütztem Ambiente - in einem Wohnhaus in der Andreasgasse in Neubau.

Die Herausforderung bei der Befragung: Eine kindgerechte Sprache finden, die die Schwere der Vergehen nicht verniedlicht, “sich langsam zu den Fakten hintasten – etwa mit Fragen wie ‘kannst du dich erinnern, was du anhattest?’ – und das Kind mit den Fragen nicht beeinflussen”, sagte Chefinspektor Brigitte Nurscher von der Bundespolizeidirektion Wien. Es müssen u.a. Datum, Uhrzeit und Ort der Vorfälle ermittelt werden. “Am schwierigsten ist das ‘Wann’ herauszufinden, weil es (der Missbrauch, Anm.) so oft passiert ist.

Hat der Täter – etwa in Fall von Kinderpornografie – das Kind gefilmt, wird bei der Einvernahme kein Video aufgezeichnet. “Bei komplizierten Fällen gibt es auch die Möglichkeit eines Tonbandmitschnitts, um das Kind nicht zusätzlich zu traumatisieren”, sagte Nurscher. Fälle von Kinderpornografie gibt es “wenige, das ist ist nicht das Gros der Fälle”. Zur Einvernahme dürfen die Kleinen eine Vertrauensperson mitnehmen, “sofern diese nicht in die Amtshandlung verwickelt ist”. Mütter seien oft selbst betroffen, ein Seufzen bei der Befragung des Kindes kann dieses beeinflussen. “Erstaunlich ist, dass junge Kinder die Mama oft hinausschicken”, erzählte Nurscher.

Eine Zunahme bei den Delikten kann die Beamtin nicht feststellen. “Sexuellen Missbrauch hat es immer gegeben. Zu Beginn meiner Arbeit, Anfang der 1980er, war es noch ein starkes Tabu-Thema. In den 90ern ist opferschutzmäßig und medial viel passiert”, es wurde öfter darüber gesprochen, die Menschen sensibler. Auffällig sei, dass die Fälle schubweise bekannt würden. Im Jänner gibt es die wenigsten Anzeigen, mit Schulbeginn werden es mehr.

Brigitte Nurscher ist seit 1981 Kriminalbeamtin in Wien. Sie ist ausgebildete Kindergartenpädagogin und absolvierte die Sozialakademie. Im Jahr 2000 hat sie das Projekt Opferschutz/Videodokumentierte Befragung ins Leben gerufen.

  • VIENNA.AT
  • Chronik
  • Befragung missbrauchter Kinder
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen